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Chimamanda Adichie – Americanah Juni 4, 2015

Filed under: Romane — themaktima @ 11:27 pm
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Chimamanda Adichie - AmericanahSieht toll aus, das Buch, nicht? Es ist eine Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg. But… don´t judge the book by its cover. Den überschwenglichen Praise auf der Buchrückseite kann ich kaum nachvollziehen. Von einem „umwerfenden Roman“ ist die Rede (FAZ), sogar von einem „literarischen Triumph“ (Spiegel Online).

Chimamanda Adichie erzählt von Ifemelu, einer jungen Nigerianerin, die nach Amerika auswandert und so scheinbar den Traum verwirklicht, den viele ihrer Landsleute haben. Nach anfänglichem Überlebenskampf wird Ifemelu zur Bloggerin; sie schreibt über das Thema Rasse und Rassismus: „Schwarz wirst Du erst, wenn Du nach Amerika kommst“. Sie schafft es sogar bis nach Princeton, kehrt schließlich aber doch als „Americanah“ in ihre Heimat zurück. Ein hervorragendes Thema, und der Roman ist zu Beginn auch sehr vielversprechend. Leider verliert die Geschichte immer mehr an Fahrt. Und Adichie wiederholt sich. In der zweiten Hälfte der 600 Seiten wurde ich des Lesens wirklich müde. Schade.

Die besagten Lobeshymnen sind dann wohl auch einem Phänomen geschuldet, das Adichie in ihrem Buch unter anderem anprangert: Positive Diskriminierung.

 

Favel Parrett – Jenseits der Untiefen Oktober 23, 2013

Filed under: Romane — hilpirella @ 11:10 am
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jenseits der untiefen Die drei Brüder Joe, Miles und Harry leben allein mit ihrem unberechenbaren, sadistischen Vater nachdem die Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam. Der Vater schlägt sich mit illegalem Muschelfischen durch, trinkt, schlägt seine Kinder, die in einer verwahrlosten Umgebung ohne Liebe aufwachsen.
Eine Handlung ist in diesem Roman eigentlich nicht zu erkennen; die Stimmung dunkel und hoffnungslos. Das Debut der australischen Autorin Parrett besticht durch seine sprachliche Gewalt und ein furioses Ende. Ich habe es in drei Zügen durchgelesen und sage: toll!

 

Milena Michiko Flasar – Ich nannte ihn Krawatte April 1, 2013

Filed under: Romane — hilpirella @ 8:23 pm
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ich nannte ihn krawatte Zwei Menschen begegnen sich in einem Park irgendwo in Japan. Ein junger Mann, der seit zwei Jahren das Zimmer im Hause seiner Eltern kaum verlassen hat und nun wieder beginnt, nach draussen zu gehen, um täglich auf einer Parkbank zu sitzen. Auf der Parkbank nebenan sitzt täglich ein älterer Mann, der seine Arbeit verloren hat und mit seiner Frau nicht darüber sprechen kann. Er verbringt seine vermeintliche Arbeitszeit in Krawatte und mit Lunchbox auf der Parkbank. Diese beiden sozialen Aussenseiter nähern sich einander an, beginnen sich ihre Vergangenheit, Ängste und Gefühle zu erzählen und entwickeln eine ganz besondere Art der Freundschaft.

Das Buch ist mit wenigen, sehr einfühlsamen Sätzen geschrieben. Dies ist ein ernstes Buch, es war mir eine Freude es zu lesen.

 

Cay Rademacher – Der Schieber März 13, 2013

Filed under: Geschichte,Krimis — themaktima @ 11:17 pm
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Der Schieber - Cay RademacherDer Kriminalroman „Der Schieber“ spielt im Hamburg von 1947. Ein 14jähriger Junge wird erstochen auf einem Blindgänger in einer Werft gefunden. Kommissar Stave ermittelt…

Tatsächlich bin ich noch gar nicht durch und weiss auch noch nicht, wer den Mord begangen hat. Trotzdem, besser gesagt, gerade deshalb schreibe ich schon eine dicke Leseempfehlung ins Lesehuhn. Denn Cay Rademacher erweckt sein Szenario mit höchster Glaubwürdigkeit zum Leben: Die eindrückliche und oftmals bedrückende Darstellung des mühseligen täglichen Lebenskampfes der handelnden Personen – egal, ob Arbeiter, Besatzer, Kind oder Kommissar – im Nachkriegshamburg drängt den eigentlichen Kriminalfall in den Hintergrund. Das empfinde ich allerdings überhaupt nicht als Makel – es reicht mir, einfach nur immer weiterzulesen.

Ich werde mir jedenfalls den Vorgänger „Der Trümmermörder“ direkt kaufen, nachdem ich weiss, wer den Jungen ermordet hat. Übrigens: Cay Rademacher ist Chefredakteur von GEO Epoche, das erklärt sicher, warum das geschichtliche Setting so fundiert erscheint.

Nachtrag: Am Ende nimmt der Fall dann doch noch Fahrt auf. Ein tolles Stück Kriminalliteratur.

 

Hansjörg Schertenleib – Der Glückliche Januar 9, 2013

Filed under: Romane — hilpirella @ 10:34 am
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dergluecklicheThis Studer ist Trompeter und ein gefragter Berufsmusiker. Er folgt einer Einladung seines Freundes Henk nach Amsterdam, um dort mit dessen Jazzband eine Reihe Konzerte zu geben. This‘ Frau Daniela begleitet ihn für ein Wochenende und die beiden – seit fast zwanzig Jahren zusammen – erleben ein Wochenende wie zwei Frischverliebte.
Nach Danielas Abreise hat This eine Begegnung mit einem Hund und seine Gedanken ziehen in in seine frühe Jugend zurück, die Begenungen mit dem Hund in Amsterdam häufen sich und This glaubt, es sei Zeit für eine Wiedergutmachung…

Dieses kleine herrliche Buch hab ich „zwischen den Jahren“ gelesen. Es transortiert eine wunderschöne Stimmung, die genau zu dieser Zeit passt. Wie bisher alles von Hansjörg Schertenleib, das ich gelesen habe: sehr zu empfehlen.

Happy New Year!

 

Juli Zeh – Nullzeit August 24, 2012

Filed under: Romane — themaktima @ 9:05 pm
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Sven hat Deutschland den Rücken gekehrt und sich auf einer spanischen Insel eine Existenz als Tauchlehrer aufgebaut. Dort schiebt er eine ruhige Kugel, bis Serienschauspielerin Jola (die endlich eine ernstzunehmende Rolle will) und Schriftsteller Theo (der endlich saufen will) ihn für viel Geld als Rund-um-die-Uhr-Coach buchen. Sven hält sich gern aus allem raus, aber die beiden lassen das schlicht nicht zu. Es entspinnt sich eine Dreiecksgeschichte, die sich gewaschen hat.

Dieser raffinierte, anspruchsvolle Psychothriller ist ein echter Pageturner – und nichts für schwache Nerven! Ist schon eine ganze Weile nicht mehr passiert, dass ich ein Buch ständig mit mir rumschleppte. Dass es nicht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis landete, hat Juli Zeh dann wohl auch eher dem einen oder anderen kräftigen Seitenhieb gegen die Literaturszene zu verdanken. Scheiss drauf, einfach lesen und abtauchen.

 

Joachim Gauck – Winter im Sommer – Frühling im Herbst August 13, 2012

Filed under: Memoiren — themaktima @ 10:16 pm
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Joachim Gauck - Winter im Sommer, Frühling im HerbstWie gut, dass Joachim Gauck doch noch Bundespräsident geworden ist; denn sonst hätte ich diese aussergewöhnliche Autobiographie wohl verpasst.

In vier großen Abschnitten erzählt Gauck (in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch) über seine Jugendzeit in Rostock gegen Ende des Krieges und zu Beginn der DDR-Diktatur; von seiner persönlichen und beruflichen Entwicklung vom jungen Pastor zum erfahrenen, auch politisch aktiven Kirchenmann und Bürgerrechtler; über den allmählichen Beginn des Widerstands in der DDR und dem Sturz des Unrechtsregimes; und schlussendlich über die Stasi-Unterlagen-Behörde, deren Chef Gauck zehn Jahre lang war.

Wer sich für die jüngere deutsche Geschiche interessiert, wird begeistert sein.

Insbesondere die Kapitel über die Revolution in der DDR sowie über den – zu Beginn verblüffend chaotischen – Aufbau der Gauck-Behörde sind spannend und aufschlußreich. Ich muss jedoch zugeben: ich interessiere mich nicht sonderlich für Kirchenpolitik; vielleicht kamen mir daher die Passagen über sein Engagement als Pastor etwas länger vor.

Gauck schreibt jedoch nicht einfach seine Lebensgeschichte nieder, sondern hält vielmehr ein emotionales, oft mitreissendes Plädoyer für Freiheit und Eigenverantwortung. Seine Botschaft berührt, und sie macht Mut. Ich möchte daher die Lektüre von Gaucks Erinnerungen wirklich jedem uneingeschränkt empfehlen.