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Joachim Gauck – Winter im Sommer – Frühling im Herbst August 13, 2012

Filed under: Memoiren — themaktima @ 10:16 pm
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Joachim Gauck - Winter im Sommer, Frühling im HerbstWie gut, dass Joachim Gauck doch noch Bundespräsident geworden ist; denn sonst hätte ich diese aussergewöhnliche Autobiographie wohl verpasst.

In vier großen Abschnitten erzählt Gauck (in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch) über seine Jugendzeit in Rostock gegen Ende des Krieges und zu Beginn der DDR-Diktatur; von seiner persönlichen und beruflichen Entwicklung vom jungen Pastor zum erfahrenen, auch politisch aktiven Kirchenmann und Bürgerrechtler; über den allmählichen Beginn des Widerstands in der DDR und dem Sturz des Unrechtsregimes; und schlussendlich über die Stasi-Unterlagen-Behörde, deren Chef Gauck zehn Jahre lang war.

Wer sich für die jüngere deutsche Geschiche interessiert, wird begeistert sein.

Insbesondere die Kapitel über die Revolution in der DDR sowie über den – zu Beginn verblüffend chaotischen – Aufbau der Gauck-Behörde sind spannend und aufschlußreich. Ich muss jedoch zugeben: ich interessiere mich nicht sonderlich für Kirchenpolitik; vielleicht kamen mir daher die Passagen über sein Engagement als Pastor etwas länger vor.

Gauck schreibt jedoch nicht einfach seine Lebensgeschichte nieder, sondern hält vielmehr ein emotionales, oft mitreissendes Plädoyer für Freiheit und Eigenverantwortung. Seine Botschaft berührt, und sie macht Mut. Ich möchte daher die Lektüre von Gaucks Erinnerungen wirklich jedem uneingeschränkt empfehlen.

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Hans Fallada – Jeder stirbt für sich allein Dezember 14, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 12:01 am
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Fallada - Jeder stirbt für sich alleinDies ist die Geschichte der Eheleute Quangel, die zu Widerstandskämpfern gegen das Naziregime werden, als ihr Sohn sinnlos im Dritten Weltkrieg fällt. Ich bin sehr froh, dass ich durch die Neuauflage im Aufbau-Verlag auf das Werk aufmerksam wurde – es erschien 1947 zum ersten Mal – denn es ist eins der beeindruckendsten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

„Jeder stirbt für sich allein“ ist nicht nur die Schilderung eines aussichtslosen Kampfes; es handelt insbesondere vom Umgang der einfachen Leute mit den widrigen Lebensumständen im Dritten Reich: der nagenden Knappheit und Not, dem allgegenwärtigen Denunziantentum und vor allem der unsäglichen, diffusen Angst vor dem Terror.

Der Roman basiert im Übrigen auf einer aktenkundigen Biographie, was das Leseerlebnis umso erschütternder macht. Auch wenn, wie Fallada selbst im Vorwort kundtut, darin „reichlich viel gequält und gestorben wird“, ist es kein deprimierendes Buch. Dafür sorgt insbesondere Falladas überwältigender, mit bissiger Ironie gespickter Erzählstil. Im Anhang findet der Leser zahlreiche Artefakte zur Geschichte, wie z.B. Gestapo-Fotos der Protagonisten oder Korrespondenz zur Entstehung des Romans. Ich kann nur jedem raten, dieses Buch zu lesen – ohne Wenn und Aber.

 

Walter Kempowski – Alles umsonst Mai 16, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 6:55 pm
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Ostpreußen Ende des 2. Weltkriegs: Die Front löst sich auf, die Rote Armee ist auf dem unaufhaltsamen Vormarsch. Doch sogar im Niedergang ist die Macht der Propaganda der Nazis ungebrochen. So kommt es, dass man sich auf dem Landgut Georgenhof über den Ernst der Lage nicht im Klaren ist – obwohl immer mehr Besucher auf dem Weg nach Westen auf dem Hof haltmachen.Kempowski_Alles_umsonst

„Alles umsonst“ ist ein Roman über das Ende des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Und es ist eine Familientragödie, deren Ursprung schon Jahre zurückliegt und die nun mit leisen Andeutungen zutagegefördert wird.

Kempowskis Roman beginnt lebendig, um dann gegen Ende eine fast überwältigende Wucht zu entwickeln. Nicht zuletzt durch seinen dokumentarischen Charakter ist „Alles umsonst“ ein mitreißendes und erschütterndes Buch.