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Charles Chadwick – Eine zufällige Begegnung August 31, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 5:49 pm

Elsies Leben ist von ihrer Hässlichkeit geprägt. Ihre Familie hält sie auf Abstand: der Vater hat die Familie schon kurz nach Elsies Geburt verlassen, die Mutter kann ihre Tochter nicht lieben und kauft sich mit Schecks ein reines Gewissen, der ältere Bruder ist froh, dass er weit genug entfernt wohnt, um seine Schwester nicht seinen Kindern vorstellen zu müssen.
cover_zufaellige begegnung Und fremde Menschen, die Elsie sehen wenden sich meist schnell ab. Als Folge ihrer Hässlichkeit arbeitet sie trotz ihres „guten“ Elternhauses und ihres Bildungsstandes als Reinigungskraft und ist ein sehr einsamer Mensch.
Dennoch hat sich Elsie selbst Mitgefühl für andere Menschen und Humor bewahrt – so bewirbt sie sich zum Beispiel in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses als Verkäuferin: Nur um zu sehen, wie sich die Personalverantwortlichem im Bewerbungsgespräch wohl aus der Situation winden werden. Der Hochzeit des Bruders bleibt sie fern, um dessen Familienfotos nicht zu „verschandeln“.
Elsie lernt zufällig (da kommt also der Buchtitel ins Spiel) den Einzelgänger Stan kennen und sie lernt zum ersten Mal, was Freundschaft und Vertrauen ist.

Ich konnte das Buch gar nicht mehr weglegen – absolute Empfehlung!

 

A. J. Jacobs – The Know-It-All August 30, 2009

Filed under: Fundstück,Sachbuch — themaktima @ 8:06 pm
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Hier kommt ein kurioses Buch: Der New Yorker A.J. Jacobs arbeitet als Journalist bei der Lifestyle-Zeitschrift „Esquire“, und stellt fest, dass er seit seinem Studienabschluss bildungsmäßig dramatisch abgebaut hat; dafür ist seine Expertise die Klatschspalten betreffend mittlerweile enorm. Dominiert quasi sein Leben. Dieses Mißverhältnis gilt es umzukehren: A.J. beschließt, die Enzyklopädia Britannica Seite für Seite zu lesen und damit der klügste Mensch der Welt zu werden. Das ist jetzt aber keine witzige Romanidee, sondern wirklich wahr.

A.J. Jacobs liest also dieses 33.000 Seiten starke Werk durch. Und lässt uns an seiner Mission teilhaben: Dem Alphabet nach führt er uns von einem Begriff zum andern, der Aufbau ist also tatsächlich dem eines Lexikons nachempfunden. Klingt langweilig? Tatsache ist: Das Lesen dieses Buches ist ein Riesenspaß – ich habe schon lange kein derart lustiges Buch mehr gelesen. Jacobs beschränkt sich nicht auf die Aufzählung und Erläuterung besonders interessanter, skurriler oder historisch bedeutsamer Begriffe aus der Britannica, sondern verknüpft seine Fundstücke geschickt mit seiner persönlichen Geschichte, mit Erlebnissen aus dem Jahr der Lektüre (zum Beispiel mit den verzweifelten Versuchen, mit seiner Frau ein Kind zu zeugen) und mit den unvermeidlichen, oft nachvollziehbaren Reaktionen seiner Umwelt auf seine Mission. Selbstironisch, reflektiert, humorvoll, einfach erfrischend anders: Ein echtes Juwel.
Das Buch war ein Geburtstagsgeschenk – zum Glück, sonst hätte ich es wohl verpaßt. So habe ich die sehr empfehlenswerte englische Ausgabe gelesen; der deutsche Titel lautet „Britannica und ich: Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden.“. Diese kenne ich allerdings nicht. Ich habe übrigens während meiner täglichen Regionalzugfahrten darin geschmökert; es eignet sich durch seinen Aufbau hervorragend für das Lesen mit häufigen Unterbrechungen.

In einem weiteren Buch „berichtet Jacobs über sein Experiment, sich ein Jahr lang strikt an den Wortlaut der Bibel zu halten, was unter anderem das Steinigen von Ehebrechern und das Wachsen eines Bartes beinhaltet.“ (Zitat Wikipedia). Heißt „Die Bibel und ich“. Muss ich haben.


 

Erich Follath – Die Kinder der Killing Fields August 24, 2009

Filed under: Sachbuch — themaktima @ 9:34 pm
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„Die Kinder der Killing Fields“ erscheint rechtzeitig zum Auftakt des Sondertribunals in Phnom Penh, bei dem die Hauptverantwortlichen für die Greueltaten der Roten Khmer in den Jahren ´75-´78 angeklagt werden sollen. Dieses sehr aktuelle Buch sei jedem empfohlen, der sich für Asien interessiert. Indochina-Kenner und -Reisende können blind zugreifen.

Follath liefert ein hochinteressantes Buch über den Werdegang Kambodschas ab; er gibt Aufschluß über die Geschichte, die gesellschaftliche und die politische Entwicklung des Landes, erläutert die Zusammenhänge und zeigt dabei auf, wie es zu der Katastrophe der Herrschaft der Roten Khmer kommen konnte. Er stellt auch dar, welche gewichtige Rolle dabei auch Amerika und Europa spielten und wie das Land heute versucht, seiner mannigfaltigen Probleme Herr zu werden.
„Die Kinder der Killing Fields“ ist nicht nur Geschichtsbuch, sondern auch Reisebericht und kritische journalistische Analyse. Das ganze wird lebendig illustriert durch zahlreiche Begegnungen mit Tätern und Opfern der Rote-Khmer-Zeit – z.B. mit dem Gefängnisfotografen des Todeslagers Tuol Sleng, oder mit dem damaligen König Norodom Sihanouk. Spannend wie ein Krimi: Das Kapitel über den grausamen Führer der Roten Khmer – Pol Pot.


 

Thomas Hürlimann – Fräulein Stark August 17, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:31 pm
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fräulein stark Was für ein schönes Buch über einen Sommer und das Erwachsenwerden! Pekfekte Lektüre für ein, zwei Nachmittage im Garten oder an einem See. Und da draussen auch gerade der Sommer auf Hochtouren läuft beende ich diese Rezension an dieser Stelle.

 

Joey Goebel – Heartland August 6, 2009

Filed under: Romane — kikeriki @ 10:05 pm
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Blue Gene, Millionenerbe eines Tabakkonzerns und Aussteiger in der amerikanischen Provinz wird unerwartet von seiner Familie kontaktiert. Sein älterer Bruder John möchte ihn für seinen Kongresswahlkampf als „Mann des Volkes“ einspannen.
John, trockener Alkohliker mit Soziophobie entspricht mit seinen politischen Plänen vor allem den Wünschen seines Vaters.
Schön beschrieben sind die unterschiedlichen gesellschaftlichen Lager:  Auf der einen Seite das einfache Volk, welches seine Freizeit mit Wrestling und Monstertruck-Rennen verbringt- auf der anderen Seite die Oberschicht, die unter ihrer perfekten Fassade unperfekte Persönlichkeiten beherbergt.
„Heartland“ fesselt, ist witzig und seziert die politischen Machenschaften aufs Feinste. Einzige Kritik: Was hier auf 600 Seiten erzählt wird, dafür hätten 400 gereicht.
Trotzdem empfehlenswert, heartland