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Said Sayrafiezadeh – Eis essen mit Che Januar 24, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:31 pm
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Said ist das dritte Kind einer jüdischen Amerikanerin und eines Iraners, die sich beide mit Leib und Seele dem Sozialismus verschrieben haben. Schon bald verlässt sein Vater die Familie und mit ihm die beiden älteren Geschwister – Said wächst bei seiner Mutter in armen Verhältnissen auf und muss sehr früh den Verzicht lernen. Oft ist dieser Verzicht nur aus Idealen heraus geboren, zum Bsp. darf er jahrelang keine Weintrauben essen, weil seine Mutter die Ausbeutung der Weintraubenbauern nicht unterstützen will. Der schmerzlichere Verzicht ist aber der Verzicht auf Emotionalität und eine Beziehung zu seinem Vater. Seine Mutter investiert mehr Zeit in die Partei denn in ein Familienleben und sein Vater schickt ihm zum Geburtstag statt eines persönlichen Briefes auch einfach mal einen sozialistischen Flyer oder sagt Treffen kurzfristig ab, weil er für den Sozialismus kämpfen muss.
Said beschreibt seine Lebensgeschichte und seine Sehnsucht mit viel Offenheit, allerdings ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. Vielleicht hab ich mich aber auch von Titel und Cover irre leiten lassen und meine leichte Enttäuschung liegt darin begründet, dass ich ein insgesamt lustigeres Buch erwartet hatte.

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Wolfgang Herrndorf – tschick Januar 21, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 11:07 pm
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„Tschick“ hab ich vom Lesehuhn kikeriki – neben einer Krätze – zum Geburtstag bekommen. Das war lustig! Und das Buch selber ist es auf jeden Fall auch. Der 14-jährige Maik kommt aus reichem Elternhaus, aber eine glückliche Jugend kann er nicht vorweisen. Tschick ist russischer Migrant und kommt aus armem Elternhaus. Also so richtig auf der Erfolgsspur ist auch er nicht. Jedenfalls, die beiden Außenseiter freunden sich an und starten in ein Abenteuer der Landstraße im Osten der Republik! Und wir natürlich mittendrin im Geschehen. Der pubertäre Slang des kleinen Maik ist umwerfend – ich habe mich in der ersten Hälfte des Buches wirklich gekringelt. Irgendwann wird aus dem Slapstick dann auch ein etwas nachdenklicher Roman, der aber seinen Schwung nicht verliert.
Klar, die Story selbst ist jetzt nicht neu (fiel mir vor allem auf, weil ich vor nicht allzulanger Zeit „Die Geheimnisse von Pittsburgh“ von Michael Chabon gelesen habe). Aber das macht gar nichts. Wollt Ihr Spaß, dann holt Euch „Tschick“.


 

Kim Thuy – Der Klang der Fremde

Filed under: Romane — themaktima @ 10:31 pm
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Ich interessiere mich für das frühere Indochina und seine Geschichte, und die Lesehühner haben auch schon Reisen nach Vietnam, Kambodscha und Laos unternommen. Auf dieses kleine, auch wirklich hübsch gefertigte Büchlein hatte ich mich sehr gefreut.
Und auf den ersten ca. 10 Seiten ist „Der Klang der Fremde“ umwerfend. Mit verstörenden und emotionalen Szenen der Flucht aus Vietnam beginnt Kim Thuy ihren Roman – das ist schon ganz große Kunst. Aber dann… ja, dann kommt eigentlich nichts mehr. Die Verve ist perdü, das Ende eines jeden (in der Regel nur wenige Sätze langen) Kapitels dient nur noch als Stichwortgeber für das nächste, und so wird das Ganze zu einer beliebigen Aneinanderreihung von Erinnerungsfragmenten. Ich habe Mitgefühl und größten Respekt für die Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und in einer völlig fremden Welt das Leben neu erlernen müssen. Aber die Bedeutung, die solche Erinnerungen für die Autorin mit Sicherheit haben und auch für uns haben können, hat in diesem Buch keine Form gefunden. Meine Distanz zum Text wuchs vielmehr mit jeder Seite. Schade.


 

Hansjörg Schertenleib – Cowboysommer Januar 6, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:52 pm
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Zürich 1974: Hanspeter und Boyroth sind 17 als sie sich beim Fussballtraining kennenlernen. Hanspeter ist sofort von Boyroth fasziniert, die beiden werden schnell Freunde, frisieren gemeinsam ihre Mofas, kiffen und hören die Musik der 70er. Doch Boyroth ist eindeutig der coolere Typ und Hanspeter steht immer etwas im dessen Schatten. Hanspeter begibt sich auf eine Interrail-Reise, um sich von seinem Freund zu emanzipieren, aber auch um dessen Schwester Yolanda zu vergessen, in die er sich unsterblich verliebt hat.

Die beiden verbringen nur diesen einzigen Sommer 74 gemeinsam und treffen sich später sehr selten und eher zufällig, doch die tiefe Verbundenheit und Freundschaft bleibt über Jahrzehnte bestehen. Und auch die Liebe zu den alten Songs. Denn jede Freundschaft hat auch ihre Musik.
Time after time.

 

Die „Stiftung Lesen“ sorgt sich um die Lesekultur Januar 4, 2011

Filed under: Fundstück — hilpirella @ 10:44 am
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Ein Beitrag des Deutschlandfunk über die aussterbende Spezies der Lesenden.

Wer den Text nicht lesen sondern lieber hören will, klicke bitte hier. :-)