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Edward P. Jones – Die bekannte Welt Juni 1, 2009

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Henry Townsend lebt in den USA und ist schwarz – eigentlich nicht die besten Voraussetzungen für ein ruhiges Leben, denn wir befinden uns in der Vorphase des amerikanischen Bürgerkriegs. Doch Henry ist nicht wie die meisten anderen Schwarzen Eigentum eines weißen Sklavenhalters: Er ist frei und besitzt selbst eine Plantage nebst Sklavensiedlung. Auf diesem  Fundament errichtet Jones ein komplexes erzählerisches Gebäude, in dem Herren und Sklaven in allen denkbaren Konstellationen ein und aus gehen.

Jones_Die_bekannte_WeltGebannt habe ich die oft tragischen Einzel- und Familienschicksale der schwarzen und weißen Südstaatenbewohner verfolgt. Der Einstieg fällt zwar nicht ganz leicht, denn die Story ist nichtlinear erzählt und zahlreiche Personen betreten die historische Bühne (so dass es sich lohnt, ab und zu im Personenverzeichnis hinten im Buch nachzuschlagen). Ich habe mich jedoch schnell daran gewöhnt und wurde mit einem faszinierenden und bewegenden Roman belohnt, der eine ungewöhnliche Perspektive auf die Sklaverei in den USA zwischen 1840 und 1860 vermittelt. Das Buch wurde 2004 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Für mich nach „Alles umsonst“ das zweite echte Highlight dieses Lesejahres.

 

Walter Kempowski – Alles umsonst Mai 16, 2009

Gespeichert unter: Romane — themaktima @ 6:55
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Ostpreußen Ende des 2. Weltkriegs: Die Front löst sich auf, die Rote Armee ist auf dem unaufhaltsamen Vormarsch. Doch sogar im Niedergang ist die Macht der Propaganda der Nazis ungebrochen. So kommt es, dass man sich auf dem Landgut Georgenhof über den Ernst der Lage nicht im Klaren ist – obwohl immer mehr Besucher auf dem Weg nach Westen auf dem Hof haltmachen.Kempowski_Alles_umsonst

„Alles umsonst“ ist ein Roman über das Ende des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Und es ist eine Familientragödie, deren Ursprung schon Jahre zurückliegt und die nun mit leisen Andeutungen zutagegefördert wird.

Kempowskis Roman beginnt lebendig, um dann gegen Ende eine fast überwältigende Wucht zu entwickeln. Nicht zuletzt durch seinen dokumentarischen Charakter ist „Alles umsonst“ ein mitreißendes und erschütterndes Buch.

 

Lukas Bärfuss – 100 Tage Januar 4, 2009

Gespeichert unter: Romane — themaktima @ 8:08
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100 Tage – das Synonym für den Völkermord in Ruanda im Jahr 1994. David Hohl, zu dieser Zeit Mitarbeiter der Schweizer Entwicklungshilfe vor Ort, erzählt von diesen 100 Tagen, in denen er sich in einem Haus in Kigali versteckt hält. Und er erzählt, wie es dazu kam – denn zu dieser Zeit haben alle seine Kollegen das Land bereits verlassen. 

Bärfuss_100_Tage

Und darum geht´s auch in dem außergewöhnlichen Roman: Nicht die Passivität der UN, der westlichen Militärmächte oder der in Ruanda stationierten Friedenstruppen stehen im Mittelpunkt Bärfuss´ Anklage, sondern Entwicklungshilfeorganisationen mit falschen Motiven und den daraus erwachsenden Konsequenzen. 

Wieder ein Buch aus der Schweiz, das mir sehr gut gefallen hat – auch wenn Bärfuss vielleicht nicht mit dem gleichen Sprachtalent wie Rolf Lappert ausgestattet ist. Das spannende Thema, die ungewohnte Perspektive und ein krasser Tempowechsel machen „100 Tage“ zu einem prima Wurf.