Dieser Roman ist eine Entdeckung. Inhaltlich und sprachlich.
„Grenzgang“ erzählt die Geschichten von Kerstin und Thomas. Kerstin ist geschieden, alleinerziehend und pflegt ihre demente Muter. Thomas ist alleinstehend und arbeitet als Lehrer, nachdem vor Jahren seine Hochschulkarriere gescheitert ist. Das „Grenzgang-Fest“ der Kleinstadt, in der Kerstin und Thomas leben, findet alle sieben Jahre statt. Vier „Grenzgang-Feste“ erlebt der Leser mit den beiden Protagonisten – in ihren Parallelwelten sowie dort, wo sich ihre Geschichten kreuzen - nicht chronologisch erzählt.
Der Roman beschreibt sehr eindringlich die Leben der Beiden: Von Träumen und Verfehlungen in jungen Jahren und von der „Lebensmitte“ voller Resignation, in der man sich nur noch als Figur, nicht aber als handelnder und steuerender Mensch wahrnimmt.
Die Stimmung zieht den Leser in seinen Bann; sie ist fast schon erschreckend nah.
Ein Kunstgriff ist die Hoffnung, die der Roman gegen Ende zu geben vermag.
David und Harriet lernen sich in den wilden 60er Jahren in England kennen und wissen sofort: Sie gehören zusammen, wollen heiraten und viele gemeinsame Kinder haben. Trotz geselleschaftlichen Druck setzen sie diesen Plan um, kaufen ein großes Haus und gründen eine Familie. In den ersten Jahren scheint das Glück perfekt - ihr großes Haus ist Anziehungspunkt für Freunde und Familie. Das 5. Kind von David und Harriet zerstört diese Idylle für immer- Ben, das 5. Kind, ist in jeder Hinsicht anders, seltsam und fremd.