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Cay Rademacher – Der Schieber März 13, 2013

Filed under: Geschichte,Krimis — themaktima @ 11:17 pm
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Der Schieber - Cay RademacherDer Kriminalroman „Der Schieber“ spielt im Hamburg von 1947. Ein 14jähriger Junge wird erstochen auf einem Blindgänger in einer Werft gefunden. Kommissar Stave ermittelt…

Tatsächlich bin ich noch gar nicht durch und weiss auch noch nicht, wer den Mord begangen hat. Trotzdem, besser gesagt, gerade deshalb schreibe ich schon eine dicke Leseempfehlung ins Lesehuhn. Denn Cay Rademacher erweckt sein Szenario mit höchster Glaubwürdigkeit zum Leben: Die eindrückliche und oftmals bedrückende Darstellung des mühseligen täglichen Lebenskampfes der handelnden Personen – egal, ob Arbeiter, Besatzer, Kind oder Kommissar – im Nachkriegshamburg drängt den eigentlichen Kriminalfall in den Hintergrund. Das empfinde ich allerdings überhaupt nicht als Makel – es reicht mir, einfach nur immer weiterzulesen.

Ich werde mir jedenfalls den Vorgänger „Der Trümmermörder“ direkt kaufen, nachdem ich weiss, wer den Jungen ermordet hat. Übrigens: Cay Rademacher ist Chefredakteur von GEO Epoche, das erklärt sicher, warum das geschichtliche Setting so fundiert erscheint.

Nachtrag: Am Ende nimmt der Fall dann doch noch Fahrt auf. Ein tolles Stück Kriminalliteratur.

 

Colin Cotterill – Dr. Siri und seine Toten Januar 11, 2012

Filed under: Krimis — hilpirella @ 10:40 pm
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Vientiane 1976: Dr. Siri ist Anfang Siebzig und sehnt sich nach seinem Ruhestand, doch stattdessen wird er von der neuen kommunistischen Regierung zum Pathologen „befördert“. Er eignet sich dieses ihm fremde Fach mit Hilfe völlig veralteter französicher Lehrbücher an und macht seine Arbeit so genau und gewissenhaft er kann … zum Ärger seiner Vorgesetzten, die wohl darauf spekulierten, der alte Herr würde der Einfachheit halber häufig die Todesursache „Herzinfarkt“ feststellen.

Das Buch beginnt auch mit gleich mit vielen Leichen (die keineswegs eines natürlichen Todes gestorben sind) und Dr Siri begibt sich zusammen mit seinen beiden Assistenten auf Spurensuche.

Dieses Buch hat Charme: Ein Krimi, der in Laos spielt ist schon aussergewöhnlich. Die Kultur (Dr. Siri begegnen Geister und daran ist nichts ungewöhnliches) und die Geschichte des Landes werden dabei beleuchtet. Dr Siri selbst ist natürlich ein liebenswerter, eigenwilliger Mensch, der den neuen Machthabern kritisch gegenübersteht, auch wenn er selbst während der Revolution auf kommunistischer Seite gekämpft hat.

Ich habe mich leider mit der manchmal etwas zu saloppen Sprache schwergetan und frage mich, ob das authentisch ist oder eine Note des Übersetzers. Wie dem auch sei: Bini sei Dank liegt der nächste Krimi aus dieser Reihe schon auf dem Lesestapel und wird verschlungen werden.

 

Juli Zeh – Corpus Delicti Dezember 5, 2010

Filed under: Krimis,Romane — themaktima @ 2:05 pm
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Nach einiger Zeit mal wieder ein Buch, das richtig polarisiert. Es gibt zu „Corpus Delicti“ wirklich kluge Rezensionen bei amazon; also so klug kann ich das, was mir beim Lesen durch den Kopf ging, überhaupt nicht formulieren. Darum seid aufgefordert, Euch einfach mal das lebhafte Pro und Contra in den (teilweise politisch motivierten) Kundenkommentaren anzuschauen. Es ist offensichtlich, dass Juli Zeh mit diesem Roman einen Nerv getroffen hat.

Corpus Delicti ist eine Dystopie (ok, vielleicht sieht das Philipp Rösler ja anders), in der die Gesundheit des Menschen zum höchsten Gut erhoben ist und ein allmächtiger Staat durch hundertprozentige Kontrolle über das Wohl seiner Bürger wacht. Mia führt darin ein reichlich angepasstes Leben, gerät dann aber durch den Tod ihres revolutionären Bruders ungewollt ins Fadenkreuz des Staatsschutzes und der gleichgeschalteten Medien.

Frappierend ist nicht die Geschichte selber, sondern ihr erstaunlicher Realitäts- und Gegenwartsbezug. Gesundheit? Finden wir gut. Inwieweit sind wir bereit, uns für ein möglichst langes Leben ohne Schmerzen unterzuordnen? Zehs Antwort: Komplett.

Der Roman ist jedenfalls spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Ich finde zwar, dass Juli Zeh ihre Message etwas zu oft und zu plakativ in den Mittelpunkt der Story rückt, muss jedoch zugeben, wieder mal erschrocken zu sein angesichts der Erkenntnis, wie viele Puzzleteile für eine Welt, wie sie in Corpus Delicti gezeichnet wird, bereits auf dem Tisch liegen.


 

Jedediah Berry – Handbuch für Detektive Oktober 2, 2010

Filed under: Krimis — themaktima @ 7:59 pm
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Das hätte ein Krimi der ganz anderen Art werden können. 200 Seiten lang war ich überzeugt, eine Perle der Kriminal-Literatur (ja, Literatur!) gefunden zu haben. Da war vieles drin, was ich gerne mag: Merkwürdige Atmosphäre, schrille Charaktere, verblüffende Begebenheiten, hintergründiger Humor, ein mysteriöser Mord, ein folgenschweres Missverständnis, ein Antiheld. 200 Seiten lang dachte ich: Hier hat Graham Greene endlich einen würdigen Nachfolger gefunden – zumindest, was das Krimi-Genre angeht. Wähnte schon das Lesehuhn gackern: „Wer „Unser Mann in Havanna“ gut findet, MUSS dieses Buch lesen.“

Und dann? Schreibt Jedediah Berry weitere 200 Seiten. Auf einmal kriegt man unnötige Actionszenen serviert, die Story wird wirr (manche Rezensenten bei Amazon loben das als „kafkaesk“ – da würde der Franz Kafka im Grab Pirouetten drehen, wenn er das wüsste), der Antiheld wird irgendwie zum Helden, und der anfangs wirklich äußerst ansprechende Erzählstil sinkt auf Fantasyniveau.

Ich habe mich wirklich gefragt, ob der junge Mann das Buch selber fertiggeschrieben hat, oder nach Diktat verreist ist. Leider reicht es nicht, ein halbes gutes Buch zu schreiben. Daher kann ich das „Handbuch für Detektive“ nicht empfehlen. Nach einem so guten Beginn eine herbe Enttäuschung.


 

Graham Greene – Die Reisen mit meiner Tante Mai 16, 2010

Filed under: Krimis,Romane — themaktima @ 8:55 pm

Der pensionierte Bankangestellte Henry Pulling kommt während der Beerdigung seiner Mutter mit seiner Tante ins Gespräch. Ein verhängnisvolles Zusammentreffen, denn die 75jährige hatte eine lebhafte Vergangenheit – und ihre Gegenwart steht dieser offenbar in nichts nach. Henry wird aus seiner berechenbaren und sicheren kleinen Welt in das Abenteuer Leben katapultiert.

„Die Reisen mit meiner Tante“ ist ein manchmal skurriler Roman mit parabelhaften Zügen, der nicht zuletzt davon profitiert, dass Greene ihn erst 1969 geschrieben hat. Darin kommen in loser Reihenfolge vor: Ein bisschen Krimi, ein bisschen Religion, ein bisschen die Moral, ein bisschen Pot und nicht zuletzt sein unverwechselbarer schwarzer Humor. Ein tolles Buch, das leider keine Sau kennt.


 

Martin Walker „Bruno Chef de police“ Juli 27, 2009

Filed under: Krimis,Romane — kikeriki @ 2:11 pm
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bruno_

Nun ja. Wenn eine Buchkritik mit diesen zwei Wörtern beginnt, kann man sich den Rest eigentlich denken.

Der Roman/Krimi spielt in der Gegend Périgord. Bruno, der ortsansässige Polizist, der normalerweis in dem kleinen französischen Ort  die Marktverkäufer vor den EU-Kontrolleuren schützt, wird mit einem Mordfall konfrontiert. Beschauliches Landleben, marokkanische Einwanderer, eine frisch entfachende Liebe, all das liest sich nett runter.

Der in einigen Gazetten gelobte Roman hat mich immerhin neugierig auf Périgord und seine regionalen Köstlichkeiten (Vin des Noix, Trüffel…) gemacht. Wem das als Aussicht reicht, kann „Bruno Chef de Police“ gerne lesen, den anderen sei empfohlen, eine andere Lektüre zu wählen.

 

Schachromane Januar 12, 2009

Filed under: Erzählung,Krimis,Romane — themaktima @ 10:39 am
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Ich spiele sehr gern Schach. Daher schaue ich mir Bücher mit direktem oder indirektem Schachbezug gern etwas näher an. Ich dachte mir, poste doch mal eine Kurzbeschreibung der „Schachromane“, die Du bisher gelesen hast:

  • Stefan Zweig: Die Schachnovelle
  • Vladimir Nabokov: Lushins Verteidigung
  • Ronan Bennett: Zugzwang
  • Bertina Heinrichs: Die Schachspielerin
  • Robert Löhr: Der Schachautomat
  • Paolo Maurensig: Die Lüneburg-Variante
  • Stephen L. Carter: Schachmatt

Und da das sicher nicht alle sind, die es gibt, bin ich auch für weitere Tipps dankbar! Um zu den Kurzbeschreibungen zu gelangen, einfach weiterklicken…

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