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Der Process September 22, 2008

Filed under: Erzählung,Romane — themaktima @ 2:45 pm

Die meisten sind sicher irgendwann in der Schule mal mit Franz Kafka in Berührung gekommen. Vielleicht ging es Euch da auch wie mir: Ich war durchaus fasziniert von Kafkas Erzählungen, wurde aber durch das Lesenmüssen von weiteren Entdeckungsreisen in seine morbide Welt abgehalten und kam so über die Lektüre von „Die Verwandlung“, „In der Strafkolonie“ und „Ein Bericht für eine Akademie“ nicht hinaus.

Nun habe ich kürzlich im Deutschlandfunk einen Beitrag über die unterschiedlichen Ausgaben des Werkes von Kafka gehört – ich wusste z.B. nicht, dass es keine einhellige Meinung darüber gibt, wie und in welcher Reihenfolge seine Manuskripte zu lesen sind. Also habe ich mir „Der Process“ bestellt (Wikipedia hierzu: „Niederschrift 1914/15; abweichend von Kafkas Schreibweise für das Romanfragment werden Der Prozess, Der Prozeß oder Der Proceß verwendet“).

Ich werde hier nun natürlich keine Rezension zu „Der Process“ schreiben; vielmehr möchte ich sagen, dass das Buch ein echter Pageturner ist und ein Beleg dafür, dass „… seine Texte offen und hermetisch zugleich sind, d. h., dass sie einerseits leicht und andererseits schwer zugänglich sind: leicht durch Sprache, Handlung, Bildhaftigkeit und relativ geringen Umfang; schwer dadurch, dass man die Tiefe zwar fühlt, aber kaum auszuloten und einzelne Schichten nur bruchstückhaft zu beschreiben vermag.“ (Wikipedia).

Also wenn Ihr gerade nichts anderes zu lesen habt, lest doch ein Werk von Franz Kafka und freut Euch darüber, dass Kafkas Mentor Max Brod nicht dessen letztem Willen, alle unveröffentlichten Werke zu vernichten, gefolgt ist.

Weitere Infos zu Franz Kafka und Max Brod auf Wikipedia, ausserdem eine interessante Website der Uni Bonn.

 

Martin Kluger: Der Vogel, der spazieren ging September 21, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 7:00 pm
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Suuuper Buch. Ein Geschenk des anderen Lesehuhns zu meinem 40sten Geburtstag und ein Volltreffer.

Samuel, verkannter Schriftsteller und Übersetzer, lebt ein einsames Leben im Paris der Siebziger Jahre. Er lebt von seiner Frau getrennt und hat seine Tochter nicht aufwachsen sehen, die mittlerweile Teenager ist und eine Weile bei ihm wohnen will.
Sehr kompliziert (oder einfach schlecht) ist Samuels Beziehung zu seinem sehr erfolgreichen Vater. Dieser hatte ihn bei seiner Flucht vor den Nazis in die USA mitgenommen und seine Wurzeln zur alten Welt gekappt und verleugnet.

Samuel hat auf drei Kontinenten gelebt und spricht viele Sprachen – doch so kosmopolitisch er ist, so verloren wirkt er. Erst als sich seine hartnäckige Tochter auf die Suche nach ihrer familiären Identität macht erfährt Samuel etwas über seine eigene Geschichte.

 

Judith Kuckart – Die Verdächtige September 16, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 5:16 pm
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Der Polizist Robert – gut aussehend, Ende 30, von seiner Frau verlassen, melancholischer Bob Dylan Fan – muss einer Vermisstenmeldung nachgehen. Die geheimnisvolle Marga meldet ihren Freund auf Roberts Revier als vermisst: in der Geisterbahn spurlos verschwunden.
Krimi und Liebesgeschichte bahnen sich an und entwickeln sich und es dämmert schnell, dass Marga in beidem eine Rolle spielt – leider kommt dabei weder ein Krimi noch eine Love Story raus.
Hatte mir etwas mehr davon versprochen, jedoch: die Geschichte ist toll erzählt, habe sie gerne langsam gelesen und vergebe das Prädikat „lesenswert“.

 

Klüpfel, Kobr: Erntedank – Kluftis zweiter Fall September 3, 2008

Filed under: Krimis — kikeriki @ 4:27 pm
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Ja, ich konnte nach „Milchgeld“ nicht anders: Kluftingers zweiter Fall musste her. Ich finde Erntedank allerdings nicht so gelungen wie den ersten „Klufti“ und kann ihn von daher nur eingeschränkt empfehlen. Der Fall ist holprig. Die Auflösung des Falls gar verwunderlich.

 

Michael Köhlmeier – Abendland September 2, 2008

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:10 pm
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Zwei Familiengeschichten, durch Freundschaft eng miteinander verknüpft, werden erzählt.
Im Mittelpunkt stehen der 95-jähriger Mathematiker Carl, der im Sterbebett sein Leben erzählt und der 55-jährige Sebastian, der befreundete Schriftsteller, der die Lebensgeschichte aufnimmt, in der er selbst eine nicht unwesentliche Rolle spielte.
Zahlreiche Geschichtliche Ereignisse und ein Stück moderne Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts werden entlang Carls Rückblick präsent und zum Leben erweckt; Persönlichkeiten wie Edith Stein oder Emmy Noether bekommen kleine Nebenrollen in diesem Roman.

Ein dickes Buch. Besonders gelungen sind die Beschreibungen der partnerschaftlichen Beziehungen. Aber: Was an Details und Begebenheiten zu Beginn noch sehr viel Spaß macht zu lesen wurde mir irgendwann sehr mühsam.

Wer gerne moderne Generationenromane liest sollte allerdings Lipshitz von T Cooper nicht auslassen. Das machte deutlich mehr Freude zu lesen und am Ende schliesst man sogar Eminem noch in sein Herz!