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Colm Toibin – Brooklyn März 22, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 9:15 pm
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Colm Toibin - BrooklynJa, da ist es mal wieder passiert. Ich muss endlich einsehen: Ich bin ein Ignorant. Leider erkenne ich Poesie nicht mal dann, wenn man sie mir auf den Bauch bindet. Nehmen wir mal Brooklyn von Colm Toibin, einem mit Preisen dekorierten, mehrfach für den Booker Prize nominierten irischen Gegenwartsautor. Toibin schreibt in seinem Roman über das Emigrantenschicksal der jungen Eilis, einer Irin, die aufgrund der aussichtslosen wirtschaftlichen Lage ihres Heimatlandes zur Auswanderung nach Amerika gedrängt wird. Das macht er sensibel, einfühlsam und völlig schnörkellos. Mit atmosphärisch dichter, intensiver Erzählweise taucht er die Metropole New York in das Licht des Alltags und berührt den Leser damit außerordentlich.

NUR ICH hab es nicht gemerkt. Hab mir das Buch aber einfach nochmal vorgenommen und zum Glück dann doch noch geschnallt:

„Eilis nahm einen Hefter und begann damit, dass sie das Überstundenformular jedes Angestellten an dessen normalen Lohnzettel heftete. Dann sortierte sie alles alphabetisch. Als sie damit fertig war, ging sie jedes einzelne Überstundenformular durch und errechnete anhand der Liste mit den Überstundensätzen, die je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit und Grad der Verantwortlichkeit erheblich variierten, wieviel jedem Mann zustand, und addierte diesen Betrag zu seinem auf dem Lohnzettel ausgewiesenen regulären Lohn, so dass sie zuletzt für jeden Mann einen Gesamtbetrag hatte. Diesen trug sie in eine gesonderte Liste ein, die sie anschließend zusammenrechnen musste, um zu wissen, wieviel Geld erforderlich sein würde, um den Männern den ihnen zustehenden Lohn zu bezahlen. Die Arbeit war aufgrund der klaren Vorgaben unkompliziert, und sie nahm an, solange sie sich darauf konzentrierte, keine Fehler bei der Addition zu machen, und es im Tresor genügend kleine Banknoten und Münzen gab, wäre sie imstande, die Aufgabe zu bewältigen.“

Ist das nicht großartige Literatur? Leute, ich frage mich ernsthaft, wer von all denjenigen, die das Buch in den Himmel loben, mehr als den Klappentext gelesen haben. Der Roman ist – von Thema und Idee mal abgesehen – oberflächlich und mit äußerst simpler Sprache vorgetragen. „Brooklyn“ ist nicht poetisch, sondern banal und ziemlich öde. Wer sich also durch 300 Seiten langweilen will, sollte „Brooklyn“ auf jeden Fall kaufen.

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Kim Thuy – Der Klang der Fremde Januar 21, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 10:31 pm
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Ich interessiere mich für das frühere Indochina und seine Geschichte, und die Lesehühner haben auch schon Reisen nach Vietnam, Kambodscha und Laos unternommen. Auf dieses kleine, auch wirklich hübsch gefertigte Büchlein hatte ich mich sehr gefreut.
Und auf den ersten ca. 10 Seiten ist „Der Klang der Fremde“ umwerfend. Mit verstörenden und emotionalen Szenen der Flucht aus Vietnam beginnt Kim Thuy ihren Roman – das ist schon ganz große Kunst. Aber dann… ja, dann kommt eigentlich nichts mehr. Die Verve ist perdü, das Ende eines jeden (in der Regel nur wenige Sätze langen) Kapitels dient nur noch als Stichwortgeber für das nächste, und so wird das Ganze zu einer beliebigen Aneinanderreihung von Erinnerungsfragmenten. Ich habe Mitgefühl und größten Respekt für die Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und in einer völlig fremden Welt das Leben neu erlernen müssen. Aber die Bedeutung, die solche Erinnerungen für die Autorin mit Sicherheit haben und auch für uns haben können, hat in diesem Buch keine Form gefunden. Meine Distanz zum Text wuchs vielmehr mit jeder Seite. Schade.