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Sabrina Janesch – Katzenberge August 16, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 7:21 pm
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Die junge Journalistin Nele ist zur Hälfte polnischer und zur Hälfte deutscher Abstammung und lebt in Berlin. Auf der Beerdigung ihres Opas in Polen, der mitsamt seines Dorfes aus Galizien in der Ukraine vertrieben wurde und in Schlesien ein neues Zuhause gefunden hatte, sticht sie der Hafer: Sie wird sich spontan auf eine Reise zu den Wurzeln ihres Opas, den sie liebevoll „Djadjo“ nennt, begeben und seiner Vergangenheit nachspüren, über der Andeutungen – aber auch beharrliches Schweigen – ihrer polnischen Verwandten wie ein Schleier liegen.

Geschickt verknüpft Sabrina Janesch die Aufenthalte ihrer Fahrt gen Osten mit den Stationen der Flucht ihres Großvaters und erzählt so dessen Geschichte rückwärts – von der Ankunft in der neuen Heimat bis zu seiner Geburt. Eindrücklich, anrührend und spannend ist sie, die Story des kauzigen und öfters umnachteten Eigenbrötlers. Dafür kann es nur 5 Sterne geben!
Tja, und dann gibt es eben den Gegenwartsstrang. Nele langweilt oder nervt abwechselnd mit Beziehungsproblemen, läutenden Handys und gelegentlicher Überreaktion in alltäglichen Situationen. Stellenweise sinkt die Erzählung dabei sogar auf Schulaufsatzniveau. Wie, um Himmels Willen, passt das denn zusammen?
Dennoch ist „Katzenberge“ insgesamt ein gutes Buch. Wem das Thema liegt, wird zufrieden sein.

Hier liest Sabrina Janesch übrigens ein paar Zeilen aus dem Buch (allerdings schon ziemlich weit hinten).


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hilfsverben von Rudolf Otto Wiemer August 12, 2010

Filed under: Gedichte — themaktima @ 4:26 pm
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ich würde sagen wir sollten
ich sollte meinen wir hätten
ich hätte gedacht wir könnten

ich könnte schwören wir möchten
ich möchte annehmen wir müßten
ich müßte glauben wir würden

ich würde sagen wir müßten
ich müßte meinen wir möchten
ich möchte glauben wir könnten
ich könnte schwören wir hätten
ich hätte gedacht wir sollten
ich sollte glauben wir würden

ich würde sagen wir dächten
ich dächte das wär’s
würde ich sagen


 

Tim Winton – Atem August 5, 2010

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:05 pm
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Eine Geschichte über Surfer? Eigentlich nicht mein Thema, aber das aktuelle Buch von Tim Winton musste es dann doch sein. Und obwohl es um’s Surfen geht und viel über Dünung und Wind und Wellen und Gischt geschrieben wird, ist dies doch nur der Rahmen für eine Geschichte über eine Freundschaft und über das Erwachsenwerden.

Der Roman spielt Ende der 60er Jahre / Anfang der 70er in Südaustralien, wo Bruce Pike, dessen Spitzname Pikelet (ein kleiner Pfannkuchen) ist und sein Freund Loonie ein paar Meilen von der Küste entfernt aufwachsen. Sie sind ungefähr 10 Jahre alt, als sie ihre Leidenschaft für das Wasser entdecken und ein Wettstreit beginnt, der im Laufe der Jahre zum Konkurrenzkampf wird. Sie wiedersetzen ich den Verboten ihrer Eltern und fahren immer wieder zum Surfen raus und sind gleichermaßen süchtig nach den Gefahren der immer größeren Wellen.

Ich hatte dieses Buch immer dabei, bin selbst eingetaucht in die Welt von Pike und Loonie, und habe es immer nur schweren Herzens aus der Hand gelegt. Wundervoll erzählt – volle Punktzahl!