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Lily Brett – Alles halb so schlimm Dezember 31, 2008

Filed under: Biografie,Romane — hilpirella @ 12:02 am
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Dieses stark autobiografisch geprägte Buch lässt den Leser am Leben von Josl und Renia teilhaben, die sich im Ghetto von Lodz kennen lernen und heiraten, während des Holocaust getrennt werden, die Internierung in Konzentrationslagern überleben und sich nach Ende des Krieges wieder finden. Sie emigrieren gemeinsam nach Australien und bauen sich ein Leben auf, gründen eine Familie und ein Unternehmen, finden Freunde.
Die Menschen, die uns in diesem Buch begegnen sind lebensfroh, humorvoll und manchmal verrückt und doch ist es allgegenwärtig, das Schlimmste selbst erlebt zu haben.

Lily Brett hat die Gabe, diese Schicksale so ausgewogen lustig und traurig zu erzählen und ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

 

Pippa Lee von Rebecca Miller Dezember 26, 2008

Filed under: Romane — kikeriki @ 10:54 pm
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Mit diesem Buch habe ich sehr beschauliche Weihnachten 2008  verbracht ;-)

Pippa Lee, die Protagonistin dieses Romans, lebt ein Künstlerleben (Sex, Drugs and Rock`n Roll) in New York bevor sie sich mit Anfang 20 in einen deutlich älteren Mann verliebt, ihn heiratet und  Zwillinge bekommt. Das Buch beginnt, als Pippa, bereits 50, mit ihrem Mann ein sehr geordnetes Leben in einer Art Seniorensiedlung führt und ihr sonderliche Dinge passieren. In der Retrospektive erfährt der Leser von Pippas bewegten „Vorleben“. Dieses ist geprägt von der innigen und gleichzeitig schwierigen Beziehung zu ihrer  drogensüchtigen Mutter (welche aber kein Hippie ist, sondern eine Pfarrersfrau,  die sich Speed gibt,  um niemals so dick wie ihre Mutter zu werden).

Der Roman ist schnell, mitreissend und mit vielen sehr guten Beobachtungen gespickt. Lesen!

 

Elke Heidenreich – Kolonien der Liebe Dezember 20, 2008

Filed under: Erzählung — hilpirella @ 11:25 pm
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Diese Erzählungen gehen ans Herz: melancholisch, traurig oder humorvoll, – nicht kitschig, schnulzig oder bitter. cover_kolonien Und die Geschichten sind sind offenbar auch lange haltbar: Meine Ausgabe ist von 1992 (hab das Buch vom Flohmarkttisch der örtlichen Bücherei) doch der Inhalt ist kein bisschen verstaubt. Und um in Elke Heidenreichs Worten ein Fazit zu geben: Lesen!

 

Jon Krakauer – In die Wildnis Dezember 14, 2008

Filed under: Biografie — hilpirella @ 2:08 pm
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Dies ist kein Abenteuerroman. In die Wildnis erzählt die Geschichte von Chris McCandless nach, der mit 22 Jahren seine Ersparnisse verschenkt, sein letztes Bargeld verbrennt und sich für ein paar Monate in die Wildnis Alaskas zurückzieht um dort von dem zu leben, was er in der Natur findet.

Die Verbindung zu seinen Eltern und seiner Schwester hat er bereits zwei Jahre zuvor gekappt als er sich nach seinem Studium auf den Weg machte und zunächst durch den Westen der USA, Mexiko und Kanada reiste. Alaska ist aber der magische Ort, an dem Chris (oder Alexander Supertramp wie er sich nennt) in völliger Einsamkeit seine Wahrheit finden will.

Chris’ große Vorbilder sind Henry David Thoreau, Jack London und Leo Tolstoi und er befindet sich auf deren Spuren. Er ist kein Hippie, kein Spinner, kein Aussteiger. Er ist ein sensibler junger Mann mit einer riesigen Sehnsucht nach Freiheit, die es ihm ermöglicht, umzusetzen, wovon wir alle schon mal geträumt haben, wenn wir wieder im Alltag unterzugehen drohten.

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Jon Krakauer hat anhand von Tagebüchern, Postkarten und Gesprächen die Stationen von Chris’ Reise recherchiert und in diesem Buch nachgezeichnet.

Das Buch kann ich sehr empfehlen: es ist spannend erzählt und ich bin in Gedanken mit Alex Supertramp mitgereist. Die Lebensgeschichte von Chris McCandless wurde 2007 (?) verfilmt, die Filmmusik von Eddie Vedder ist wundervoll und den Film werde ich mir sicher auch bald anschauen.

 

Walter Kempowski – Hundstage Dezember 3, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 2:18 pm

Alexander Sowtschik ist ein in die Jahre gekommener Schriftsteller, der den Sommer in seinem Haus in Norddeutschland zum ersten Mal ohne seine Frau verbringt, die für ein paar Wochen in Frankreich Urlaub macht.

Er ist voller Vorfreude auf diese Zeit, die Ehe wohl schon etwas „abgenutzt“ und er will sich intensiv seinem neuen Roman widmen. Sowtschik ist geizig, penibel, äußerst eitel und stets darauf bedacht, nach außen hin ein perfektes Schriftstellerbild abzugeben. Seine Schwäche sind junge Mädchen und in seinen Phantasien spielen auch die sogar minderjährigen Nachbarsmädchen eine Rolle. Als er sich zwei Studentinnen als Haushälterinnen ins Haus holt und im Dorf auch noch ein Mord geschieht beginnt seine aufgeräumte Welt zu bröckeln.

Kempowski parodiert hier sicher sich selbst und den Berufsstand der Schriftsteller und nimmt den Literaturbetrieb aufs Korn, für mich war die Geschichte aber zu gleichförmig und plätscherte lange vor sich hin. Sehr unterhaltsam geschrieben, aber für meine Lesegewohnheit insgesamt etwas zu lang.

 

Karl-Heinz Ott – Endlich Stille Dezember 1, 2008

Filed under: Erzählung — themaktima @ 11:15 pm
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Karl-Heinz Otts Hauptdarsteller ist Philosophieprofessor und als solcher Spinoza-Spezialist. Das ist dann auch das interessante Leitmotiv der Erzählung: „So wie in der Welt der materiellen Körper keine Wirkung ohne (zwingende) Ursache möglich ist, so ist in der Geisteswelt ein Willensentschluss ohne Motiv nicht möglich. Damit schloss Spinoza jede Willensfreiheit aus (…) – Wikipedia“. Denn der Protagonist trifft auf einer Reise zufällig einen Wildfremden auf der Straße, verbringt  mit ihm einen Abend in der Kneipe, und wird ihn fortan nicht mehr los.


Ott führt vor, was passieren kann, wenn man nicht in der Lage ist, seinen Mitmenschen gegenüber Grenzen zu ziehen. Die Geschichte ist grandios erzählt und auch auch in der gebotenen Skurrilität jederzeit nachvollziehbar. Zwar braucht das 200 Seiten starke Buch etwa ein Drittel der Strecke zum Warmlaufen, aber ab da liest man es in einem Rutsch durch (ging mir jedenfalls so). 


Klasse Buch, aus dem das/der eine oder andere Huhn/Hahn auch eine Erkenntnis für sich selbst mitnehmen kann. Werde mir nun auch sein Debüt „Ins Offene“ zulegen.