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Colin Cotterill – Dr. Siri und seine Toten Januar 11, 2012

Filed under: Krimis — hilpirella @ 10:40 pm
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Vientiane 1976: Dr. Siri ist Anfang Siebzig und sehnt sich nach seinem Ruhestand, doch stattdessen wird er von der neuen kommunistischen Regierung zum Pathologen „befördert“. Er eignet sich dieses ihm fremde Fach mit Hilfe völlig veralteter französicher Lehrbücher an und macht seine Arbeit so genau und gewissenhaft er kann … zum Ärger seiner Vorgesetzten, die wohl darauf spekulierten, der alte Herr würde der Einfachheit halber häufig die Todesursache „Herzinfarkt“ feststellen.

Das Buch beginnt auch mit gleich mit vielen Leichen (die keineswegs eines natürlichen Todes gestorben sind) und Dr Siri begibt sich zusammen mit seinen beiden Assistenten auf Spurensuche.

Dieses Buch hat Charme: Ein Krimi, der in Laos spielt ist schon aussergewöhnlich. Die Kultur (Dr. Siri begegnen Geister und daran ist nichts ungewöhnliches) und die Geschichte des Landes werden dabei beleuchtet. Dr Siri selbst ist natürlich ein liebenswerter, eigenwilliger Mensch, der den neuen Machthabern kritisch gegenübersteht, auch wenn er selbst während der Revolution auf kommunistischer Seite gekämpft hat.

Ich habe mich leider mit der manchmal etwas zu saloppen Sprache schwergetan und frage mich, ob das authentisch ist oder eine Note des Übersetzers. Wie dem auch sei: Bini sei Dank liegt der nächste Krimi aus dieser Reihe schon auf dem Lesestapel und wird verschlungen werden.

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Verbrechen von Ferdinand von Schirach Oktober 19, 2009

Filed under: Sachbuch — kikeriki @ 8:53 am
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verbrechenÜber diesen Kurzgeschichtenband ist in den letzten Monaten viel Positives berichtet worden.

Schirach schreibt so souverän, klar und einfach, als hätte er nie etwas anderes gemacht […] er ist ein großartiger Erzähler‘ DER SPIEGEL

Ein wunderbares Debüt, fesselnd von der ersten Seite an und ohne jeden falschen Ton.‘ FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG

Zu recht.

Ferdinand von Schirach ist von Beruf Anwalt. Mit einer knappen, klaren Sprache beschreibt er Fälle seiner Laufbahn. Dabei entstehen schnörkellose Psychogramme der Täter und Geschichten die, trotz ihrer Sachlichkeit, zum Teil schon fast erfunden wirken. Er verzichtet dabei auf langatmige Prozessbeschreibungen und Darstellungen, wie er die Angeklagten verteidigt hat.

Da sind ein Arzt, der mit über 70 Jahren die Frau, mit der ein Leben lang verheiratet war und die ihn ebenso lange gequält hat, mit der Axt zerteilt, eine Schwester, die ihren Bruder umbringt, ein Schafe mordernder Jugendlicher, der überall Zahlen sieht oder ein Student der aus Liebe seine Freundin auffressen möchte.

„Verbrechen“ versucht zu erklären: Jedes Verbrechen steht in einem kausalen Zusammenhang – hinter jedem Verbrechen steht die Geschichte eines Menschen, anhand der die Schuldfrage zu messen ist.

Nicht alle elf Geschichten haben mich gleichermaßen begeistert – das mag aber auch etwas sehr persönliches sein und muss nicht zwingend mit der Qualität der Geschichten zu tun haben.

Lesen und staunen.

 

Michael Chabon – Die Vereinigung jiddischer Polizisten Oktober 18, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 3:29 pm
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Hier kommt ein Kriminalroman! „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ möchte ich allen Krimifans ans Herz legen, aber auch denjenigen, die sich normalerweise nicht so sehr für Krimis interessieren, und zuguterletzt der Mehrzahl der derzeit angesagten Krimiautoren – so können die nämlich erfahren, dass es durchaus gelingen kann, von dem Einheitsbrei runterzukommen, der in den letzten Jahren so publiziert wird.
Denn Chabon schreibt kurzerhand die Weltgeschichte um und erschafft so das Spannungsfeld, in dem sich ein intelligenter Kriminalfall – gewürzt mit einer gehörigen Prise Politik – entspinnen kann. Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Juden durch Krieg aus ihrem gerade gegründeten Staat Israel vertrieben und in einer Exklave an der Küste Alaskas versammelt, wo sie im Dauerkonflikt mit den indianischen Ureinwohnern und unter Beobachtung der einzigen Weltmacht USA leben. Der Distrikt Sitka, in dem der Roman spielt, soll 2007 jedoch im Zuge der sogenannten „Reversion“ wieder Teil der Vereinigten Staaten werden; den Juden droht erneut die Zerstreuung über die bewohnte Welt.

Da geschieht ein Mord, dessen Brisanz sich im Laufe der Geschichte herausstellen wird: Im heruntergekommenen Hotel Zamenhof, dem temporären Wohnsitz des ebenso heruntergekommenen, rauchenden, saufenden und geschiedenen Kriminalbeamten Meyer Landsman (der bleibt übrigens den ganzen Roman durch so kantig), wird ein Junkie erschossen aufgefunden. Neben dem Bett eine unvollendete Schachpartie: Unspektakulärer Beginn einer spektakulären Geschichte.

Neben der irrwitzigen Story besticht Chabons Wortwitz; der Mann ist ein echtes Sprachtalent. Und die Übersetzung von Andrea Fischer schafft es ganz offensichtlich, den originellen Stil zu erhalten. Eigentlich möchte man sich spätestens alle drei Seiten ein Zitat herausschreiben.
Vielleicht hat das Buch ein paar Seiten zu viel; und es ist auch keine ganz einfache Lektüre, nicht unbedingt ein Pageturner. Aber wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird mit einem hervorragenden Krimi der anderen Art belohnt.


 

Juli Zeh – Schilf Oktober 4, 2009

Filed under: Romane — hilpirella @ 4:31 pm
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schilf Um es gleich vorweg zu nehmen: ein faszinierendes, spannend komponiertes Buch mit einem zügigenTempo, das irgendwo zwischen Roman und Krimi einzuordnen ist. Es gibt zwei Fälle zu lösen, doch die Kripo erscheint erst etwa zur Hälfte des Buches. Das ist schonmal sehr wohltuend, wo sich doch so viele Krimis nur noch um den Kommissar und dessen Persönlichkeit und kaum noch um das Geschehene drehen.

Schilf ist eine aussergewöhnliche Geschichte, die im Umfeld der Quantenphysik spielt. Zwei Freunde, die unterschiedliche Theorien vertreten und unterschiedliche Leben leben: Sebastian Oskar ist immer noch Single und forscht am Cern in Genf, Sebastian ist Professor und lebt mit seiner Familie im beschaulichen Freiburg. Ein Telefonanruf ändert sein Leben in nur einem Moment und reißt ihn aus der Idylle.

Dieses Buch konnte ich nur schwer aus der Hand legen – und lege es jedem ans Herz, der es noch nicht kennt.

 

Martin Walker „Bruno Chef de police“ Juli 27, 2009

Filed under: Krimis,Romane — kikeriki @ 2:11 pm
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bruno_

Nun ja. Wenn eine Buchkritik mit diesen zwei Wörtern beginnt, kann man sich den Rest eigentlich denken.

Der Roman/Krimi spielt in der Gegend Périgord. Bruno, der ortsansässige Polizist, der normalerweis in dem kleinen französischen Ort  die Marktverkäufer vor den EU-Kontrolleuren schützt, wird mit einem Mordfall konfrontiert. Beschauliches Landleben, marokkanische Einwanderer, eine frisch entfachende Liebe, all das liest sich nett runter.

Der in einigen Gazetten gelobte Roman hat mich immerhin neugierig auf Périgord und seine regionalen Köstlichkeiten (Vin des Noix, Trüffel…) gemacht. Wem das als Aussicht reicht, kann „Bruno Chef de Police“ gerne lesen, den anderen sei empfohlen, eine andere Lektüre zu wählen.

 

Klüpfel, Kobr: Erntedank – Kluftis zweiter Fall September 3, 2008

Filed under: Krimis — kikeriki @ 4:27 pm
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Ja, ich konnte nach „Milchgeld“ nicht anders: Kluftingers zweiter Fall musste her. Ich finde Erntedank allerdings nicht so gelungen wie den ersten „Klufti“ und kann ihn von daher nur eingeschränkt empfehlen. Der Fall ist holprig. Die Auflösung des Falls gar verwunderlich.

 

Hakan Nesser: Sein letzter Fall August 30, 2008

Filed under: Krimis — kikeriki @ 10:13 pm
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Ich finde Kommissar Van Veetereen klasse – und Schweden sowieso, seit dem ich dieses Jahr zum ersten Mal in Stockholm war. Auch sein letzter Fall ist spannend und undurchsichtig. Ein guter Krimi.