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Siegfried Lenz – Schweigeminute Juni 27, 2010

Filed under: Erzählung — themaktima @ 8:44 pm
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Was soll ich viel schreiben über dieses Buch? Die „Schweigeminute“ erschien vor zwei Jahren. Lenz ist nun 85, aber wer diese Novelle liest, wird – wie ich – hoffen, dass er des Schreibens noch lange nicht müde ist.
„Schweigeminute“ ist die Geschichte der zarten, schüchternen und verborgenen Beziehung zwischen Schüler Christian und seiner Lehrerin Stella; sie währt nur einen Sommer. Eine wunderschöne, bewegende und auch traurige Erzählung über die Liebe und die Vergänglichkeit – einfach lesen.


 

David Lodge – Wie bitte? Juni 18, 2010

Filed under: Romane — hilpirella @ 8:46 pm

Desmond Bates ist stark schwerhörig und als Linguistikprofessor trifft ihn seine Schwerhörigkeit umso härter. Er ist im vorzeitigen Ruhestand (nicht zuletzt aus genanntem gesundheitlichen Grund), während seine jüngere Frau mit einem eigenen Einrichtungsgeschäft gerade durchstartet und beruflichen Erfolg hat. Sie hat wenig Geduld mit ihm, wenn er bei einem gesellschaftlichen Event mal wieder sein Hörgerät verloren oder die Ersatzbatterien vergessen hat. Für den Leser sind dies zwar amüsante Passagen, wenn sich Desmond mit jemandem „unterhält“, den er nicht versteht, er selbst ist jedoch hoch frustriert. Dazu plagen ihn auch noch Potenzschwierigkeiten und die Halsstarrigkeit seinen (ebenfalls schwerhörigen!) Vaters, der sich weigert, in ein Altersheim umzuziehen.
Und natürlich fühlt er sich geschmeichelt, als ihn eine junge amerikanische Studentin um die inoffizielle Unterstützung bei ihrer Doktorarbeit bittet.

Ein Buch, das die Probleme und Ängste eines alternden Mannes thematisiert und dabei nicht muffig oder altbacken ist. Im Gegenteil: „Wie bitte?“ ist Roman voller Humor mit keiner Seite zuviel und einem Ende, das viel leiser ist, als man erwarten würde.

 

Joey Goebel – Vincent Juni 17, 2010

Filed under: Romane — kikeriki @ 9:29 pm

Heartland war meine erste Begegnung mit dem Autor Joey Goebel. Soviel vorneweg: Die Langatmigkeit, die mich bei der Lektüre von Heartland gestört hat, ist offensichtlich kein Joey Goebel-Muster, denn in „Vincent“ war davon nichts zu spüren.

Goebels „Vincent“ greift die Unterhaltungsindustrie als Grundthema auf und – an. Die Grundidee: Nur ein leidender Künstler kann wahre Kunst hervorbringen. Diese Idee wird von einem geläuterten – an Krebs erkrankten – wohlhabenden Medienunternehmer geboren und in Form einer Eliteschule für künstlerisch begabte Kinder umgesetzt. Vincent, ein kleiner, unscheinbarer Junge aus schwierigen sozialen Verhältnissen, wird für die Eliteschule entdeckt  Was der Junge nicht weiß: Sein Manager Harlan, der über die Jahre zum Vaterersatz wird, wird dafür bezahlt, Vincent leiden zu lassen. Harlan sorgt dafür, dass Freundinnen, in die Vincent unsterblich verliebt ist, ihn ohne Vorwarnung fallen lassen, Vincents einziger Freund durch eine Intrige zum Feind wird und Dates mit Frauen durch fiese Dauerwellen-Frisuren und Ganzkörperausschläge vereitelt werden. Vncent wird zu einem jungen Mann und seine TV-Formate, Kinofilme und Songs haben Erfolg. Aber glücklich wird Vincent nicht, weil er nicht glücklich werden darf. Was überzogen und satirisch beginnt, wird zunehmend dramatisch.

Spitz. Anders. Überraschend. Absolut empfehlenswert.

 

Martin Suter – Der Koch Juni 16, 2010

Filed under: Romane — kikeriki @ 8:01 pm

Ich habe sie verschlungen, die wunderbaren Bücher des Martin Suter. Auch diesen Roman habe ich wieder nahezu an einem Stück gelesen, zum Teil auch mit Freude.

„Der Koch“ handelt von einem tamilischen- äußerst begabten – Koch, der in der Schweiz in einem Nobelrestaurant als Küchenhilfe arbeitet. Nach seinem Rauswurf gründet er mit seiner ehemaligen Kollegin „Love Food“, einen Catering Service der sich auf aphrodisierendes Essen spezialiert.

In der „Der Koch“ reiht sich ein Handlungsstrang an den nächsten, was – selbst bei dem packenden Schreibstil von Martin Suter – mit der Zeit etwas ermüdend ist. Denn neben der Catering-Service Story mit der netten Geschäftsidee  wird noch die poltische Situation der Tamilen, Waffenschiebereien, Finanzjongleure, Hostessen, lesbische Liebe und die Schwierigkeit als Ausländer in der Schweiz zu leben, thematisiert. Dazwischen findet dann noch die ayuverdische  Kochkunst mit viel Zimt, Koriander, Kardamon und Nelken im Buchstaben-Topf.

Wem das nun beim Lesen schon zu viel ist und Martin Suter noch nicht für sich entdeckt hat,  sollte sich lieber einen anderen Roman von Suter aussuchen. Meine Empfehlung von Suter: „Der pefekte Freund“.

 

Michael Chabon – Schurken der Landstrasse Juni 11, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 7:39 pm
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Wer Abenteuerromane nur deshalb nicht liest, weil er sich nicht durch 700 langatmige Seiten detaillierter Beschreibung unwichtiger Details und überflüssiger Dialoge quälen möchte, während die Story locker auf 176 Seiten gepasst hätte, sollte sich den neuen Roman von Michael Chabon näher ansehen. Denn auf genau diesen 176 Seiten erzählt Chabon eine romantische Geschichte über Mut, Treue und Freundschaft ohne Umschweife und mit erzählerischer Präzision. Weil das Ganze so dicht geschrieben ist, fällt die Lektüre aber manchmal gar nicht so leicht – ein wenig konzentrieren muss man sich schon. Sehr interessant übrigens auch das Setting im Kaukasus um das Jahr 950. Wer hat schonmal was vom Königtum der Chasaren gehört?

Der eigentliche Knaller bei diesem – übrigens wunderhübschen – Büchlein ist allerdings das Nachwort, in dem Chabon erörtert, warum das Buch nicht „Juden mit Schwertern“ heisst. Zum Piepen.


 

Der Gott der kleinen Dinge von Arundhati Roy Juni 5, 2010

Filed under: Romane — kikeriki @ 5:41 pm
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Es gibt Bücher die liest man zu Ende, legt sie zur Seite und überlegt was man als nächstes lesen wird. Und dann gibt es Bücher, da fällt das Abschied nehmen nach der letzten Seite schwer und man möchte das – in meinem Fall zumeist etwas zerfledderte – Büchlein, nachdenklich noch ein paar Minuten in den Händen halten . „Der Gott der kleinen Dinge“ gehört für mich zur letzteren Kategorie.

Im Mittelpunkt des Romans stehen die zweieigen Zwillinge Rahel und Estha und die Geschichte ihrer Familie in Indien in den 70er Jahren. Rahels und Esthas Mutter  flieht vor ihrem trinksüchtigen und gewalttätigen Mann mit den Kindern zu ihrer Familie. Als die Familie Besuch von der Ex-Frau eines Onkels und dessen gemeinsamer Tochter aus England bekommen, verändert sich das Leben der Familie auf tragische Weise an einem einzigen Tag.

Ich habe eine Weile gebraucht, um  mich an den eigenwilligen, zum Teil aber auch poetischen Sprachstil, die zahlreichen Wortspiele und Rückblendungen in der Geschichte zu gewöhnen. Aber dann nahm mich die Geschichte mit auf eine zauberhafe, aber auch tragische Reise, die mich nicht mehr losgelassen hat.

Ein wunderbarer Roman.

 

Der Maler Gottes von Ines Thorn Juni 2, 2010

Filed under: Romane — kikeriki @ 2:27 pm

Der Geschichtsroman widmet sich dem Leben des Malers Matthias aus Grünewald (1475/1480-1528). Grünewalds Schaffen, geprägt von Bessenheit, tiefer Gläubigkeit und der eigenen Unzufriedenheit wird in dem Roman sehr eindrücklich und fesselnd beschrieben.Wie viel die Autorin in Grünewalds Leben „reingedichtet“ hat  kann ich leider nicht beurteilen –  dennoch kann ich nach der Lektüre die intensive Wirkung, die der Altar auf mich hat, besser nachvollziehen.

Mehr über den Isenheimer Altar & Matthias Grünewald