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Francois Bizot – The Gate Dezember 24, 2009

Filed under: Memoiren — themaktima @ 12:57 pm
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„The Gate“ habe ich dieses Jahr aus Kambodscha mitgebracht. Es sind Memoiren des französischen Ethnologen Bizot, der Anfang der 70er in die Hände der Roten Khmer fällt und im Gefangenenlager auf Duch, den späteren Leiter des Vernichtungslagers S21 trifft und eine persönliche Beziehung zu ihm aufbaut. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut – nicht zuletzt, weil es einen spannenden Bezug zur Gegenwart hat, wird doch dem Folterer Duch dieser Tage in Phnom Penh der Prozeß gemacht. Leider war es dann doch eher eine Enttäuschung. Vielleicht auch deswegen, weil die Erwartung aufgrund der vielen Vorschußlorbeeren zu hoch war. Tatsächlich sind die erste Hälfte des Buchs und der Epilog recht gut und spannend – hier beschreibt Bizot seine Gefangenschaft in Duchs provisorischem Camp (es handelt sich dabei NICHT um Tuol Sleng!) – auch wenn die Dialoge zwischen den beiden nicht so ergiebig sind, wie ich gehofft hatte. Die Ereignisse der zweiten Hälfte finden vier Jahre später in der französischen Botschaft in Phnom Penh während der Zeit der Eroberung und Besetzung der Stadt durch die Roten Khmer statt. Dieser Teil ist mühsam zu lesen und schlicht langweilig. Das Schicksal der privilegierten französischen Diplomaten geht einem nicht wirklich nah, da hilft auch die eine oder andere tragische Ausnahme nichts. Ich habe mich wirklich gefragt, wie die vielen guten Reviews zustande kommen.

Wer sich für Kambodscha oder das ehemalige Indochina interessiert, dem lege ich zwei andere Bücher ans Herz: Zum einen „Die Kinder der Killing Fields“ von Erich Follath, das eine hervorragende Übersicht über Kambodschas Geschichte und Politik bis zum heutigen Tag bietet, und zum anderen „Durch die Stille der Nacht“ von Daran Kravanh, in dem der kambodschanische Co-Autor uns an seinem tragischen Schicksal während der Herrschaft der Roten Khmer teilhaben lässt.

Einen Pluspunkt gibt es doch noch: „The Gate“ hat unbestritten eins der coolsten Covers dieses Jahres. Es ist übrigens nicht in deutsch erhältlich.


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Erich Follath – Die Kinder der Killing Fields August 24, 2009

Filed under: Sachbuch — themaktima @ 9:34 pm
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„Die Kinder der Killing Fields“ erscheint rechtzeitig zum Auftakt des Sondertribunals in Phnom Penh, bei dem die Hauptverantwortlichen für die Greueltaten der Roten Khmer in den Jahren ´75-´78 angeklagt werden sollen. Dieses sehr aktuelle Buch sei jedem empfohlen, der sich für Asien interessiert. Indochina-Kenner und -Reisende können blind zugreifen.

Follath liefert ein hochinteressantes Buch über den Werdegang Kambodschas ab; er gibt Aufschluß über die Geschichte, die gesellschaftliche und die politische Entwicklung des Landes, erläutert die Zusammenhänge und zeigt dabei auf, wie es zu der Katastrophe der Herrschaft der Roten Khmer kommen konnte. Er stellt auch dar, welche gewichtige Rolle dabei auch Amerika und Europa spielten und wie das Land heute versucht, seiner mannigfaltigen Probleme Herr zu werden.
„Die Kinder der Killing Fields“ ist nicht nur Geschichtsbuch, sondern auch Reisebericht und kritische journalistische Analyse. Das ganze wird lebendig illustriert durch zahlreiche Begegnungen mit Tätern und Opfern der Rote-Khmer-Zeit – z.B. mit dem Gefängnisfotografen des Todeslagers Tuol Sleng, oder mit dem damaligen König Norodom Sihanouk. Spannend wie ein Krimi: Das Kapitel über den grausamen Führer der Roten Khmer – Pol Pot.