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Reise zu Lena – Alfred Neven duMont Juli 28, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 1:58 pm

Alberts Welt ist zerbrochen, als seine geliebte Tochter Glorie viel zu früh stirbt. Seine Frau und er haben ihre Verbindung zueinander verloren und auch seine flehentlichen Worte zu Gott verhallen.
cover reise zu lena_
Seit zwei Jahren lebt der ehemals erfolgreiche Geschäftsmann nun in Depressionen und Schuldgefühlen, als er von Christie, der besten Freundin seiner Tochter besucht wird, die damals bei Glories Tod dabei war. Sie erzählt von Ihrer Freundschaft zu Glorie und nimmt Albert mit in diese Vergangenheit. Albert stellt sich nun endlich den Geschehnissen und beginnt den Prozess der Verarbeitung.

Ein schwermütiges Thema, wundervoll erzählt. Absolute Empfehlung.

 

Martin Walker „Bruno Chef de police“ Juli 27, 2009

Filed under: Krimis,Romane — kikeriki @ 2:11 pm
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Nun ja. Wenn eine Buchkritik mit diesen zwei Wörtern beginnt, kann man sich den Rest eigentlich denken.

Der Roman/Krimi spielt in der Gegend Périgord. Bruno, der ortsansässige Polizist, der normalerweis in dem kleinen französischen Ort  die Marktverkäufer vor den EU-Kontrolleuren schützt, wird mit einem Mordfall konfrontiert. Beschauliches Landleben, marokkanische Einwanderer, eine frisch entfachende Liebe, all das liest sich nett runter.

Der in einigen Gazetten gelobte Roman hat mich immerhin neugierig auf Périgord und seine regionalen Köstlichkeiten (Vin des Noix, Trüffel…) gemacht. Wem das als Aussicht reicht, kann „Bruno Chef de Police“ gerne lesen, den anderen sei empfohlen, eine andere Lektüre zu wählen.

 

Sadie Jones – Der Außenseiter Juli 13, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 1:06 pm
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England in der Nachkriegszeit: Lewis ist sechs Jahre alt, als er seine innig geliebte Mutter bei einem tragischen Unfall verliert – und damit auch seinen Rückhalt im Leben und das Gefühl, geliebt zu werden. Sein Vater Gilbert, im zweiten Weltkrieg vermutlich selbst traumatisiert, verhält sich distanziert und erwartet von Lewis, dass er mit Disziplin über den Tod der Mutter hinwegkommt.
Doch Lewis ist anders: er ist still, verschlossen und reagiert oft aggressiv und niemand in seiner Umgebung hat Verständnis für dieses Verhalten. Als sich schon bald eine Stiefmutter für Lewis findet hat zwar sein Vater rein äußerlich wieder ein Leben in Normalität hergestellt, doch die Fassade täuscht: Der Alkohol bestimmt bald weite Teile des Familienlebens.

Und so flüchtet sich Lewis als Jugendlicher nach London, in Jazzclubs und in den Alkohol und macht erste sexuelle Erfahrungen. Sein Schmerz mündet aber immer wieder in Aggression und Zerstörungswut und bald hat die Gemeinde einen guten Grund, ihn zu verurteilen.

Außenseiter
Was hier beschrieben wird spielt zwar im England der Fünfzigerjahre, doch man sollte nicht versucht sein, das vorurteilsbehaftete Verhalten einer Gesellschaft mit dieser spießigen Ära zu erklären. Menschen, die sich nicht adäquat verhalten werden bis heute sehr schnell als Außenseiter identifiziert und bekommen wenige Chancen zur Rehabilitation.

 

Andrea M. Schenkel – Kalteis Juli 12, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 7:23 pm

KalteisDas Buch polarisiert, soviel steht fest; man schaue sich zur Illustration einfach mal die Rezensionen auf Amazon an. Ich fand „Tannöd“ von der gleichen Autorin überragend, und auch „Kalteis“ hat mir sehr gut gefallen. Das Buch IST spannend – auch wenn es mit der Verurteilung von Josef Kalteis beginnt. Denn die Identität von Kalteis ist für den Leser nicht jederzeit völlig klar. Dass das Buch auf einem wahren Kriminalfall beruht, macht es umso unheimlicher. Ist aber nichts für schwache Nerven, da es schon einige detaillierte, grausame Beschreibungen enthält. „Kalteis“ hat den Deutschen Krimipreis 2008 gewonnen, genau wie „Tannöd“ im Jahr zuvor. Den hat allerdings auch „Kinder des Todes“ von Ian Rankin erhalten; und das war für mich eins der langatmigsten und gekünsteltsten Bücher seit langem. Überzeugt Euch am besten selbst, „Kalteis“ ist klasse.

 

Das fünfte Kind von Doris Lessing Juli 5, 2009

Filed under: Romane — kikeriki @ 9:06 am
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das fünfte kind_David und Harriet lernen sich in den wilden 60er Jahren in England kennen und wissen sofort: Sie gehören zusammen, wollen heiraten und viele gemeinsame Kinder haben. Trotz geselleschaftlichen Druck setzen sie diesen Plan um, kaufen ein großes Haus und gründen eine Familie. In den ersten Jahren scheint das Glück perfekt –  ihr großes Haus ist Anziehungspunkt für  Freunde und Familie. Das 5. Kind von David und Harriet zerstört diese Idylle für immer- Ben, das 5. Kind, ist in jeder Hinsicht anders, seltsam und fremd.

Doris Lessing beschreibt, wie schwer es unserer Gesellschaft fällt Menschen, die anders sind und  nicht in die Norm passen, anzunehmen.

„Das fünfte Kind“ ist absolut empfehlenswert – ausser vielleicht für Schwangere – denen könnte bei den Beschreibungen des seltsamen Kindes angst und bange werden.

 

Lieve Joris – Die Stunde der Rebellen Juli 3, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 10:30 am

Lieve Joris ist Journalistin und hat sich lange Zeit im Kongo aufgehalten. Dort gelang es ihr, Bekanntschaft (vielleicht Freundschaft?) mit einem Tutsi-Rebellen zu schliessen und den Kontakt aufrecht zu erhalten. In „Die Stunde der Rebellen“ schildert sie dessen Aufstieg vom Kuhhirten, der im Hochland zwischen Ruanda und dem Kongo aufwächst, zum Rebellenführer in der Zeit zwischen 1993 und 2004. Es ist also eine Art biographischer Roman, der von der Kritik sehr positiv aufgenommen

Die Stunde der Rebellen - Lieve Joris

wurde. Leider kann ich die Euphorie nicht nachvollziehen. Sicher ist das alles authentisch, und die Fakten, die Joris liefert, tragen zum Verständnis, oder vielmehr überhaupt erstmal zum Wahrnehmen der ununterbrochen schwelenden Konflikte dieser Region bei. Nur ist das alles unverdaulich präsentiert. Der Erzählstil hat mich sehr an die Bücher von Peter Scholl-Latour erinnert. Wer sich in der Geschichte des Kongo nicht gut auskennt, verliert schnell den Faden – da helfen auch die Einführung und die beiden Seiten „Historischer Hintergrund“, die bezeichnenderweise hinten im Buch versteckt sind, nicht wirklich. Warum können Journalisten nicht einfach mal an den Leser denken, wenn sie ein Buch schreiben? Das soll kein Pauschalurteil sein, ich finde solche vergebenen Chancen nur sehr schade. Claus Kleber hat das in „Amerikas Kreuzzüge“ ja auch geschafft.