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Adam Davies – Goodbye Lemon November 21, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 4:47 pm

Goodbye Lemon erzählt vom Verlust eines Familienmitglieds und den seelischen Schmerzen und katastrophalen Folgen für die zurückbleibende Familie. Unser Protagonist Jack verliert seinen Bruder Lemon im Alter von sechs Jahren und hat seit seiner Jugend ein zerstörtes und gestörtes Verhältnis zu seinen Eltern. Insbesondere die Beziehung zu seinem Vater, den er für den Tod seines Bruders verantwortlich macht ist von Haß und Verachtung geprägt. Jack leidet sein ganzes Leben unter den militärischen Erziehungsmethoden des Vaters und den vergeblichen Versuchen, dessen Aufmerksamkeit und Liebe zu bekommen.
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Als Jack nun im Alter von dreißig Jahren in sein Elternhaus zurückkommt, um seinen nach einem Schlaganfall gelähmten Vater zu besuchen, kommen alte Gefühle und Erinnerungen auf und die alten Gewohnheiten kehren zurück. Aber Jack beginnt seinen Vater in einem anderen Licht zu sehen und muss gezwungenermaßen umdenken.

Die Tragik dieser kaputten Familie geht einem sehr nahe, doch das Buch ist mit Ironie und Humor gespickt und (was man bei meiner Kurzbeschreibung vielleicht nicht annehmen mag) ein sehr großer Lesespaß.

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Josef Guggenmoos – Was denkt die Maus am Donnerstag November 20, 2008

Filed under: Gedichte — hilpirella @ 1:48 pm

Was denkt die Maus am Donnerstag,
am Donnerstag,
am Donnerstag?

Dasselbe wie an jedem Tag,
an jedem Tag,
an jedem Tag.

Was denkt die Maus an jedem Tag,
am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag
und jeden Tag,
und jeden Tag?

O hätte ich ein Wurstebrot
mit ganz viel Wurst und wenig Brot!
o fände ich, zu meinem Glück,
ein riesengroßes Schinkenstück!
Das gäbe Saft, das gäbe Kraft!
Da wär ich bald nicht mehr mäuschenklein,
da würd ich bald groß wie ein Ochse sein.
Doch wäre ich erst so groß wie ein Stier,
dann würde ein tapferer Held aus mir.
Das wäre herrlich,
das wäre recht –
und der Katze,
der Katze
ginge es schlecht!

 

Tanja Dückers – Der längste Tag des Jahres November 17, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 1:56 pm

Fünf erwachsene Geschwister erfahren vom Tod Ihres Vaters und erinnern sich an ihre Kindheit und an ihre Beziehungen zum Vater, welche meist von Sprachlosigkeit und Distanz geprägt war und sie erinnern sich an die Beziehungen zu ihren jeweiligen Geschwistern.

Die Nachricht kommt überraschend und mitten im Alltag der Kinder – dennoch habe ich keine Trauer oder Traurigkeit in diesem Roman spüren können. Das Fazit lautet daher für mich: Gut geschrieben aber Thema verfehlt.

 

Besuch beim Buch- und Literaturfestival buch.08 in Basel November 15, 2008

Filed under: Veranstaltung / Lesung — hilpirella @ 6:27 pm
Tags: , ,

Gestern war ich als Besucher bei der buch.08 in Basel, einem dreitägigen Buch-und Lieteraturfestival. Von Buchmessen kenne ich bisher nur Fotos von hoffnungslos überfüllten, riesiegen Messehallen und so etwas ähnliches hatte ich auch in Basel erwartet. Doch weit gefehlt: Der Veranstaltungsort E-Halle ist kein steriler Neubau sondern eine ehemalige Warenumschlagshalle, die ihren rohen Charme behalten hat und in der mit viel Improvisation verschiedene kulturelle Events stattfinden.

buch.08 in Basel

buch.08 in Basel

E-Halle

E-Halle bei der Messe Basel

Restaurant Vulcanello

Restaurant Vulcanello, Photo by Dirk

Was gibt’s zu sehen?
Vertreten sind ein paar große Verlage (Diogenes, Hanser, Suhrkamp) vor allem aber zahlreiche kleine deutsche und schweizerische Verlage, die sich mit kleinen Auflagen und oft sehr liebevoll gestalteten Büchern präsentieren. Positiv ist mir aufgefallen, dass auch das flächenmäßige Verhältnis der Messestände zwischen großen und kleinen Verlagen relativ ausgewogen war.

Highlights waren für mich die „Exoten“, wie zum Beispiel der Buchkünstler Karl-Friedrich Gross aus Freiburg, der wundervolle Bücher schafft oder ein Lyrikprojekt, bei dem -nach Einwurf eines Geldstückes- jungen Menschen, die hinter einer Wand sitzen, ihre eigenen Texte vorlesen.

Vorlese-Automat

Vorlese-Automat

Was gibt’s zu hören?
An insgesamt vier verschiedenen „Foren“ finden Interviews, Podiumsdiskussionen und Autorenlesungen statt. Am Freitag war davon noch nicht allzuviel zu haben, allerdings wird der gesamte Samstag den Nominierten des Schweizer Buchpreises gewidmet sein. Mit einem speziellen Jugendforum werden auch insbesondere jugendliche Leser angesprochen.

Forum auf der Buch.08

Forum auf der Buch.08

Auch der unkommerzielle Radiosender Radio X ist auf der Messe vertreten. Aus einem nachgebauten Wohnzimmer heraus wird Radioprogramm zum Zusehen gemacht. Hier finden Interviews mit Autoren statt, im Hintergrund die Messegeräusche. Sehr empfehlenswert für alle Daheimgebliebenen ist der Live-Stream unter www.radiox.ch.

Studio von Radio X auf der buch.08

Studio von Radio X auf der buch.08

Bin sehr begeistert von dieser Veranstaltungin der nicht das Verkaufen im Vordergrund stand sondern das Schmökern, Stöbern und Zuhören. Ich hoffe, dass die buch.09 im nächsten Jahr mit dem gleichen Konzept weitermacht – dann werde ich mir den Termin gleich schonmal in den Kalender eintragen.

 

Pieter Waterdrinker – Die Hochzeit von Zandvoort November 11, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 5:26 pm
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In einem holländischen Küstenort laufen die Vorbereitungen für die Hochzeit von von Lisa und Ludo. Lisa ist die Tochter eines wohlhabenden Kölner Wurstfabrikanten und einer resoluten Bayerin, Ludo der Sohn eines holländischen Hotelier-Ehepaars und wir befinden uns in den späten 50er Jahren. Alle versuchen, den Krieg hinter sich zu lassen und der Wohlstand hat bereits Einzug in die beiden Familien gehalten doch läßt sich die Geschichte und die Erfahrungen, die während des Krieges und der Besatzung Hollands durch die Deutschen gemacht wurden, nicht einfach abschütteln.

Das Buch ist wunderbar leicht zu lesen, sehr amüsant aber nicht oberflächlich und man will es gar nicht mehr aus der Hand legen.

 

Anne Enright – Das Familientreffen November 5, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 7:50 pm
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Die Ich-Erzählerin Veronica erzählt von der Zusammenkunft der Familie Hegarty,  die in Dublin anlässlich des Begräbnisses von Veronicas Bruder Liam zusammenkommt. Der Tod von Liam trifft Veronica besonders hart – er war ihr in der Kindheit sehr nahe gestanden und sein Tod war ein Selbstmord: er hat sich in England im Meer ertränkt.

coverfamilientreffen Veronica erzählt ihre Familiengeschichte unverklärt, ohne Romantik und ohne Beschönigungen.  Während Veronica die notwendigen Vorbereitungen für das Begräbnis trifft und die Familienmitglieder informirt geht sie in Ihrer Erinnerung zurück. Wir erfahren von der kinderreichen Familie (Veronica hatte elf Geschwister) in der sie aufwuchs, von Liams Alkoholsucht, aus der sie ihn nicht retten konnte und von ihrem Leben heute als Mutter und Ehefrau. Veronica erinnert sich auch an Bilder aus ihrer Kindheit und das Gefühl, an seinem Tod eine Mitschuld zu tragen, lässt sie nicht mehr los.

Die klare, schnörkellose Sprache machten mir Spaß zu lesen und die Geschichte ist nicht so düster erzählt, wie ich auf den ersten Blick (auch auf das Cover) annahm.

 

Rudolph Nelson – Die Notwendigkeit des Zufalls in Fragen der Liebe November 1, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 12:37 pm
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Ein Single-/Liebes-/New York-Roman: In kurzen Episoden kommen die verschiedene Teilnehmer des Romands zu Wort und schildern die Ereignisse rund um die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Manyard und Jennica aus Ihrer Sicht. Der 11. September 2001 spielt dabei nur eine indirekte Rolle und ist dennoch der Angelpunkt in dieser Geschichte.
Ein leicht zu lesendes, unterhaltsames und komisches Buch, das vermutlich für Leute Anfang der Dreißig geschrieben wurde.