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Michael Chabon – Die Vereinigung jiddischer Polizisten Oktober 18, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 3:29 pm
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Hier kommt ein Kriminalroman! „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ möchte ich allen Krimifans ans Herz legen, aber auch denjenigen, die sich normalerweise nicht so sehr für Krimis interessieren, und zuguterletzt der Mehrzahl der derzeit angesagten Krimiautoren – so können die nämlich erfahren, dass es durchaus gelingen kann, von dem Einheitsbrei runterzukommen, der in den letzten Jahren so publiziert wird.
Denn Chabon schreibt kurzerhand die Weltgeschichte um und erschafft so das Spannungsfeld, in dem sich ein intelligenter Kriminalfall – gewürzt mit einer gehörigen Prise Politik – entspinnen kann. Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Juden durch Krieg aus ihrem gerade gegründeten Staat Israel vertrieben und in einer Exklave an der Küste Alaskas versammelt, wo sie im Dauerkonflikt mit den indianischen Ureinwohnern und unter Beobachtung der einzigen Weltmacht USA leben. Der Distrikt Sitka, in dem der Roman spielt, soll 2007 jedoch im Zuge der sogenannten „Reversion“ wieder Teil der Vereinigten Staaten werden; den Juden droht erneut die Zerstreuung über die bewohnte Welt.

Da geschieht ein Mord, dessen Brisanz sich im Laufe der Geschichte herausstellen wird: Im heruntergekommenen Hotel Zamenhof, dem temporären Wohnsitz des ebenso heruntergekommenen, rauchenden, saufenden und geschiedenen Kriminalbeamten Meyer Landsman (der bleibt übrigens den ganzen Roman durch so kantig), wird ein Junkie erschossen aufgefunden. Neben dem Bett eine unvollendete Schachpartie: Unspektakulärer Beginn einer spektakulären Geschichte.

Neben der irrwitzigen Story besticht Chabons Wortwitz; der Mann ist ein echtes Sprachtalent. Und die Übersetzung von Andrea Fischer schafft es ganz offensichtlich, den originellen Stil zu erhalten. Eigentlich möchte man sich spätestens alle drei Seiten ein Zitat herausschreiben.
Vielleicht hat das Buch ein paar Seiten zu viel; und es ist auch keine ganz einfache Lektüre, nicht unbedingt ein Pageturner. Aber wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird mit einem hervorragenden Krimi der anderen Art belohnt.


 

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