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Leander Kahney: Steve Jobs kleines Weißbuch – Die bahnbrechenden Managementprinzipien eines Revolutionärs November 11, 2010

Filed under: Sachbuch — kikeriki @ 10:17 pm
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Hände weg, wer Bahnbrechendes sucht. Es ist durchaus interessant in zahlreichen Anekdoten zu lesen, wie Steve Jobs agiert und wie er es geschafft hat, ein Unternehmen, das kurz vor der Pleite steht, wieder auf Kurs zu bringen.
Aber: Die vom Autor (!!!) abgeleiteten über 70 Thesen als Handlungsempfehlungen für Führungskäfte, wie

–          Verwenden Sie Zuckerbrot und Peitsche, um zum Ziel zu kommen

–          Treten Sie Leute in den Hintern, um an Ihr Ziel zu kommen

–          Seien Sie nicht nur ein großer Einschüchterer, sondern auch ein großer Einschmeichler

–          Seien Sie ein Despot

sind nicht bahnbrechend, sondern schlicht abwertend. Der Rest der Thesen: Allgemeinplätze. Einzig die These „Mut zum Nein“ und zur konsequenten Weiterentwicklung von Produkten war im Bezug auf Steve Jobs Erfolgsgeschichte spannend. Dafür hätte es keine 75 Thesen gebraucht.

Steve Jobs kleines Weißbuch: Mut zum Nein

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Überflieger von Maclolm Gladwell April 19, 2010

Filed under: Sachbuch — kikeriki @ 2:20 pm

„Überflieger. Warum manche  Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“ , ein US-Sachbuch-Bestseller, ist ein Geschenk meiner lieben Freundin Conny aus San Francisco, welches sie mir bei ihrem letzten Besuch überreicht hat. Sie beschrieb sehr eindrücklich, wie sie und ihr Mann Joe, jeden morgen auf der Fahrt nach San Francisco in ihrem VW Beetle – die Golden Gate Bridge überquerend – der Hörbuch-Fassung fasziniert lauschten und ich das unbedingt auch lesen müsse.

Zugegeben, am Bücherregal hätte ich das Buch links liegen lassen und auch mein erster Leseversuch vor Wochen scheiterte kläglich. Zu unrecht, wie ich nun weiß, denn Gladwell beschreibt sehr packend, warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht, bezieht zahlreiche Studien ein und bringt viele interessante Beispiele: Von Bill Gates bis hin zu chinesischen Reisbauern.

Bei der Lektüre lernt man so einiges: Von der magischen „10.000-Stunden“ Regel (10.000 Übungsstunden, die man bis zum 20. Lebensjahr erreicht haben muss, um Exzellenz beispielweise in der Musik zu erreichen – mehr bringt nichts, mit weniger Übungsstunden reicht es dann u.U. nur noch zum Musiklehrer); von Machtdistanz (in Brasilien am höchsten, in Schweden sehr niedrig) die dazu führen kann, dass Mitarbeiter sich nicht trauen ihre Chefs auf Fehler hinzuweisen, von der IQ-Schwelle (ein gewisser IQ eröffnet einen die Chance, erfolgreich zu sein – steigt der IQ über einen gewissen Wert, steigen die Chancen erfolgreicher zu sein aber nicht mehr an) und vor allem, dass erfolgreiche Menschen bestimmte Chancen (oft sogar mehrere hintereinander) in ihrem Leben hatten und diese genutzt haben.

Die Beschreibungen relativieren „Selfmade-Men Phantasien“ auf plausible Weise – ohne die Leistung der Menschen, die außergewöhnliches geleistet haben, zu schmälern. Sie eröffnen somit eine neue Perspektive auf Erfolg.
Gladwells einfaches Plädoyer lautet : Gleiche Chancen für alle.

Überflieger von Malcolm Gladwell

Absolut lesenswert!

 

Verbrechen von Ferdinand von Schirach Oktober 19, 2009

Filed under: Sachbuch — kikeriki @ 8:53 am
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verbrechenÜber diesen Kurzgeschichtenband ist in den letzten Monaten viel Positives berichtet worden.

Schirach schreibt so souverän, klar und einfach, als hätte er nie etwas anderes gemacht […] er ist ein großartiger Erzähler‘ DER SPIEGEL

Ein wunderbares Debüt, fesselnd von der ersten Seite an und ohne jeden falschen Ton.‘ FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG

Zu recht.

Ferdinand von Schirach ist von Beruf Anwalt. Mit einer knappen, klaren Sprache beschreibt er Fälle seiner Laufbahn. Dabei entstehen schnörkellose Psychogramme der Täter und Geschichten die, trotz ihrer Sachlichkeit, zum Teil schon fast erfunden wirken. Er verzichtet dabei auf langatmige Prozessbeschreibungen und Darstellungen, wie er die Angeklagten verteidigt hat.

Da sind ein Arzt, der mit über 70 Jahren die Frau, mit der ein Leben lang verheiratet war und die ihn ebenso lange gequält hat, mit der Axt zerteilt, eine Schwester, die ihren Bruder umbringt, ein Schafe mordernder Jugendlicher, der überall Zahlen sieht oder ein Student der aus Liebe seine Freundin auffressen möchte.

„Verbrechen“ versucht zu erklären: Jedes Verbrechen steht in einem kausalen Zusammenhang – hinter jedem Verbrechen steht die Geschichte eines Menschen, anhand der die Schuldfrage zu messen ist.

Nicht alle elf Geschichten haben mich gleichermaßen begeistert – das mag aber auch etwas sehr persönliches sein und muss nicht zwingend mit der Qualität der Geschichten zu tun haben.

Lesen und staunen.

 

A. J. Jacobs – The Know-It-All August 30, 2009

Filed under: Fundstück,Sachbuch — themaktima @ 8:06 pm
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Hier kommt ein kurioses Buch: Der New Yorker A.J. Jacobs arbeitet als Journalist bei der Lifestyle-Zeitschrift „Esquire“, und stellt fest, dass er seit seinem Studienabschluss bildungsmäßig dramatisch abgebaut hat; dafür ist seine Expertise die Klatschspalten betreffend mittlerweile enorm. Dominiert quasi sein Leben. Dieses Mißverhältnis gilt es umzukehren: A.J. beschließt, die Enzyklopädia Britannica Seite für Seite zu lesen und damit der klügste Mensch der Welt zu werden. Das ist jetzt aber keine witzige Romanidee, sondern wirklich wahr.

A.J. Jacobs liest also dieses 33.000 Seiten starke Werk durch. Und lässt uns an seiner Mission teilhaben: Dem Alphabet nach führt er uns von einem Begriff zum andern, der Aufbau ist also tatsächlich dem eines Lexikons nachempfunden. Klingt langweilig? Tatsache ist: Das Lesen dieses Buches ist ein Riesenspaß – ich habe schon lange kein derart lustiges Buch mehr gelesen. Jacobs beschränkt sich nicht auf die Aufzählung und Erläuterung besonders interessanter, skurriler oder historisch bedeutsamer Begriffe aus der Britannica, sondern verknüpft seine Fundstücke geschickt mit seiner persönlichen Geschichte, mit Erlebnissen aus dem Jahr der Lektüre (zum Beispiel mit den verzweifelten Versuchen, mit seiner Frau ein Kind zu zeugen) und mit den unvermeidlichen, oft nachvollziehbaren Reaktionen seiner Umwelt auf seine Mission. Selbstironisch, reflektiert, humorvoll, einfach erfrischend anders: Ein echtes Juwel.
Das Buch war ein Geburtstagsgeschenk – zum Glück, sonst hätte ich es wohl verpaßt. So habe ich die sehr empfehlenswerte englische Ausgabe gelesen; der deutsche Titel lautet „Britannica und ich: Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden.“. Diese kenne ich allerdings nicht. Ich habe übrigens während meiner täglichen Regionalzugfahrten darin geschmökert; es eignet sich durch seinen Aufbau hervorragend für das Lesen mit häufigen Unterbrechungen.

In einem weiteren Buch „berichtet Jacobs über sein Experiment, sich ein Jahr lang strikt an den Wortlaut der Bibel zu halten, was unter anderem das Steinigen von Ehebrechern und das Wachsen eines Bartes beinhaltet.“ (Zitat Wikipedia). Heißt „Die Bibel und ich“. Muss ich haben.


 

Erich Follath – Die Kinder der Killing Fields August 24, 2009

Filed under: Sachbuch — themaktima @ 9:34 pm
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„Die Kinder der Killing Fields“ erscheint rechtzeitig zum Auftakt des Sondertribunals in Phnom Penh, bei dem die Hauptverantwortlichen für die Greueltaten der Roten Khmer in den Jahren ´75-´78 angeklagt werden sollen. Dieses sehr aktuelle Buch sei jedem empfohlen, der sich für Asien interessiert. Indochina-Kenner und -Reisende können blind zugreifen.

Follath liefert ein hochinteressantes Buch über den Werdegang Kambodschas ab; er gibt Aufschluß über die Geschichte, die gesellschaftliche und die politische Entwicklung des Landes, erläutert die Zusammenhänge und zeigt dabei auf, wie es zu der Katastrophe der Herrschaft der Roten Khmer kommen konnte. Er stellt auch dar, welche gewichtige Rolle dabei auch Amerika und Europa spielten und wie das Land heute versucht, seiner mannigfaltigen Probleme Herr zu werden.
„Die Kinder der Killing Fields“ ist nicht nur Geschichtsbuch, sondern auch Reisebericht und kritische journalistische Analyse. Das ganze wird lebendig illustriert durch zahlreiche Begegnungen mit Tätern und Opfern der Rote-Khmer-Zeit – z.B. mit dem Gefängnisfotografen des Todeslagers Tuol Sleng, oder mit dem damaligen König Norodom Sihanouk. Spannend wie ein Krimi: Das Kapitel über den grausamen Führer der Roten Khmer – Pol Pot.