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Valentin Senger – Kaiserhofstraße 12 Mai 19, 2010

Filed under: Memoiren — themaktima @ 2:32 pm
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Valentin Senger, russischer Jude und Sohn politisch aktiver Kommunisten, lebt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in Deutschland: Es ist das Jahr der Machtübergabe an Hitler. Senger erzählt, wie er und seine Familie 12 Jahre lang versuchen, ihre wahre Identität zu verbergen und sich so vor dem sicheren Tod im Konzentrationslager zu retten.

Es ist unfassbar; äußerste Selbstverleugnung, eine merkwürdige Anhäufung von Zufällen, aber oft auch die Erfahrung unvermuteter Menschlichkeit in einem menschenverachtenden Staat ermöglichen Senger das Überleben.
Nicht nur ist „Kaiserhofstraße 12“ eine erstaunliches Dokument aus der Nazizeit, das unmittelbar deutlich macht, warum die Besetzung durch die Alliierten eine Befreiung und keine Niederlage Deutschlands war. Es ist auch ein Plädoyer für die Zivilcourage. Denn Valentin Senger stellt sich und uns die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, die selbstverachtende Haltung statt seiner selbst aufzugeben und für sich – und für andere! – zu kämpfen, auch wenn das den Tod bedeutet hätte.

Auch wenn Senger sicher kein großer Erzähler ist, und wenn auch die eine oder andere persönliche Passage (es geht recht oft um Frauen) etwas stören mag: Jeder, der sich für die jüngere deutsche Vergangenheit interessiert, sollte diese außergewöhnliche Geschichte lesen.


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One Response to “Valentin Senger – Kaiserhofstraße 12”

  1. themaktima Says:

    Was ich noch ergänzen möchte: Senger räumt auch glaubhaft mit der Behauptung einiger Angehöriger der Kriegsgeneration auf, „man habe ja nicht ahnen können“, was mit den Juden geschehen sei.


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