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Christopher Kloeble – Unter Einzelgängern September 29, 2009

Filed under: Romane — themaktima @ 5:39 pm
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Zuallererst ein Geständnis: Ich lese keine Klappentexte. Ich lese nicht mal den Text auf der Rückseite eines Buches. Ich kann´s wirklich nicht ab, wenn ich vor dem Lesen den Plot oder gar das Ende kenne. Und dummerweise sind Klappentextautoren in der Regel ganz rücksichtslose Menschen. Leider entgeht mir so häufig auch das Glossar oder das Personenverzeichnis am Ende eines Buches.
Jedenfalls ist er bei „Unter Einzelgängern“ von Christopher Kloeble eigentlich sehr hilfreich, der Klappentext. Ich habe bis zum letzten Drittel des Buches gebraucht, um die von Kloebel klug konstruierten Zusammenhänge zu erkennen, und Vermutungen, die sich beim Lesen entwickelten, bestätigt zu bekommen. Ich frage mich natürlich nun: Ist das auch die Absicht des Autors gewesen? Oder hat er den wegweisenden Klappentext gleich mitverfasst? Also: Wer es etwas einfacher bei der Lektüre haben will, sollte wohl vorher mal im Buchdeckel nachschauen. Die Alternative: Nochmal lesen.

„Unter Einzelgängern“ beginnt mit dem tödlichen Unfall der Mutter Angela. Angelas Dialog mit einer Wollmaus kurz vor ihrem Tod („Typisch. Immer Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung. Selbst beim Verrecken.“) geht in meine persönliche Zitatsammlung ein. Es ist im weitesten Sinne eine Familiengeschichte, doch wie der Titel schon andeutet, handelt sie eher von Einzelgängern innerhalb einer Familie, die nur noch durch dramatische äußere Einschnitte in die Lage versetzt werden, miteinander umzugehen.

Christopher Kloebel versetzt uns in die jeweiligen Perspektiven der handelnden Personen, respektive Familienmitglieder, die verdrängen, lügen, hintergehen und sich gleichzeitig nach Orientierung, Verständnis und Angenommensein sehnen. Widersprüchliche Charaktere, wie jeder von uns. Das macht sicher den besonderen Reiz dieses Romans aus. Mich jedenfalls machte der Roman an vielen Stellen nachdenklich; und er ist auch, wie zu Beginn erwähnt, eine Herausforderung, will man doch die verschiedenen Erzählebenen irgendwie in den Griff bekommen.
Ich habe das Buch fast am Stück durchgelesen, es ist spannend und vielschichtig. Trotzdem war „Unter Einzegängern“ für mich kein Volltreffer. Es fehlte mir wohl doch ein wenig an Anteilnahme am Schicksal der Protagonisten. Ich denke aber, das ist reine Geschmackssache. Das Buch ist in jedem Fall empfehlenswert und wird jeden, der sich für Familienschicksale erwärmt, belohnen.


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3 Responses to “Christopher Kloeble – Unter Einzelgängern”

  1. tinius Says:

    Ein Volltreffer ist bei einem Romandebüt eigentlich realistischerweise nicht zu erwarten, aber dafür war es doch ziemlich gut und interessant. Allerdings habe ich es wegen einer technikbedingten Zwangspause in einer blogfreien Zeit gelesen, sodaß jetzt die genaue Beurteilung im Nachhinein vermessen wäre. Gefallen aber hat es mir durchaus. LG tinius

  2. themaktima Says:

    Kloeble wurde für das Buch immerhin mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet. Man erwartet dann vielleicht auch gleich (zu) viel. Es erschien dieses Jahr ja bereits ein weiteres Buch von ihm, ein Erzählband; das Cover sieht übrigens ganz ähnlich aus wie das von „Unter Einzelgängern“ (ein gerissener Strick). Vielleicht ist das ja auch gut?

    • tinius Says:

      Ich hab das erst vor vier Tagen entdeckt. Also ist es erstmal auf der Beschaffungsliste – und bis ich es dann gekauft und gelesen hab, kann dauern -> gut 1200 Bücher auf der Wunschliste, gut 4000 ungelesene Bände zuhause…. ;) LG tinius


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