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Michael Chabon – Die Geheimnisse von Pittsburgh Oktober 23, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 8:57 pm
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Es ist nicht schwer zu erraten: Ich finde Michael Chabon einfach großartig. Mit 23 verfasste Chabon seinen Debütroman, und der geht so: Art Bechstein hat das College gerade hinter und das Erwachsenenleben unmittelbar vor sich. Darum will er es einen Sommer lang nochmal richtig krachen lassen… und das gelingt ihm nun wirklich außerordentlich.

Wer den Herbst bereits leid ist, nimmt jetzt dieses Buch zur Hand und geht mit Art und seinen neuen Freunden Phlox, Arthur und Cleveland durch alle Phasen jugendlicher (hier insbesondere sexueller) Orientierungslosigkeit. Art ist, nebenbei bemerkt, einer der sympathischsten Protagonisten, die ich kenne.


 

Jedediah Berry – Handbuch für Detektive Oktober 2, 2010

Filed under: Krimis — themaktima @ 7:59 pm
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Das hätte ein Krimi der ganz anderen Art werden können. 200 Seiten lang war ich überzeugt, eine Perle der Kriminal-Literatur (ja, Literatur!) gefunden zu haben. Da war vieles drin, was ich gerne mag: Merkwürdige Atmosphäre, schrille Charaktere, verblüffende Begebenheiten, hintergründiger Humor, ein mysteriöser Mord, ein folgenschweres Missverständnis, ein Antiheld. 200 Seiten lang dachte ich: Hier hat Graham Greene endlich einen würdigen Nachfolger gefunden – zumindest, was das Krimi-Genre angeht. Wähnte schon das Lesehuhn gackern: „Wer „Unser Mann in Havanna“ gut findet, MUSS dieses Buch lesen.“

Und dann? Schreibt Jedediah Berry weitere 200 Seiten. Auf einmal kriegt man unnötige Actionszenen serviert, die Story wird wirr (manche Rezensenten bei Amazon loben das als „kafkaesk“ – da würde der Franz Kafka im Grab Pirouetten drehen, wenn er das wüsste), der Antiheld wird irgendwie zum Helden, und der anfangs wirklich äußerst ansprechende Erzählstil sinkt auf Fantasyniveau.

Ich habe mich wirklich gefragt, ob der junge Mann das Buch selber fertiggeschrieben hat, oder nach Diktat verreist ist. Leider reicht es nicht, ein halbes gutes Buch zu schreiben. Daher kann ich das „Handbuch für Detektive“ nicht empfehlen. Nach einem so guten Beginn eine herbe Enttäuschung.