lesehuhn.de

Sibylle Lewitscharoff- Apostoloff März 17, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:38 pm
Tags: ,

„Apostoloff“ ist ein unterhaltsamet Roadmovie zwischen zwei Buchdeckeln: Zwei Schwestern bulgarisch-schwäbischer Herkunft reisen durch Bulgarien, das Land des Vaters, der gegen Ende des zweiten Weltkriegs nach Deutschland kam. Sie haben ihn zurück nach Sofia eskortiert, wo er – zusammen mit den sterblichen Überresten befreundeter Exilbulgaren – beerdigt wurde.
Der Roman beginnt jedoch nach der Trauerfeier, während sich die Schwestern von ihrem Fahrer Apostoloff durch Rumänien fahren lassen und ist aus Sicht einer der Schwestern erzählt.
Diese macht kein Hehl aus ihrem Vaterhass und lästert vom Rücksitz aus unablässig über das plattenbautenverseuchte, mafiöse, postkommunistische, schmutzige Bulgarien. Dies geschieht in einem wunderbaren Tempo, Wortwitz und mit unglaublichem Humor einer solchen Bissigkeit: es war mir eine echte Freude, dieses Buch zu lesen.

Advertisements
 

Robert M. Pirsig – Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten März 7, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 9:47 pm
Tags: , , ,

„Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ war eine Buchempfehlung meiner kleinen Tochter (15 Monate). Sie räumt sehr gern Bücher aus, und dieses Werk lag dann abends einfach mal so vor mir auf dem Boden. Es muss schon ewig im Regal gestanden haben, ohne dass es einer von uns je gelesen hatte. Ich war spontan vom Cover angetan und positiv vom Praise auf der Rückseite überrascht: „Dieses Buch wird niemanden unberührt lassen, der die Sorge vor dem Morgen kennt… – Neue Zürcher Zeitung“. Mehr steht da wirklich nicht, sehr vorbildlich! Ich folgte dem Wink und nahm es mir vor.

Ein Vater bricht gemeinsam mit seinem elfjährigen Sohn zu einer Motorradtour durch die USA auf. Im Laufe der Fahrt nehmen wir an seinen Gedanken teil, und werden so auch Zeuge seiner Vergangenheit und des sich daraus unmittelbar ergebenden Vater-Sohn-Konflikts. Im Prinzip handelt es sich bei „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ aber um eine Art Philosophievorlesung. Pirsig selbst dementiert in einer Vorbemerkung zwar, dass das Buch von Zen oder Motorrädern handele… aber das ist nur die halbe Wahrheit. Also, Ihr Buddhisten und Motorradrocker, nicht abschrecken lassen!

„Zen“ trägt den Untertitel „ein Versuch über Werte“ und hat bildhaft gesprochen, viele Seiten. Pirsigs Betrachtungen führen vom oberflächlichen Gegensatz zwischen Kunst und Wissenschaft über das Wesen der Welt und unserer (dialektischen) Wahrnehmung bis hin zur Frage, was einen guten Menschen ausmacht. Das ist hervorragend geschrieben und spannend verpackt, nur muss man gegen Mitte des Textes eine Zeitlang kämpfen, da Pirsig nicht nachlässt in seinem Bestreben, sich ein theoretisches Fundament zu schaffen und dabei den Leser wohl etwas aus den Augen verliert. Aber da muss man halt durch. Wer dranbleibt, wird mit einem Roman der wirklich anderen Art belohnt. Das Werk ist übrigens in weiten Teilen autobiographisch; in unserer Ausgabe ist ein Nachwort des Autors enthalten, das 10 Jahre nach der Erstveröffentlichung eingefügt wurde, und das ich nicht wenig erschütternd fand.

Geschrieben wurde „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ Mitte der 70er Jahre und wurde nicht zuletzt aufgrund der Umbrüche der damaligen Zeit zu einem Kultbuch. Dabei ist es vielleicht aktueller denn je. So scheint auch heute die wachsende Angst in unserer Gesellschaft vor der jeden Lebensbereich dominierenden Technik das Potenzial für eine Gegenbewegung zu bergen; vielleicht sollte dieses Buch wieder gelesen werden.