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Gary Shteyngart – Super sad true love story September 26, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:43 pm
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Amerika in naher Zukunft: Eine totalitäre Regierung hält den Staat nur noch mit Waffengewalt und Überwachung zusammen, der Dollar ist an den Yuan gekoppelt. Der Mensch ist gläsern, kleine Geräte übertragen ständig persönliche Daten wie Cholesterinwerte und Kontostand und setzen diese Werte in ein Ranking um. Die Gesellschaft ist pornografisiert und konsumorientiert, es wird nicht mehr gelesen, nur noch gekauft, gescannt, gestreamt und getextet. Um korrekte Rechtschreibung schert sich dabei längst keiner mehr.
In dieser traurigen Welt lebt Lenny Abramov, Sohn russisch-jüdischer Einwanderer. Er arbeitet für ein Unternehmen, das Verjüngung und ewiges Leben verspricht, gehört mit 39 Jahren aber schon zum alten Eisen und auch seine Liebe zu gedruckten Büchern signalisiert seiner Umwelt, dass er ein Artefakt einer früheren Zeit ist. Als sich Lenny in die schöne, junge, unreife komplizierte Eunice Park verliebt spürt er zwar wieder das pralle Leben, aber die Probleme serden nicht weniger.

Gary Shteyngart skizziert eine Zukunft, über die wir mit einem Schmunzeln lesen, die aber bei genauerer Betrachtung auch im Bereich des Möglichen liegt. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zeichnet er dabei sehr gut; die sogenannte love story bleibt für mein Dafürhalten eher schwach.

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Edward P. Jones – Die bekannte Welt Juni 1, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 1:16 pm
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Henry Townsend lebt in den USA und ist schwarz – eigentlich nicht die besten Voraussetzungen für ein ruhiges Leben, denn wir befinden uns in der Vorphase des amerikanischen Bürgerkriegs. Doch Henry ist nicht wie die meisten anderen Schwarzen Eigentum eines weißen Sklavenhalters: Er ist frei und besitzt selbst eine Plantage nebst Sklavensiedlung. Auf diesem  Fundament errichtet Jones ein komplexes erzählerisches Gebäude, in dem Herren und Sklaven in allen denkbaren Konstellationen ein und aus gehen.

Jones_Die_bekannte_WeltGebannt habe ich die oft tragischen Einzel- und Familienschicksale der schwarzen und weißen Südstaatenbewohner verfolgt. Der Einstieg fällt zwar nicht ganz leicht, denn die Story ist nichtlinear erzählt und zahlreiche Personen betreten die historische Bühne (so dass es sich lohnt, ab und zu im Personenverzeichnis hinten im Buch nachzuschlagen). Ich habe mich jedoch schnell daran gewöhnt und wurde mit einem faszinierenden und bewegenden Roman belohnt, der eine ungewöhnliche Perspektive auf die Sklaverei in den USA zwischen 1840 und 1860 vermittelt. Das Buch wurde 2004 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Für mich nach „Alles umsonst“ das zweite echte Highlight dieses Lesejahres.