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Wolfgang Herrndorf – tschick Januar 21, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 11:07 pm
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„Tschick“ hab ich vom Lesehuhn kikeriki – neben einer Krätze – zum Geburtstag bekommen. Das war lustig! Und das Buch selber ist es auf jeden Fall auch. Der 14-jährige Maik kommt aus reichem Elternhaus, aber eine glückliche Jugend kann er nicht vorweisen. Tschick ist russischer Migrant und kommt aus armem Elternhaus. Also so richtig auf der Erfolgsspur ist auch er nicht. Jedenfalls, die beiden Außenseiter freunden sich an und starten in ein Abenteuer der Landstraße im Osten der Republik! Und wir natürlich mittendrin im Geschehen. Der pubertäre Slang des kleinen Maik ist umwerfend – ich habe mich in der ersten Hälfte des Buches wirklich gekringelt. Irgendwann wird aus dem Slapstick dann auch ein etwas nachdenklicher Roman, der aber seinen Schwung nicht verliert.
Klar, die Story selbst ist jetzt nicht neu (fiel mir vor allem auf, weil ich vor nicht allzulanger Zeit „Die Geheimnisse von Pittsburgh“ von Michael Chabon gelesen habe). Aber das macht gar nichts. Wollt Ihr Spaß, dann holt Euch „Tschick“.


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Michael Chabon – Schurken der Landstrasse Juni 11, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 7:39 pm
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Wer Abenteuerromane nur deshalb nicht liest, weil er sich nicht durch 700 langatmige Seiten detaillierter Beschreibung unwichtiger Details und überflüssiger Dialoge quälen möchte, während die Story locker auf 176 Seiten gepasst hätte, sollte sich den neuen Roman von Michael Chabon näher ansehen. Denn auf genau diesen 176 Seiten erzählt Chabon eine romantische Geschichte über Mut, Treue und Freundschaft ohne Umschweife und mit erzählerischer Präzision. Weil das Ganze so dicht geschrieben ist, fällt die Lektüre aber manchmal gar nicht so leicht – ein wenig konzentrieren muss man sich schon. Sehr interessant übrigens auch das Setting im Kaukasus um das Jahr 950. Wer hat schonmal was vom Königtum der Chasaren gehört?

Der eigentliche Knaller bei diesem – übrigens wunderhübschen – Büchlein ist allerdings das Nachwort, in dem Chabon erörtert, warum das Buch nicht „Juden mit Schwertern“ heisst. Zum Piepen.


 

Reif Larsen – Die Karte meiner Träume Januar 30, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 10:57 pm
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Mit dieser Rezension tue ich mich wirklich schwer. Das Buch hat viele gute Kritiken, aber insbesondere viel positives Userfeedback auf z.B. amazon erhalten. Beim ersten Blättern in der Buchhandlung fand ich es aufgrund der liebevollen Gestaltung auf Anhieb sehr ansprechend. Es erinnerte mich sofort an „Das Haus“ von Mark Z. Danielewski, das ebenfalls formal sehr außergewöhnlich ist. Ja, ich wollte „Die Karte meiner Träume“ wirklich gut finden. Aber – ganz ähnlich wie bei „Das Haus“ – es ist mir nicht so recht gelungen.

Der zwölfjährige T.S. Spivet ist ein hochintelligenter, talentierter kleiner Forscher, der für seine grandiosen Illustrationen für Fachmagazine einen renommierten Wissenschaftspreis erhält – denn die Juroren wissen nicht, dass er noch ein Kind ist. Auf einer Farm in Montana lebend, mit einem Rancher als Vater, der seine Interessen nicht im Mindesten billigt, sieht er das von ihm ersehnte und nun greifbare Leben für die Wissenschaft in weite Ferne rücken. Er nimmt reißaus und macht sich allein auf den Weg nach Washington, um dort am Smithsonian Institute vor erwachsenen Wissenschaftlern den Preis entgegenzunehmen und eine Rede zu halten. Ein Reiseabenteuer beginnt.

Auf jeden Fall hat sich der junge Autor viel Mühe gegeben beim Arrangement seiner Geschichte, die immer wieder von am Rand eingefügten Erläuterungen, Gedanken und sehenswerten Skizzen durchbrochen wird. Nun empfand ich die Lektüre ebenfalls als etwas mühsam, zumal die Randbemerkungen wirklich sehr klein gedruckt sind. Mein Interesse an den vielen zusätzlichen Schnipseln erlahmte mit der Zeit. Der eine oder andere wird es bereits wissen: ich lese alle Bücher, die ich anfange, auch zu Ende. Das beinhaltet, daß ich auch alles, was in einem Buch steht, durchlese. Dabei hätte ich mir schon manchmal gewünscht, dass die Geschichte, die eh nicht so recht in Gang kommt, nicht auch noch ständig unterbrochen würde. Klar, ich hätte die Randbemerkungen auch ignorieren können, aber in diesem Fall wäre ich auch nicht zufrieden gewesen. Das Buch ist, was es ist. Ach ja, und eine Geschichte in der Geschichte gibt es auch noch.

Reif Larsen hat es jedenfalls hingekriegt, dass ich über jeden der mitwirkenden Charaktere und Nebenschauplätze gern mehr gelesen hätte – nur über seine eigentliche Geschichte und den naseweisen T.S. (der auch für einen derart begabten Jugendlichen viel zu reflektiert rüberkommt) nicht. Das ist natürlich blöd. Dabei hätte ich verdammt viel Sympathie für einen verkopften, kleinen Aussenseiter übrig gehabt. Keine Ahnung, wie Reif das verbocken konnte.

Naja, richtig schlecht ist das Buch nun auch nicht; die außergewöhnliche Form hat schon was. Schön geschrieben und klasse übersetzt ist es auch. Nur waren meine Erwartungen wohl einfach zu groß. Reif Larsen hat mit seinen Ideen einige Chancen zum Tiefgang gehabt, aber er bleibt leider oberflächlich. Und auch ein wenig unglaubwürdig. A propos unglaubwürdig: Der Praise von Stephen King auf dem Umschlag: „Ein grossartiges und komisches Buch, ich habe Tränen gelacht und geweint.“. Ich frage mich wirklich, was der Junge so einwirft, bevor er ein Buch liest.