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Cay Rademacher – Der Schieber März 13, 2013

Filed under: Geschichte,Krimis — themaktima @ 11:17 pm
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Der Schieber - Cay RademacherDer Kriminalroman „Der Schieber“ spielt im Hamburg von 1947. Ein 14jähriger Junge wird erstochen auf einem Blindgänger in einer Werft gefunden. Kommissar Stave ermittelt…

Tatsächlich bin ich noch gar nicht durch und weiss auch noch nicht, wer den Mord begangen hat. Trotzdem, besser gesagt, gerade deshalb schreibe ich schon eine dicke Leseempfehlung ins Lesehuhn. Denn Cay Rademacher erweckt sein Szenario mit höchster Glaubwürdigkeit zum Leben: Die eindrückliche und oftmals bedrückende Darstellung des mühseligen täglichen Lebenskampfes der handelnden Personen – egal, ob Arbeiter, Besatzer, Kind oder Kommissar – im Nachkriegshamburg drängt den eigentlichen Kriminalfall in den Hintergrund. Das empfinde ich allerdings überhaupt nicht als Makel – es reicht mir, einfach nur immer weiterzulesen.

Ich werde mir jedenfalls den Vorgänger „Der Trümmermörder“ direkt kaufen, nachdem ich weiss, wer den Jungen ermordet hat. Übrigens: Cay Rademacher ist Chefredakteur von GEO Epoche, das erklärt sicher, warum das geschichtliche Setting so fundiert erscheint.

Nachtrag: Am Ende nimmt der Fall dann doch noch Fahrt auf. Ein tolles Stück Kriminalliteratur.

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Philip Roth – Nemesis April 24, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 7:53 pm
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Nemesis - Philip RothZu diesem Roman muss ich nicht viel schreiben. Er handelt vom jungen Sportlehrer Bucky Cantor, der während des heißen Sommers 1944 im jüdisch geprägten Newark regelmäßig die Nachmittagsaufsicht über einen Haufen sportbegeisterter Jugendlicher übernimmt, als eine schwere Polioepidemie ausbricht (genau, es handelt sich um Kinderlähmung). Diese außergewöhnliche Geschichte über echtes, falsches, irrtümliches oder sinnloses Heldentum und Gott ist ein Meisterwerk – und das kommt mir nicht nur so vor, weil ich mich vorher durch „Brooklyn“ gequält habe. Obwohl bei diesem unfairen Vergleich allzu deutlich wird, warum Roth tatsächlich ein großartiger Erzähler ist, und Toibin schlicht überschätzt. Nur so als Beispiel: Das Lesehuhn Hilpirella und ich haben bei „Nemesis“ genau an der gleichen Stelle an den Anfang zurückgeblättert (bei „Brooklyn“ sind wir wahrscheinlich an der gleichen Stelle eingepennt).
Also lest einfach dieses Buch, viele bessere wird es dieses Jahr nicht geben!

 

Walter Kempowski – Alles umsonst Mai 16, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 6:55 pm
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Ostpreußen Ende des 2. Weltkriegs: Die Front löst sich auf, die Rote Armee ist auf dem unaufhaltsamen Vormarsch. Doch sogar im Niedergang ist die Macht der Propaganda der Nazis ungebrochen. So kommt es, dass man sich auf dem Landgut Georgenhof über den Ernst der Lage nicht im Klaren ist – obwohl immer mehr Besucher auf dem Weg nach Westen auf dem Hof haltmachen.Kempowski_Alles_umsonst

„Alles umsonst“ ist ein Roman über das Ende des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Und es ist eine Familientragödie, deren Ursprung schon Jahre zurückliegt und die nun mit leisen Andeutungen zutagegefördert wird.

Kempowskis Roman beginnt lebendig, um dann gegen Ende eine fast überwältigende Wucht zu entwickeln. Nicht zuletzt durch seinen dokumentarischen Charakter ist „Alles umsonst“ ein mitreißendes und erschütterndes Buch.