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Roy Jacobsen – Der Sommer in dem Linda schwimmen lernte April 30, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:06 pm
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Die Rückseite des Buches verrät: „Bestseller 2009 in Norwegen“. Ich bekenne: von Roy Jacobsen habe ich bisher noch nichts gehört noch gelesen, aber Norwegischer Bestseller? Kauf ich!

Der 10jährige Finn lebt mit seiner Mutter in einem trostlosen Wohnblock einer Osloer Vorstadtsiedlung. Es sind die Siebziger-Jahre, seinen Vater hat er nie kennengelernt, doch zu seiner Mutter hegt er eine sehr innige, liebevolle Beziehung.
Dieser Sommer, über den Finn hier schreibt ist ein bewegter Sommer: Linda, die Tochter seines Vaters aus zweiter Ehe wird bei Finn und dessen Mutter einziehen, ebenso wird ein Zimmer der ohnehin kleinen Wohnung aus Geldmangel an einen Untermieter vermietet. Linda entpuppt sich als äusserst wortkarges, dickes, schlafsüchtiges Kind – sie und Finn, der seine Freizeit am liebsten draußen auf Dreckhaufen und im Wald verbringt, könnten nicht verschiedener sein. Doch Finn schließt seine Halbschwester ins Herz, erlebt einen langen, intensiven Sommer, der ihn erwachsener werden lässt und ich als Leser habe eine zauberhafte Geschichte erlebt und wollte gleich eine (Zeit-)Reise nach Norwegen buchen.

 

Eduardo Sacheri – Warten auf Perlassi April 29, 2011

Filed under: Erzählung,Romane — themaktima @ 4:12 pm
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Durch Zufall fand ich dieses Büchlein in unserer Stadtbücherei. Ich glaube, es lag an dem außerordentlich coolen Cover mit der rostigen Schüssel vor einer einsamen Tanke. Zum Glück einer der seltenen Fälle, in denen der Inhalt der Aufmachung in nichts nachsteht.
Wir folgen also Araoz auf der einsamen Zugfahrt nach O’Connor (!), einem Kaff in der Pampa bei Buenos Aires. Araoz will die Wahrheit wissen über ein entscheidendes Fußballspiel seines Clubs, das er als kleiner Junge im Stadion verfolgte und bei dem sein damaliges Idol Perlassi eine wichtige Rolle spielte. Warum er dazu nach O’Connor muss, müsst ihr schon selbst herausfinden – genauso, was in Araoz früher und jüngerer Vergangenheit passierte, damit ein so eigenwilliger Charakter dabei herauskommen konnte. Die ausgesprochen originelle, aber teilweise auch sehr traurige Story ist mit zahlreichen Rückblenden durchsetzt, und das so geschickt, dass es dem Lesefluss überhaupt keinen Abbruch tut; im Gegenteil, das Buch ist ein wahrer Lesegenuss. Und Sacheri (dessen erster Roman „Das Geheimnis ihrer Augen“ verfilmt wurde, was zur Oscarverleihung für den besten fremdsprachigen 2010 Film führte) schreibt hier wirklich nicht nur für Fußballfans. Nach „Nemesis“ hatte ich doch glatt behauptet, viele bessere Bücher würde es dieses Jahr wohl nicht geben, aber da habe ich die Rechnung ohne „Warten auf Perlassi“ gemacht. Genialer Stoff!

 

Philip Roth – Nemesis April 24, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 7:53 pm
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Nemesis - Philip RothZu diesem Roman muss ich nicht viel schreiben. Er handelt vom jungen Sportlehrer Bucky Cantor, der während des heißen Sommers 1944 im jüdisch geprägten Newark regelmäßig die Nachmittagsaufsicht über einen Haufen sportbegeisterter Jugendlicher übernimmt, als eine schwere Polioepidemie ausbricht (genau, es handelt sich um Kinderlähmung). Diese außergewöhnliche Geschichte über echtes, falsches, irrtümliches oder sinnloses Heldentum und Gott ist ein Meisterwerk – und das kommt mir nicht nur so vor, weil ich mich vorher durch „Brooklyn“ gequält habe. Obwohl bei diesem unfairen Vergleich allzu deutlich wird, warum Roth tatsächlich ein großartiger Erzähler ist, und Toibin schlicht überschätzt. Nur so als Beispiel: Das Lesehuhn Hilpirella und ich haben bei „Nemesis“ genau an der gleichen Stelle an den Anfang zurückgeblättert (bei „Brooklyn“ sind wir wahrscheinlich an der gleichen Stelle eingepennt).
Also lest einfach dieses Buch, viele bessere wird es dieses Jahr nicht geben!