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Kristof Magnusson – Das war ich nicht Mai 7, 2012

Filed under: Romane — kikeriki @ 8:51 pm
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Jasper arbeitet bei einer Investmentbank in Chicago und hat es gerade vom langweiligen Backoffice in den Händlersaal geschafft. Henry LaMarck ist ein international gefeierter Schriftsteller, der gerade unter einer Schreibblockade leidet und dennoch für seinen nächsten Roman – dessen Idee er noch nicht einmal kennt – bereits für den Pulitzerpreis nominiert ist. Meike ist Henry LaMarcks deutsche Übersetzerin und macht sich auf den Weg nach Chicago, um „ihrem“ Schriftsteller deutlich zu machen, dass er endlich seinen Roman fertig stellen soll. Sie ist völlig abgebrannt und braucht den Auftrag. Die Leben dieser drei Menschen verbinden sich in diesem Roman auf unterhaltsame und rasante Weise. Die Protagonisten sind herrlich überzeichnet und machen einfach Freude. Die Geschichte ist gegen Ende nicht mehr so flüssig. Dennoch: Ich freue mich auf den nächsten Magnusson.

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Julian Barnes – Vom Ende einer Geschichte Februar 3, 2012

Filed under: Romane — hilpirella @ 2:20 pm
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Das neue Buch des frisch gekürten Booker-Prize-Gewinners Julian Barnes dreht sich um die Frage, wie sehr wir unserer Erinnerung vetrauen können, wenn wir über die Vergangenheit nachdenken:
Tony Webster, Historiker im Ruhestand, geschieden, allein und zufrieden lebend wird durch ein Testament an längst vergangene Geschehnisse erinnert. Er beginnt eine Aufarbeitung, in der er sich immer wieder die Frage stellt: was hat tatsächlich stattgefunden und was ist Interpretation?

Dieser Roman ist eines der Bücher, bei dem man sich schon beim Aufstehen freut, dass man es abends weiterlesen kann. Wunderbares Tempo, humorvolle Dialoge: eine richtige Lesefreude!

 

Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe Februar 2, 2012

Filed under: Romane — kikeriki @ 9:56 pm
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Titel können verwirrend sein. So auch „Die Geschichte der Liebe“ – diesen Roman hätte ich vom Titel her niemals erstanden, da ich ihn spontan für einen neuen Roman von Rosamunde Pilcher gehalten hätte.Weit gefehlt. Es geht zwar um das große Thema „Liebe“ – aber von Rosis Schottland Märchen ist Nicole Krauss Roman weit entfernt.

Der Roman verbindet die Geschichten und Schicksale mehrerer Menschen – alles dreht sich um das Buch „Das Buch der Liebe“, das Leo Gursky in jungen Jahren als Liebeserklärung für seine große und einzige Liebe Alma geschrieben hat. Das Buch hat er im zweiten Weltkrieg seinem Freund anvertraut. Leo immigriert in die USA, verliert Alma aus den Augen und letztendlich ihre Liebe. Das Buch bleibt für Leo verschollen. Bis ein junges Mädchen sich auf den Weg macht, um die „Geschichte der Liebe“ aufzuklären.

Dieser Roman ist ungewöhnlich, überraschend, amüsant und tragisch zugleich. Ein Pageturner, der mich nicht mehr losgelassen hat. Absolut lesens- und liebenswert.

 

John Asht – Twin-Pryx: Zwillingsbrut. Januar 24, 2012

Filed under: Romane — themaktima @ 8:59 pm
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Ich habe da von einer Rezensentin gehört, die immerhin 90 Seiten dieses Buches geschafft haben soll. Ich lese ja grundsätzlich auch den allerletzten Schrott durch, wenn ich mal angefangen habe. Darum bin ich froh, noch keine einzige Zeile des Werkes gelesen zu haben. Ich kann es daher zwar auch wirklich nicht besprechen, finde aber die eigentümlichen Ansichten des Autors erwähnenswert – sehr schön dokumentiert in diesem Beitrag auf Scienceblogs. Gefunden auf „Ich mach was mit Büchern„, vielen Dank dafür.

 

Colin Cotterill – Dr. Siri und seine Toten Januar 11, 2012

Filed under: Krimis — hilpirella @ 10:40 pm
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Vientiane 1976: Dr. Siri ist Anfang Siebzig und sehnt sich nach seinem Ruhestand, doch stattdessen wird er von der neuen kommunistischen Regierung zum Pathologen „befördert“. Er eignet sich dieses ihm fremde Fach mit Hilfe völlig veralteter französicher Lehrbücher an und macht seine Arbeit so genau und gewissenhaft er kann … zum Ärger seiner Vorgesetzten, die wohl darauf spekulierten, der alte Herr würde der Einfachheit halber häufig die Todesursache „Herzinfarkt“ feststellen.

Das Buch beginnt auch mit gleich mit vielen Leichen (die keineswegs eines natürlichen Todes gestorben sind) und Dr Siri begibt sich zusammen mit seinen beiden Assistenten auf Spurensuche.

Dieses Buch hat Charme: Ein Krimi, der in Laos spielt ist schon aussergewöhnlich. Die Kultur (Dr. Siri begegnen Geister und daran ist nichts ungewöhnliches) und die Geschichte des Landes werden dabei beleuchtet. Dr Siri selbst ist natürlich ein liebenswerter, eigenwilliger Mensch, der den neuen Machthabern kritisch gegenübersteht, auch wenn er selbst während der Revolution auf kommunistischer Seite gekämpft hat.

Ich habe mich leider mit der manchmal etwas zu saloppen Sprache schwergetan und frage mich, ob das authentisch ist oder eine Note des Übersetzers. Wie dem auch sei: Bini sei Dank liegt der nächste Krimi aus dieser Reihe schon auf dem Lesestapel und wird verschlungen werden.

 

Hans Fallada – Jeder stirbt für sich allein Dezember 14, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 12:01 am
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Fallada - Jeder stirbt für sich alleinDies ist die Geschichte der Eheleute Quangel, die zu Widerstandskämpfern gegen das Naziregime werden, als ihr Sohn sinnlos im Dritten Weltkrieg fällt. Ich bin sehr froh, dass ich durch die Neuauflage im Aufbau-Verlag auf das Werk aufmerksam wurde – es erschien 1947 zum ersten Mal – denn es ist eins der beeindruckendsten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

„Jeder stirbt für sich allein“ ist nicht nur die Schilderung eines aussichtslosen Kampfes; es handelt insbesondere vom Umgang der einfachen Leute mit den widrigen Lebensumständen im Dritten Reich: der nagenden Knappheit und Not, dem allgegenwärtigen Denunziantentum und vor allem der unsäglichen, diffusen Angst vor dem Terror.

Der Roman basiert im Übrigen auf einer aktenkundigen Biographie, was das Leseerlebnis umso erschütternder macht. Auch wenn, wie Fallada selbst im Vorwort kundtut, darin „reichlich viel gequält und gestorben wird“, ist es kein deprimierendes Buch. Dafür sorgt insbesondere Falladas überwältigender, mit bissiger Ironie gespickter Erzählstil. Im Anhang findet der Leser zahlreiche Artefakte zur Geschichte, wie z.B. Gestapo-Fotos der Protagonisten oder Korrespondenz zur Entstehung des Romans. Ich kann nur jedem raten, dieses Buch zu lesen – ohne Wenn und Aber.

 

Gary Shteyngart – Super sad true love story September 26, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:43 pm
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Amerika in naher Zukunft: Eine totalitäre Regierung hält den Staat nur noch mit Waffengewalt und Überwachung zusammen, der Dollar ist an den Yuan gekoppelt. Der Mensch ist gläsern, kleine Geräte übertragen ständig persönliche Daten wie Cholesterinwerte und Kontostand und setzen diese Werte in ein Ranking um. Die Gesellschaft ist pornografisiert und konsumorientiert, es wird nicht mehr gelesen, nur noch gekauft, gescannt, gestreamt und getextet. Um korrekte Rechtschreibung schert sich dabei längst keiner mehr.
In dieser traurigen Welt lebt Lenny Abramov, Sohn russisch-jüdischer Einwanderer. Er arbeitet für ein Unternehmen, das Verjüngung und ewiges Leben verspricht, gehört mit 39 Jahren aber schon zum alten Eisen und auch seine Liebe zu gedruckten Büchern signalisiert seiner Umwelt, dass er ein Artefakt einer früheren Zeit ist. Als sich Lenny in die schöne, junge, unreife komplizierte Eunice Park verliebt spürt er zwar wieder das pralle Leben, aber die Probleme serden nicht weniger.

Gary Shteyngart skizziert eine Zukunft, über die wir mit einem Schmunzeln lesen, die aber bei genauerer Betrachtung auch im Bereich des Möglichen liegt. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zeichnet er dabei sehr gut; die sogenannte love story bleibt für mein Dafürhalten eher schwach.