lesehuhn.de

Juli Zeh – Nullzeit August 24, 2012

Filed under: Romane — themaktima @ 9:05 pm
Tags: , ,

Sven hat Deutschland den Rücken gekehrt und sich auf einer spanischen Insel eine Existenz als Tauchlehrer aufgebaut. Dort schiebt er eine ruhige Kugel, bis Serienschauspielerin Jola (die endlich eine ernstzunehmende Rolle will) und Schriftsteller Theo (der endlich saufen will) ihn für viel Geld als Rund-um-die-Uhr-Coach buchen. Sven hält sich gern aus allem raus, aber die beiden lassen das schlicht nicht zu. Es entspinnt sich eine Dreiecksgeschichte, die sich gewaschen hat.

Dieser raffinierte, anspruchsvolle Psychothriller ist ein echter Pageturner – und nichts für schwache Nerven! Ist schon eine ganze Weile nicht mehr passiert, dass ich ein Buch ständig mit mir rumschleppte. Dass es nicht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis landete, hat Juli Zeh dann wohl auch eher dem einen oder anderen kräftigen Seitenhieb gegen die Literaturszene zu verdanken. Scheiss drauf, einfach lesen und abtauchen.

 

Joachim Gauck – Winter im Sommer – Frühling im Herbst August 13, 2012

Filed under: Memoiren — themaktima @ 10:16 pm
Tags: , , ,

Joachim Gauck - Winter im Sommer, Frühling im HerbstWie gut, dass Joachim Gauck doch noch Bundespräsident geworden ist; denn sonst hätte ich diese aussergewöhnliche Autobiographie wohl verpasst.

In vier großen Abschnitten erzählt Gauck (in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch) über seine Jugendzeit in Rostock gegen Ende des Krieges und zu Beginn der DDR-Diktatur; von seiner persönlichen und beruflichen Entwicklung vom jungen Pastor zum erfahrenen, auch politisch aktiven Kirchenmann und Bürgerrechtler; über den allmählichen Beginn des Widerstands in der DDR und dem Sturz des Unrechtsregimes; und schlussendlich über die Stasi-Unterlagen-Behörde, deren Chef Gauck zehn Jahre lang war.

Wer sich für die jüngere deutsche Geschiche interessiert, wird begeistert sein.

Insbesondere die Kapitel über die Revolution in der DDR sowie über den – zu Beginn verblüffend chaotischen – Aufbau der Gauck-Behörde sind spannend und aufschlußreich. Ich muss jedoch zugeben: ich interessiere mich nicht sonderlich für Kirchenpolitik; vielleicht kamen mir daher die Passagen über sein Engagement als Pastor etwas länger vor.

Gauck schreibt jedoch nicht einfach seine Lebensgeschichte nieder, sondern hält vielmehr ein emotionales, oft mitreissendes Plädoyer für Freiheit und Eigenverantwortung. Seine Botschaft berührt, und sie macht Mut. Ich möchte daher die Lektüre von Gaucks Erinnerungen wirklich jedem uneingeschränkt empfehlen.