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Colson Whitehead – Der letzte Sommer auf Long Island August 19, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 9:01 pm
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Das ist tatsächlich mein vierter Coming-of-age-Roman innerhalb eines halben Jahres. Ich schreibe dies nachträglich, weil auch dieser Sommer der letzte war. Der Roman allerdings ist kein schlechter!

Ben schreibt erzählt aus seiner Erinnerung von seinem letzten unbeschwerten Sommerurlaub in den 80ern, als er für alle noch Benji war. Der pubertierende Junge ist afroamerikanischer Abstammung und gehört der damals noch recht wohlhabenden amerikanischen Mittelschicht an, was eine sehr interessante Perspektive eröffnet, denn er und die Jungs in seiner Clicque wären so gern echte Gangsta und sind doch nur verwöhnt und ausgesprochen angepasst. Seine Eltern stehen dem in nichts nach, wären anstatt satte Schwarze doch lieber rebellische Bürgerrechtler – sie predigen Benji und seinen Geschwistern fleissig und gehen ihnen auf den Sack.

Das klingt nach einem sehr spannenden Szenario, doch gelingt es Whitehead nicht ganz, diese Basis ausnutzen. Ich empfand das Beschriebene teilweise schon als etwas zäh. Vielleicht weicht aber mein Erfahrungshorizont einfach zu weit ab, und ich kann mit zu vielen Anspielungen und Reminiszenzen nichts anfangen. Der fast zwangsläufige Familienkonflikt wird dafür subtil in die Geschichte eingewoben und bleibt richtig hängen; die Erinnerungen an Benjis ersten Job in einer Eisdiele sind dann richtig grandios.

Whitehead versucht sich zum Abschluss des Buches noch an einem Höhepunkt, das geht aber eher in die Hose – kann dem Gesamtwerk aber nichts mehr anhaben. Ich habe das Buch jedenfalls gern gelesen, was nicht zuletzt am hervorragenen Erzählstil liegt. Daher bin ich auch sicher, dass ich mich nach weiteren Büchern von Colson Whitehead umsehen werde.

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Wolfgang Herrndorf – tschick Januar 21, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 11:07 pm
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„Tschick“ hab ich vom Lesehuhn kikeriki – neben einer Krätze – zum Geburtstag bekommen. Das war lustig! Und das Buch selber ist es auf jeden Fall auch. Der 14-jährige Maik kommt aus reichem Elternhaus, aber eine glückliche Jugend kann er nicht vorweisen. Tschick ist russischer Migrant und kommt aus armem Elternhaus. Also so richtig auf der Erfolgsspur ist auch er nicht. Jedenfalls, die beiden Außenseiter freunden sich an und starten in ein Abenteuer der Landstraße im Osten der Republik! Und wir natürlich mittendrin im Geschehen. Der pubertäre Slang des kleinen Maik ist umwerfend – ich habe mich in der ersten Hälfte des Buches wirklich gekringelt. Irgendwann wird aus dem Slapstick dann auch ein etwas nachdenklicher Roman, der aber seinen Schwung nicht verliert.
Klar, die Story selbst ist jetzt nicht neu (fiel mir vor allem auf, weil ich vor nicht allzulanger Zeit „Die Geheimnisse von Pittsburgh“ von Michael Chabon gelesen habe). Aber das macht gar nichts. Wollt Ihr Spaß, dann holt Euch „Tschick“.