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Herman Melville – Taipi Dezember 5, 2010

Filed under: Romane — themaktima @ 6:49 pm
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„Taipi“ ist ein vielleicht etwas ungewöhnlicher Lesetipp. Es ist der erste Roman von Herman Melville, der durch sein Werk „Moby Dick“ Weltruhm erlangt hat (von dem übrigens zu Lebzeiten Melvilles laut Wikipedia gerade mal 3000 Exemplare verkauft wurden). Melville war erst 26 Jahre alt, als er diesen Südseeroman schrieb.

„Taipi“ klingt romantisch, ist aber der Name eines Kannibalenstamms auf den Marquesa-Inseln der Südsee des Jahres 1842. Der Matrose Tom desertiert mit einem Kumpanen von dem in der Bucht liegenden Walfänger und gerät prompt in die Fänge eines der ansässigen Eingeborenenstämme; während seines Aufenthalts kann er sich zwar frei bewegen und auch sonst alle Vorzüge des Lebens in Harmonie mit der Natur erfahren, ist aber dennoch Gefangener und ständig in Sorge, letzten Endes doch noch im Bräter zu landen. Melville entführt uns in ein Südseeparadies, in dem die Welt noch in Ordnung ist – von ein paar harmlosen Scharmützeln mit den Nachbarstämmen und der einen oder anderen obligatorischen Schrumpfkopfproduktion abgesehen. Er verkneift es sich dabei nicht, gesellschafts- und kirchenkritische Kommentare unterzubringen, denn Melville verarbeitet hier eigene Erlebnisse und ist sich gewiss, dass Imperialismus und missionarischer Eifer auch die weitgehend unberührten Lebensgemeinschaften der Marquesas ins Verderben stürzen werden (und behielt leider Recht).

Dieses Buch ist sicher nicht jedermanns Sache; natürlich ist die Art, zu erzählen, antiquiert. Ich stelle es trotzdem vor, denn die „Entdeckungsfahrten im Pazifik: Die Logbücher der Reisen 1768-1779“ von James Cook zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, und wer derlei Bücher mag, wird auch „Taipi“ einiges abgewinnen können.


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