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Hans Fallada – Jeder stirbt für sich allein Dezember 14, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 12:01 am
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Fallada - Jeder stirbt für sich alleinDies ist die Geschichte der Eheleute Quangel, die zu Widerstandskämpfern gegen das Naziregime werden, als ihr Sohn sinnlos im Dritten Weltkrieg fällt. Ich bin sehr froh, dass ich durch die Neuauflage im Aufbau-Verlag auf das Werk aufmerksam wurde – es erschien 1947 zum ersten Mal – denn es ist eins der beeindruckendsten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

„Jeder stirbt für sich allein“ ist nicht nur die Schilderung eines aussichtslosen Kampfes; es handelt insbesondere vom Umgang der einfachen Leute mit den widrigen Lebensumständen im Dritten Reich: der nagenden Knappheit und Not, dem allgegenwärtigen Denunziantentum und vor allem der unsäglichen, diffusen Angst vor dem Terror.

Der Roman basiert im Übrigen auf einer aktenkundigen Biographie, was das Leseerlebnis umso erschütternder macht. Auch wenn, wie Fallada selbst im Vorwort kundtut, darin „reichlich viel gequält und gestorben wird“, ist es kein deprimierendes Buch. Dafür sorgt insbesondere Falladas überwältigender, mit bissiger Ironie gespickter Erzählstil. Im Anhang findet der Leser zahlreiche Artefakte zur Geschichte, wie z.B. Gestapo-Fotos der Protagonisten oder Korrespondenz zur Entstehung des Romans. Ich kann nur jedem raten, dieses Buch zu lesen – ohne Wenn und Aber.

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Valentin Senger – Kaiserhofstraße 12 Mai 19, 2010

Filed under: Memoiren — themaktima @ 2:32 pm
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Valentin Senger, russischer Jude und Sohn politisch aktiver Kommunisten, lebt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in Deutschland: Es ist das Jahr der Machtübergabe an Hitler. Senger erzählt, wie er und seine Familie 12 Jahre lang versuchen, ihre wahre Identität zu verbergen und sich so vor dem sicheren Tod im Konzentrationslager zu retten.

Es ist unfassbar; äußerste Selbstverleugnung, eine merkwürdige Anhäufung von Zufällen, aber oft auch die Erfahrung unvermuteter Menschlichkeit in einem menschenverachtenden Staat ermöglichen Senger das Überleben.
Nicht nur ist „Kaiserhofstraße 12“ eine erstaunliches Dokument aus der Nazizeit, das unmittelbar deutlich macht, warum die Besetzung durch die Alliierten eine Befreiung und keine Niederlage Deutschlands war. Es ist auch ein Plädoyer für die Zivilcourage. Denn Valentin Senger stellt sich und uns die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, die selbstverachtende Haltung statt seiner selbst aufzugeben und für sich – und für andere! – zu kämpfen, auch wenn das den Tod bedeutet hätte.

Auch wenn Senger sicher kein großer Erzähler ist, und wenn auch die eine oder andere persönliche Passage (es geht recht oft um Frauen) etwas stören mag: Jeder, der sich für die jüngere deutsche Vergangenheit interessiert, sollte diese außergewöhnliche Geschichte lesen.