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Reif Larsen – Die Karte meiner Träume Januar 30, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 10:57 pm
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Mit dieser Rezension tue ich mich wirklich schwer. Das Buch hat viele gute Kritiken, aber insbesondere viel positives Userfeedback auf z.B. amazon erhalten. Beim ersten Blättern in der Buchhandlung fand ich es aufgrund der liebevollen Gestaltung auf Anhieb sehr ansprechend. Es erinnerte mich sofort an „Das Haus“ von Mark Z. Danielewski, das ebenfalls formal sehr außergewöhnlich ist. Ja, ich wollte „Die Karte meiner Träume“ wirklich gut finden. Aber – ganz ähnlich wie bei „Das Haus“ – es ist mir nicht so recht gelungen.

Der zwölfjährige T.S. Spivet ist ein hochintelligenter, talentierter kleiner Forscher, der für seine grandiosen Illustrationen für Fachmagazine einen renommierten Wissenschaftspreis erhält – denn die Juroren wissen nicht, dass er noch ein Kind ist. Auf einer Farm in Montana lebend, mit einem Rancher als Vater, der seine Interessen nicht im Mindesten billigt, sieht er das von ihm ersehnte und nun greifbare Leben für die Wissenschaft in weite Ferne rücken. Er nimmt reißaus und macht sich allein auf den Weg nach Washington, um dort am Smithsonian Institute vor erwachsenen Wissenschaftlern den Preis entgegenzunehmen und eine Rede zu halten. Ein Reiseabenteuer beginnt.

Auf jeden Fall hat sich der junge Autor viel Mühe gegeben beim Arrangement seiner Geschichte, die immer wieder von am Rand eingefügten Erläuterungen, Gedanken und sehenswerten Skizzen durchbrochen wird. Nun empfand ich die Lektüre ebenfalls als etwas mühsam, zumal die Randbemerkungen wirklich sehr klein gedruckt sind. Mein Interesse an den vielen zusätzlichen Schnipseln erlahmte mit der Zeit. Der eine oder andere wird es bereits wissen: ich lese alle Bücher, die ich anfange, auch zu Ende. Das beinhaltet, daß ich auch alles, was in einem Buch steht, durchlese. Dabei hätte ich mir schon manchmal gewünscht, dass die Geschichte, die eh nicht so recht in Gang kommt, nicht auch noch ständig unterbrochen würde. Klar, ich hätte die Randbemerkungen auch ignorieren können, aber in diesem Fall wäre ich auch nicht zufrieden gewesen. Das Buch ist, was es ist. Ach ja, und eine Geschichte in der Geschichte gibt es auch noch.

Reif Larsen hat es jedenfalls hingekriegt, dass ich über jeden der mitwirkenden Charaktere und Nebenschauplätze gern mehr gelesen hätte – nur über seine eigentliche Geschichte und den naseweisen T.S. (der auch für einen derart begabten Jugendlichen viel zu reflektiert rüberkommt) nicht. Das ist natürlich blöd. Dabei hätte ich verdammt viel Sympathie für einen verkopften, kleinen Aussenseiter übrig gehabt. Keine Ahnung, wie Reif das verbocken konnte.

Naja, richtig schlecht ist das Buch nun auch nicht; die außergewöhnliche Form hat schon was. Schön geschrieben und klasse übersetzt ist es auch. Nur waren meine Erwartungen wohl einfach zu groß. Reif Larsen hat mit seinen Ideen einige Chancen zum Tiefgang gehabt, aber er bleibt leider oberflächlich. Und auch ein wenig unglaubwürdig. A propos unglaubwürdig: Der Praise von Stephen King auf dem Umschlag: „Ein grossartiges und komisches Buch, ich habe Tränen gelacht und geweint.“. Ich frage mich wirklich, was der Junge so einwirft, bevor er ein Buch liest.


 

Wiegenlieder Januar 28, 2010

Filed under: Kinderbuch — hilpirella @ 8:59 pm
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Mein erster Eintrag in der Kategorie „Kinderbuch“!
„Wiegenlieder“ ist ein wunderschönes Liederbuch mit ganz außergewöhnlichen Illustrationen. Das Buch umfaßt über vierzig bekannte und weniger bekannte Wiegenlieder in Form von Noten und Strophen. Für alle musikalisch unbedarften (zu denen ich mich auch zähle) liegt dem Buch eine Mitsing CD bei: Alle Melodien werden von Geige und Klavier gespielt. Ganz erstaunlich auch, dass man so einige vergessen geglaubte Melodien wieder erkennt und sich selbst in seine Kindheit zurückversetzt fühlt.

Nun singe ich – noch mit mäßigem Erfolg was das Einschlafen unserer Tochter betrifft – aber mit zunehmender Freude diese Lieder – und zwar zu allen Tages- und Nachtzeiten.

Wir haben dieses einzigartige Liederbuch von einer lieben Freundin zur Geburt unseres Lesekükens bekommen und es wird uns sicher einige Jahre begleiten. Fünf Sterne!

 

David Nicholls – Zwei an einem Tag Januar 24, 2010

Filed under: Romane — hilpirella @ 2:59 pm
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Emma und Dexter verbringen eine gemeinsame Nacht zum 15. Juli 1988 am Ende ihrer Collegezeit und werden sich wahrscheinlich nie wieder sehen. Emma ist das eher unscheinbare, intelligente Mädchen mit Brille, das ihr Studium mit Auszeichnung abgeschlossen hat, Dexter ist der gut aussehende Herzensbrecher der Schule.
Ihre Wege trennen sich doch ihre Freundschaft bleibt erhalten und geht durch so manche Prüfung. In der Erzählung blicken wir immer am 15. Juli auf das Leben und die Beziehung der beiden und fragen uns, wann sie nun endlich zueinander finden.

Das ist ein etwas schnulziger, aber sehr witziger und unterhaltsamer Liebesroman über zwei Menschen mit einem ungewöhnlichen Ende. Für mich ist der Roman auch eine englische Fortsetzung von „Generation X“ von Douglas Coupland: Wie geht das Leben der spaßorientierten, verantwortungslosen, unpolitischen Generation weiter?

Es sei noch bemerkt: Der Autor wurde beim Datum des 15. Juli vom wunderbar untalentierten Billy Bragg und seinem Song St. Swithin’s Day inspiriert.

 

Die Insel der Göttin – Jade Y. Chen Januar 19, 2010

Filed under: Romane — kikeriki @ 10:38 pm
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Das Jahr ist noch jung und dennoch bin ich mir sicher, dass dieser Roman auch Ende 2010 eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr sein wird.

Jade Y. Chen, wurde in Taiwan geboren, hat in Paris studiert und lebt heute in München. „Die Insel der Göttin“ ist eine Familiensaga und erzählt die Geschichte von Lin, die in Berlin lebt und mit ihrem Verlobten nach Taiwan reist, um ihre Familie zu besuchen. In Rückblenden wird die Geschichte ihrer japanischen Großmutter erzählt, die nach Taiwan kommt, um ihren Verlobten zu heiraten, aber nur noch einen Toten „empfangen“ wird. Und die Geschichte der Töchter und Söhne dieser Familie – ihre persönlichen Schicksale auch unter den politischen Verhältnissen eines Taiwan zwischen chinesischen und japanischen Herrschern.
„Es gibt eine kleine Insel im südchinesischen Meer, auf der die Götter mehr geliebt werden als irgendwo sonst auf der Welt. Vielleicht werden sie sogar mehr geliebt als die Menschen.“

„Insel der Göttin“ ist ein wunderbarer Roman über Taiwan, die Familien Feng und Lin und eine Frau, die es schafft auf den Spuren ihrer Familie die Flucht vor sich selbst zu beenden

 

Paolo Giordano – Die Einsamkeit der Primzahlen Januar 2, 2010

Filed under: Romane — kikeriki @ 6:05 pm

Liest man diesen Roman mag man kaum glauben, dass der Autor erst 25 Jahre alt war, als er ihn geschrieben hat.

„Die Einsamkein der Primzahlen“ handelt von der unerfüllten Liebe zwischen Alice und Mattia. Alice hat als Kind einen folgenschweren Skiunfall, der nicht nur eine sichtbare Behinderung zurücklässt sondern auch Narben auf ihrer Seele. Mattia hat seine geistig behinderte Zwillingsschwester, als er zum Geburtstag eines Schulkameraden geht, in einem Park zurückgelassen – seine Schwester bleibt für immer verschwunden. Alice und Mattia lernen sich auf dem Gymnasium kennen, eine besondere Anziehungskraft steht zwischen ihnen. Während jeder versucht sein Leben einigermassen auf die Reihe zu kriegen, finden sie nie wirklich zueinander.

Die ersten zwei Kapitel dieses Romans haben mich besonders berührt: Alice und Mattia in den schicksalshaften Momenten ihrer Kindheit.

Unausgesprochene Gefühle und Wünsche, die Prägung der Kindheit auf das spätere Leben,  vom Schmerz der Einsamkeit, all das wird in diesem Roman sehr eindringlich beschrieben und auch wenn man sich nicht in den Extremen wiederfindet, die die beiden umgibt, so hat man als Leser dennoch das Gefühl, die verletzten und einsamen Seelen von Alice und Mattia ein wenig in sich selbst zu entdecken.

 

Mireille Zindel – Irrgast Januar 1, 2010

Filed under: Romane — kikeriki @ 8:30 pm

„Irrgast“ ist ein aussergewöhnlicher Roman: Hochpräzise wird die Geschichte von Eli beschrieben, deren Freund vor ihren Augen ermordet wird, womit ihr jemand  zuvorgekommen ist: «Da erinnere ich mich, dass ich ihn hatte umbringen wollen. Und ich begreife, dass es dazu für immer zu spät ist.“ Elis Leben ist zunehmend geprägt von sozialer Isolation und depressiven Stimmungen. Ihre Nachbarin Anna tritt in ihr Leben und hilft ihr allmälich wieder zurück ins Leben. Die Geschichte erhält am Ende eine ungewöhnliche Wendung und lässt den Leser mit einigen Fragezeichen zurück.

Ein Page-Turner der anderen Art.