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Reinhard Stöckel – Der Lavagänger Mai 24, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:37 pm
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Henri Helder, letzter Sproß einer Eisenbahnerfamilie, steht am Rande einer Lebenskrise: Seine Ehe löst sich zusehends auf, sein Job – er arbeitet für ein Dienstleistungsbranche für die Deutsche Bahn – wird in naher Zukunft von einer Software erledigt werden.
Da erbt er ein paar alte Lederschuhe von seinem Großvater mütterlicherseits, der schon vor Jahren für tot erklärt wurde und den Henri persönlich nicht kennengelernt hat. Doch um diesen Großvater, Hans Kaspar Brügg, ranken sich einige Geschichten: er soll die Welt bereist haben und irgendwann auf den Lavafeldern Hawaiis verdampft sein. Henri nimmt den Wink des Schicksals an und begibt sich auf Spurensuche: warum hat Hans Kaspar seine Heimat verlassen und ist nie zurückgekehrt?
Wie eine Komposition wechselt der Roman zwischen den verschiedenen Zeitebenen und baut eine besondere Spannung auf. Wundervolle Formulierungen machen dieses Buch zu einer wahren Freude!

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Kathryn Stockett – Gute Geister Mai 9, 2011

Filed under: Romane — kikeriki @ 9:17 pm

Dieses Buch ist ein Sog: Eine nett geschriebene Geschichte über schwarze Hausangestellte im Süden der USA in den 60er Jahren und deren- überhaupt nicht netten – Leben und ihrem „Aufstand“. Ich habe die mehr als 700 Seiten gerne gelesen und sie haben mich gut unterhalten. Wer nicht mehr von einem Roman erwartet und – ja ich reiße mich zu dieser Aussage hin – weiblich ist oder so fühlt, greife mit guten Gewissen zu diesem Buch und wird nicht enttäuscht.

 

Michel Houellebecq – Karte und Gebiet Mai 1, 2011

Filed under: Romane — kikeriki @ 7:30 pm
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Mit seinem neusten Werk „Karte und Gebiet“ hat Michel Houellebecq nun, nach zwei Nominierungen, endlich den wichtigsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt, gewonnen. Auf die Frage, ob „Karte und Gebiet“ wohl sein bestes Buch wäre, sagte der Autor: „Ich weiß es nicht, aber es ist am einfachsten zu lesen.“ Das finde ich auch.
„Karte und Gebiet“ ist ein Portrait über den Künstler Jed Martin, der wie Houellebecq in einem Interview beschreibt, nicht handelt: „Es gibt eine  Kluft zwischen seinen Gedanken und seinen Taten. Das ist schon eine kleine Tragödie. Er (Jed Martin) weiß, dass alles im Nichts endet, deshalb wehrt er sich nicht, deshalb lässt er alles geschehen.“

Das Leben des Künstlers Jed Martin, obwohl er Erfolg in seinem künstlerischen Schaffen hat und auch Liebe zu einer Frau empfinden darf, ist geprägt von großer Leere und dem Nicht-Handeln. In dieser Geschichte tritt nun Houellebecq selbst auf: Jed Martin trifft im Roman auf den Schriftsteller. Das Portrait, dass Houellebecq von sich selber beschreibt ist nicht gerade schmeichelhaft. Am Ende wird Houellebecq in dem Roman auf brutale Weise ermordert.

„Karte und Gebiet“ ist ein Buch über Leere, Langeweile und über das Scheitern im Leben. Houellebecq im Interview: „Die meisten Menschen leben lieber im Unglück, als dass sie gar nichts spüren“. Wer sich von diesem Gedanken angezogen fühlt, sollte „Karte und Gebiet“ unbedingt lesen. Und die anderen erst recht.