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Eileen Chang – Das Reispflanzerlied Dezember 31, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 10:36 pm
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China in den 50er Jahren nach der Kulturrevolution: Die junge Yuexiang kehrt aus Shanghai in ihr Dorf zurück, um ihrem Mann bei der Landarbeit zu helfen. Sie hatte ihn und ihre Tochter zurückgelassen, um in der Stadt Geld zu verdienen und kommt nachhause, da Arbeiter für die vermeintlich guten Ernten benötigt werden.
Doch Yuexiang findet eine traurige Wahrheit vor: Die Menschen in ihrem Heimatdorf leben in größter Armut, alle Verwandten wollen Geld von ihr leihen, ihre Tochter hat sich ihr entfremdet. Die Menschen erdulden diesen Zustand, da Regimefeinde hart bestraft werden und ein kommunistischer Kader im Dorf sorgt implizit dafür, dass keine Kritik geäußert wird. Doch als dieser Parteifunktionär Reis und Geld von den armen Bauern eintreiben will, um die Familien der Soldaten, die gegen Korea kämpfen, zu unterstützen, geraten die Dinge außer Kontrolle, was für Yuexiang und ihre Familie schreckliche Folgen hat.

Dieses Buch beschreibt sehr drastisch die Lebenssituation der Bauern nach der Landreform in China und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Buch in USA und nicht in China veröffentlicht wurde. Den Stil fand ich zu Beginn etwas holprig und gewöhnungsbedürftig – ebenso die Beschreibung der verwandschaftlichen Beziehungen der Protagonisten; das Weiterlesen hat sich aber in jedem Fall gelohnt!

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Anthony McCarten – Hand aufs Herz Dezember 29, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 1:35 pm

Nach „Superhero“ und „Englischer Harem“ ist dies nun der dritte Roman von McCarten, den ich innerhalb von zwei Jahren lese. Und nebenbei bemerkt ist das wohl der dritte Roman, den der Autor in zwei Jahren schrieb – kein schlechter Schnitt.

Wieder spielt die Geschichte im heutigen London: Ein Autohaus hat einen Wettbewerb ausgeschrieben: Wer seine Hand am längsten an einem Land Rover halten kann wird das Auto gewinnen. Diese Aussicht lässt die unterschiedlichsten Menschen aus unterschiedlichsten Motivationen an diesem eher zweifelhaften Wettbewerb teilnehmen. Und so „kleben“ die Teilnehmer an einem Auto – und an ihrer Idee, dieses zu besitzen – und lernen sich in dieser Schicksalsgemeinschaft kennen. Ein humorvolles und unterhaltsames Buch, das ich wärmstens empfehlen kann!

 

Francois Bizot – The Gate Dezember 24, 2009

Filed under: Memoiren — themaktima @ 12:57 pm
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„The Gate“ habe ich dieses Jahr aus Kambodscha mitgebracht. Es sind Memoiren des französischen Ethnologen Bizot, der Anfang der 70er in die Hände der Roten Khmer fällt und im Gefangenenlager auf Duch, den späteren Leiter des Vernichtungslagers S21 trifft und eine persönliche Beziehung zu ihm aufbaut. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut – nicht zuletzt, weil es einen spannenden Bezug zur Gegenwart hat, wird doch dem Folterer Duch dieser Tage in Phnom Penh der Prozeß gemacht. Leider war es dann doch eher eine Enttäuschung. Vielleicht auch deswegen, weil die Erwartung aufgrund der vielen Vorschußlorbeeren zu hoch war. Tatsächlich sind die erste Hälfte des Buchs und der Epilog recht gut und spannend – hier beschreibt Bizot seine Gefangenschaft in Duchs provisorischem Camp (es handelt sich dabei NICHT um Tuol Sleng!) – auch wenn die Dialoge zwischen den beiden nicht so ergiebig sind, wie ich gehofft hatte. Die Ereignisse der zweiten Hälfte finden vier Jahre später in der französischen Botschaft in Phnom Penh während der Zeit der Eroberung und Besetzung der Stadt durch die Roten Khmer statt. Dieser Teil ist mühsam zu lesen und schlicht langweilig. Das Schicksal der privilegierten französischen Diplomaten geht einem nicht wirklich nah, da hilft auch die eine oder andere tragische Ausnahme nichts. Ich habe mich wirklich gefragt, wie die vielen guten Reviews zustande kommen.

Wer sich für Kambodscha oder das ehemalige Indochina interessiert, dem lege ich zwei andere Bücher ans Herz: Zum einen „Die Kinder der Killing Fields“ von Erich Follath, das eine hervorragende Übersicht über Kambodschas Geschichte und Politik bis zum heutigen Tag bietet, und zum anderen „Durch die Stille der Nacht“ von Daran Kravanh, in dem der kambodschanische Co-Autor uns an seinem tragischen Schicksal während der Herrschaft der Roten Khmer teilhaben lässt.

Einen Pluspunkt gibt es doch noch: „The Gate“ hat unbestritten eins der coolsten Covers dieses Jahres. Es ist übrigens nicht in deutsch erhältlich.


 

Irene Dische – Clarissas empfindsame Reise Dezember 16, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:30 am

Clarissa ist Mitte 30, ehemalige Rallyefahrerin und hat das Talent sich rasend schnell (und oft) zu verlieben. Zwar ist sie mit einem erfolgreichen Handchirurgen verheiratet, dieser scheint aber sehr tolerant zu sein und taucht in der Geschichte nur am Rande auf. Clarissa hat sich nun entschlossen, nach USA zu reisen, um sich zu entlieben: sie will möglichst viel Raum zwischen sich und einem russischen, unattraktiven Schriftsteller bringen. Natürlich macht sie im Flugzeug schon die erste Bekanntschaft und auf ihrer Reise durch die halbe USA (eigentlichen Ziel war New York) häufen sich unglaubliche Zufälle und Gegebenheiten.
Dieser Roman ist sehr witzig, schnell und unterhaltsam. Zum Kauf des Hardcovers würde ich nicht raten – aber vielleicht gibts das Buch ja bald in Taschenbuchformat.

 

Edna Mazya – Über mich sprechen wir ein andermal

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:22 am
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Nomi, eine selbstbewußte und eigenständige Verlegerin, pflegt seit Jahren eine funktionierende, glückliche Fernbeziehung zu einem Mann, den sie nur wenige Male im Jahr sieht. Nomi lebt in Israel und hat sich bisher geweigert, sich mit ihrer familiären Vergangenheit zu befassen: Ihre Eltern haben Sie verlassen als sie ein junges Mädchen war und sie hat niemals den Grund dafür erfahren.
Auf einer Reise nach Europa begibt sich Nomi auf die Spuren ihrer Vergangenheit. Anhand der Tagebücher ihrer Großmutter entschlüsselt sie die Geschichte ihrer Mutter und Großmutter und kommt sich selbst ein Stück näher.

Keine große literarische Entdeckung, aber guter Lesestoff für die langen, dunklen Abende…