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Jean-Louis Fournier – Wo fahren wir hin, Papa? Februar 26, 2010

Filed under: Memoiren — hilpirella @ 10:13 pm

Jean-Louis Fournier hat zwei geistig behinderte Söhne und schreibt in diesem schmalen Buch über seinen Schwierigkeiten, diese Kinder zu lieben, über seine Schuldgefühle, über seine Enttäuschungen, mit seinen Söhnen nie ganz normale Dinge machen zu können oder auf sie stolz zu sein.

Mit viel schwarzem Humor, Sarkasmus, Zärtlichkeit und einer gnadenlosen Ehrlichkeit nehmen wir Einblick in die Gedankenswelt eines Vaters von zwei Kindern, die immer anders sein werden und die das Vatersein auf die Probe stellen.

Mir ist dieses Buch sehr unter die Haut gegangen und kann es nur weiterempfehlen!

 

Zadie Smith (Hrsg) – Das Buch der anderen Februar 6, 2010

Filed under: Kurzgeschichten — hilpirella @ 2:17 pm

Wenn Zadie Smith schon keinen neuen Roman veröffentlich, dann lese ich eben ihre Kurzgeschichtensammlung. Für das Charityprojekt 826 New York hat sie namhafte zeitgenössische englische und amerikanische Autoren um einen Beitrag für dieses Buch und um den Verzicht auf deren Honorar gebeten. Einzige inhaltliche Vorgabe war: „Erfindet jemanden“. Und so haben wir Zadie Smith überraschende, kluge, unterhaltende Kurzgeschichten von namhaften Schriftstellern wie Miranda July, Dave Eggers, Colm Tóibín, Jonathan Safran Foer (und einige von denen ich noch nie gehört hatte) zu verdanken.

 

Nick Cave – Der Tod des Bunny Munro Februar 3, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 1:52 pm

Wow! Ein Buch, das derart polarisiert, hab ich schon lange nicht mehr in der Hand gehalten (nein, ich habe „Feuchtgebiete“ nicht gelesen). Die Anlehnung des Titels an den „Tod eines Handlungsreisenden“ ist nicht zufällig: Wir staunen über die Geschichte von Bunny Munro, einem sexbesessenen Kosmetikvertreter, und dessen Sohn Bunny Jr.. Eine Vater-Sohn-Geschichte also, die unter der wüsten Sprache und dem (sehr) sexistischen Grundton viel Tiefgang verbirgt. Wer das Buch aufgrund seiner Derbheit beiseitelegt, verpasst wirklich was. Man sollte sich einfach nur bewußt machen, dass es sich hier nicht um Pornografie, sondern um Kunst handelt. Im Ernst, Nick Cave ist hier eine tolle Novelle geglückt, in der Bunny, dieses Riesenarschloch, die komplette Bandbreite an Emotionen, die einem Leser zur Verfügung stehen, abruft und ihn prächtig – nicht zuletzt mit einer gehörigen Prise schrägen Humors – unterhält.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Buch an einem Stück durchgelesen habe – ich habe es praktisch nicht aus der Hand gelegt, weder im Sitzen, noch im Stehen oder Gehen. Und wer das zuungunsten meiner Persönlichkeitsstruktur auslegt, sollte auf jeden Fall ein anderes Blog lesen!

Ach ja, das Cover ist auch jetzt schon ein klarer Anwärter für das Cover des Jahres, drum hab ich es auch eigens abgelichtet. Hier noch ein kleiner Appetizer: Nick Cave liest aus dem Kapitel 3 (Anmerkung: „the Punto“ ist Bunnys Auto).