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Schachromane Januar 12, 2009

Filed under: Erzählung,Krimis,Romane — themaktima @ 10:39 am
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Ich spiele sehr gern Schach. Daher schaue ich mir Bücher mit direktem oder indirektem Schachbezug gern etwas näher an. Ich dachte mir, poste doch mal eine Kurzbeschreibung der „Schachromane“, die Du bisher gelesen hast:

  • Stefan Zweig: Die Schachnovelle
  • Vladimir Nabokov: Lushins Verteidigung
  • Ronan Bennett: Zugzwang
  • Bertina Heinrichs: Die Schachspielerin
  • Robert Löhr: Der Schachautomat
  • Paolo Maurensig: Die Lüneburg-Variante
  • Stephen L. Carter: Schachmatt

Und da das sicher nicht alle sind, die es gibt, bin ich auch für weitere Tipps dankbar! Um zu den Kurzbeschreibungen zu gelangen, einfach weiterklicken…

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Stefan Zweig: Die Schachnovelle

Das wohl bekannteste Werk zum Thema Schach. Auf einer Schiffsreise wird der Erzähler Zeuge eines Schachduells zwischen dem amtieren Schachweltmeister und dem Dr. B. Und beide sind sich ebenbürtig. Denn der Intellektuelle B. hat seine Isolationshaft unter den Nazis nur überlebt, weil er sich heimlich ein Schachbuch mit Meisterpartien aneignen konnte. Das Buch und das Spiel wird zu seinem Lebensinhalt, und er erlangt im Spiel gegen sich selbst eine wahnsinnige Meisterschaft. Anspruchsvoll und spannend!

Toll übrigens auch die Verfilmung mit Curd Jürgens in der Hauptrolle.

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Vladimir Nabokov: Lushins Verteidigung

Der kleine Lushin hat keine leichte Kindheit; er ist ein Außenseiter und wächst unter schwierigen familiären Bedingungen auf. Doch dann entdeckt das Schachspiel, das ihn fasziniert und ihn zum ersten Mal eine trügerische Art von Glück empfinden lässt.
Denn Lushin kriegt die Kurve nicht – auch als Erwachsener ist das Schachspiel seine einzige Stütze. Lushin beginnt, sich und seine Mitmenschen als Figuren in einem großen Schachspiel wahrzunehmen. Ein wahnwitziges Psychogramm; es ist komisch, rührend und dramatisch zugleich – ein faszinierendes Buch. Wer nicht mit Lushin leidet, ist emotional gestört, würde ich meinen. Gehört zu meinen Lieblingsbüchern überhaupt.

Auch dieses Werk wurde verfilmt. Der Film hat nur entfernte Verwandtschaft mit dem Buchinhalt, ist aber trotzdem sehr gelungen!

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Ronan Bennett: Zugzwang

Das Jahr 1914: Russland steuert auf die Revolution zu. In St. Petersburg wird ein Schachturnier ausgetragen, das zum Mittelpunkt politischer Ränke werden soll. Und der Psychoanalytiker Dr. Spethmann mittendrin: Die Drahtzieher der verschiedenen Lager sind entweder mit ihm befreundet oder bei ihm in Behandlung.
Bennett hat eine Art historischen Suspense-Thriller geschrieben und zu allem Überfluß auch noch eine Schachpartie ins Buch gepackt; der Lesefluss wird von Zeit zu Zeit von einem Schachdiagramm unterbrochen. Für Schachspieler nett, für unbeteiligte nicht nachvollziehbar.
Das Buch ist zwar ganz spannend, aber der Plot schon ein wenig bemüht bis konstruiert. Nicht unbedingt meine Wellenlänge.

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Bertina Heinrichs: Die Schachspielerin

Dies ist die Geschichte des griechischen Zimmermädchens Eleni, das durch Zufall mit dem Schachspiel in Kontakt gerät und dessen Faszination erliegt. Um sich ihrer neuen Leidenschaft hingeben zu können, muss sie mit den gesellschaftlichen Konventionen brechen. Oder umgekehrt.
Eine wärmende, optimistische Erzählung. Habe ich in Italien gelesen und ist mir nicht zuletzt deshalb in schöner Erinnerung geblieben.

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Robert Löhr: Der Schachautomat

Ein historischer Abenteuerroman über den berühmten „Schachtürken“, der in Europa und Übersee für Aufsehen sorgte, da er die erste Maschine war, die augenscheinlich Schach spielen konnte (und das auch noch exzellent). Ich habe das Buch gern gelesen, flott geschrieben, kurzweilig und unterhaltsam. Auch wenn das jetzt keine große Literatur ist: für den Schachfan ein Muss, aber auch ohne Schachkenntnisse amüsant. Übrigens: Es wird angenommen, dass der Schachtürke zur Entstehung des umgangssprachlichen, politisch inkorrekten „türken“ oder „einen Türken bauen“ für täuschen oder fingieren beigetragen hat.

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Paolo Maurensig: Die Lüneburg-Variante

Die Lüneburg-Variante gehört der anspruchsvolleren Kategorie an; wenn vielleicht auch nicht auf Augenhöhe mit der „Schachnovelle“ oder „Lushins Verteidigung“. Am Anfang steht der Tod des deutschen Unternehmers und Schachexperten Dieter Frisch, und das Buch enthüllt auf etwas mehr als 200 Seiten, warum er sterben musste. Ich möchte nicht mehr verraten; tatsächlich warnt ein Rezensent auf amazon.de vor der einleitenden Rezension von Elke Heidenreich (was mich herzlich lachen ließ, und was ich absolut nachvollziehen kann, denn die Elke kann auch in ihrer Sendung „Lesen!“ keinem Spoiler aus dem Weg gehen).
Nur soviel: Das Buch ist (inhaltlich) nicht gerade leicht verdaulich. Aber in jedem Fall die Lektüre wert.

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Stephen L. Carter: Schachmatt

Talcott Garland, ein schwarzer Juraprofessor, versucht, den Umständen des Todes seines Vaters auf die Spur zu kommen. 850 eng bedruckte Seiten – und keinen Moment langweilig. Auch dieser Roman gehört zu meinen Lieblingsbüchern.

„Schachmatt“ ist in vorderster Linie ein Thriller, in dem das Schachspiel – genauer genommen, das Schachrätsel – nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das Schachspiel ist aber auch ein Symbol: Carter geht weit über das Krimigenre hinaus und bietet hochinteressante Einblicke in die amerikanische Mittelschicht und die offenbar omnipräsente Rassenthematik.

Ich lege dieses Werk all jenen ganz besonders ans Herz, die auch den Mittwochabend für „Desperate Housewives“ oder „Grey´s Anatomy“ reserviert haben.

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2 Responses to “Schachromane”

  1. Dominik Says:

    Eine schöne Zusammenstellung, aber eines fehlt noch:
    von Thomas Glavinic: Carl Haffners Liebe zum Unentschieden
    unbedingt empfehlenswert!
    Lushins Verteidigung hab ich erst gestern gelesen. Absolut genial!

  2. Guten Tag!
    Vielleicht fehlt in dieser Liste mein neuer Schachroman mit dem Titel „Aljechins Gambit“. Eine Rezension ist im Internet zu finden unter:
    http://glareanverlag.wordpress.com/2011/05/23/schach_literatur_gerhard-josten_aljechins-gambit_rezension_glarean-magazin/
    Beste Grüße
    Gerhard Josten


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