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Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe Februar 2, 2012

Filed under: Romane — kikeriki @ 9:56 pm
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Titel können verwirrend sein. So auch „Die Geschichte der Liebe“ – diesen Roman hätte ich vom Titel her niemals erstanden, da ich ihn spontan für einen neuen Roman von Rosamunde Pilcher gehalten hätte.Weit gefehlt. Es geht zwar um das große Thema „Liebe“ – aber von Rosis Schottland Märchen ist Nicole Krauss Roman weit entfernt.

Der Roman verbindet die Geschichten und Schicksale mehrerer Menschen – alles dreht sich um das Buch „Das Buch der Liebe“, das Leo Gursky in jungen Jahren als Liebeserklärung für seine große und einzige Liebe Alma geschrieben hat. Das Buch hat er im zweiten Weltkrieg seinem Freund anvertraut. Leo immigriert in die USA, verliert Alma aus den Augen und letztendlich ihre Liebe. Das Buch bleibt für Leo verschollen. Bis ein junges Mädchen sich auf den Weg macht, um die „Geschichte der Liebe“ aufzuklären.

Dieser Roman ist ungewöhnlich, überraschend, amüsant und tragisch zugleich. Ein Pageturner, der mich nicht mehr losgelassen hat. Absolut lesens- und liebenswert.

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John Asht – Twin-Pryx: Zwillingsbrut. Januar 24, 2012

Filed under: Romane — themaktima @ 8:59 pm
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Ich habe da von einer Rezensentin gehört, die immerhin 90 Seiten dieses Buches geschafft haben soll. Ich lese ja grundsätzlich auch den allerletzten Schrott durch, wenn ich mal angefangen habe. Darum bin ich froh, noch keine einzige Zeile des Werkes gelesen zu haben. Ich kann es daher zwar auch wirklich nicht besprechen, finde aber die eigentümlichen Ansichten des Autors erwähnenswert – sehr schön dokumentiert in diesem Beitrag auf Scienceblogs. Gefunden auf „Ich mach was mit Büchern„, vielen Dank dafür.

 

Hans Fallada – Jeder stirbt für sich allein Dezember 14, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 12:01 am
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Fallada - Jeder stirbt für sich alleinDies ist die Geschichte der Eheleute Quangel, die zu Widerstandskämpfern gegen das Naziregime werden, als ihr Sohn sinnlos im Dritten Weltkrieg fällt. Ich bin sehr froh, dass ich durch die Neuauflage im Aufbau-Verlag auf das Werk aufmerksam wurde – es erschien 1947 zum ersten Mal – denn es ist eins der beeindruckendsten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

„Jeder stirbt für sich allein“ ist nicht nur die Schilderung eines aussichtslosen Kampfes; es handelt insbesondere vom Umgang der einfachen Leute mit den widrigen Lebensumständen im Dritten Reich: der nagenden Knappheit und Not, dem allgegenwärtigen Denunziantentum und vor allem der unsäglichen, diffusen Angst vor dem Terror.

Der Roman basiert im Übrigen auf einer aktenkundigen Biographie, was das Leseerlebnis umso erschütternder macht. Auch wenn, wie Fallada selbst im Vorwort kundtut, darin „reichlich viel gequält und gestorben wird“, ist es kein deprimierendes Buch. Dafür sorgt insbesondere Falladas überwältigender, mit bissiger Ironie gespickter Erzählstil. Im Anhang findet der Leser zahlreiche Artefakte zur Geschichte, wie z.B. Gestapo-Fotos der Protagonisten oder Korrespondenz zur Entstehung des Romans. Ich kann nur jedem raten, dieses Buch zu lesen – ohne Wenn und Aber.

 

Gary Shteyngart – Super sad true love story September 26, 2011

Filed under: Romane — hilpirella @ 9:43 pm
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Amerika in naher Zukunft: Eine totalitäre Regierung hält den Staat nur noch mit Waffengewalt und Überwachung zusammen, der Dollar ist an den Yuan gekoppelt. Der Mensch ist gläsern, kleine Geräte übertragen ständig persönliche Daten wie Cholesterinwerte und Kontostand und setzen diese Werte in ein Ranking um. Die Gesellschaft ist pornografisiert und konsumorientiert, es wird nicht mehr gelesen, nur noch gekauft, gescannt, gestreamt und getextet. Um korrekte Rechtschreibung schert sich dabei längst keiner mehr.
In dieser traurigen Welt lebt Lenny Abramov, Sohn russisch-jüdischer Einwanderer. Er arbeitet für ein Unternehmen, das Verjüngung und ewiges Leben verspricht, gehört mit 39 Jahren aber schon zum alten Eisen und auch seine Liebe zu gedruckten Büchern signalisiert seiner Umwelt, dass er ein Artefakt einer früheren Zeit ist. Als sich Lenny in die schöne, junge, unreife komplizierte Eunice Park verliebt spürt er zwar wieder das pralle Leben, aber die Probleme serden nicht weniger.

Gary Shteyngart skizziert eine Zukunft, über die wir mit einem Schmunzeln lesen, die aber bei genauerer Betrachtung auch im Bereich des Möglichen liegt. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zeichnet er dabei sehr gut; die sogenannte love story bleibt für mein Dafürhalten eher schwach.

 

Max Frisch: Antwort aus der Stille – Eine Erzählung aus den Bergen September 19, 2011

Filed under: Romane — kikeriki @ 8:25 pm

Ein junger Mann ist in den Bergen unterwegs und kehrt in eine Hütte ein.  Er geht hart mit sich ins Gericht: Er – der bald 30 wird – fragt sich, was er erreicht hat von dem was er sich vorgenommen hat. Er steckt in einer existentiellen Krise. Er will einen Berg beklimmen, von dem noch keiner bisher zurück gekommen ist. Auf der Hütte macht er die Begegnung mit einer jungen Frau. Die junge Frau – von außen betrachtet mit einer Leichtigkeit unterwegs, die ihm fehlt, hat – wie der Leser später erfährt – selbst kein einfaches Schicksal zu tragen. Sie begleitet ihn ein Stück auf der Gipfeltour. Zusammen mit der Verlobten des Mannes wartet sie später auf die Heimkehr des Wanderer und hofft auf ein Wunder.

„Antwort aus der Stille“ ist eine beeindruckende Erzählung über die Suche nach dem Sinn, dem Wahrhaften, dem inneren Glück. Unbedingt Lesen.

 

Schnee im April von Aly Cha

Filed under: Romane — kikeriki @ 7:56 pm

Aly Cha beschreibt in ihrer Familiensaga das Leben von vier Frauen und ihrem – sich stets wiederholenden – Schicksal. Die erste Hälfte des Romans hat mich die Geschichte – kulturell, sprachlich und inhaltlich – gefesselt. Besonders beeindruckend empfand ich fein gezeichneten Charaktere der vier Frauen- ohne viel Beschreibungen.

Gegen Ende wurde die Geschichte für mich zäh und ich kann von daher Aly Cha „Schnee im April“  nur eingeschränkt empfehlen. Japaninteressierte Leser kommen mit „Schnee im April“  dennoch auf ihre Kosten.

 

Colson Whitehead – Der letzte Sommer auf Long Island August 19, 2011

Filed under: Romane — themaktima @ 9:01 pm
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Das ist tatsächlich mein vierter Coming-of-age-Roman innerhalb eines halben Jahres. Ich schreibe dies nachträglich, weil auch dieser Sommer der letzte war. Der Roman allerdings ist kein schlechter!

Ben schreibt erzählt aus seiner Erinnerung von seinem letzten unbeschwerten Sommerurlaub in den 80ern, als er für alle noch Benji war. Der pubertierende Junge ist afroamerikanischer Abstammung und gehört der damals noch recht wohlhabenden amerikanischen Mittelschicht an, was eine sehr interessante Perspektive eröffnet, denn er und die Jungs in seiner Clicque wären so gern echte Gangsta und sind doch nur verwöhnt und ausgesprochen angepasst. Seine Eltern stehen dem in nichts nach, wären anstatt satte Schwarze doch lieber rebellische Bürgerrechtler – sie predigen Benji und seinen Geschwistern fleissig und gehen ihnen auf den Sack.

Das klingt nach einem sehr spannenden Szenario, doch gelingt es Whitehead nicht ganz, diese Basis ausnutzen. Ich empfand das Beschriebene teilweise schon als etwas zäh. Vielleicht weicht aber mein Erfahrungshorizont einfach zu weit ab, und ich kann mit zu vielen Anspielungen und Reminiszenzen nichts anfangen. Der fast zwangsläufige Familienkonflikt wird dafür subtil in die Geschichte eingewoben und bleibt richtig hängen; die Erinnerungen an Benjis ersten Job in einer Eisdiele sind dann richtig grandios.

Whitehead versucht sich zum Abschluss des Buches noch an einem Höhepunkt, das geht aber eher in die Hose – kann dem Gesamtwerk aber nichts mehr anhaben. Ich habe das Buch jedenfalls gern gelesen, was nicht zuletzt am hervorragenen Erzählstil liegt. Daher bin ich auch sicher, dass ich mich nach weiteren Büchern von Colson Whitehead umsehen werde.