Sol ist sechs Jahre alt, lebt in New York, ist fürchterlich neunmalklug und wird von seiner Mutter geradezu ekelhaft verwöhnt. Von ihm ausgehend wird die Familiengeschichte zurück erzählt, die bis zu Sols Großmutter in das Europa des Zweiten Weltkriegs führt.
Dieser Familienroman ist natürlich ein Frauenbuch, kommt aber sehr unkitschig daher und kann daher uneingeschränkt empfohlen werden.
Nancy Huston – Ein winziger Makel November 12, 2009
Jonathan Coe – Der Regen, bevor er fällt Mai 15, 2009
Als Gills betagte, allein stehende Großtante Rosamond stirbt fällt es ihr zu, in deren abgelegenes Haus in der ländlichen Grafschaft Shropshire zu fahren und sich um den Nachlass kümmern. Sie findet vier Tonbandkassetten sowie einen Brief von Rosamond, mit der Bitte, Imogen -eine entfernte Verwandte- ausfindig zu machen und sie ihr zu schicken und falls sie sie nicht fände, die Kassetten selbst anzuhören.
Die Suche nach Imogen scheitert und so lesen wir die Tonbandaufzeichnungen von Rosamond, die an Imogen adressiert sind. In starken Bildern wird eine Familiengeschichte über drei Generationen erzählt und zeigt auf traurige Weise, wie bestimmte Muster weitergegeben werden.
Dieses Buch ist für mich keine Entdeckung, aber es ist sehr fesselnd geschrieben und ich habs in drei (regnerischen) Tagen durchgelesen.
Pieter Waterdrinker – Die Hochzeit von Zandvoort November 11, 2008
In einem holländischen Küstenort laufen die Vorbereitungen für die Hochzeit von von Lisa und Ludo. Lisa ist die Tochter eines wohlhabenden Kölner Wurstfabrikanten und einer resoluten Bayerin, Ludo der Sohn eines holländischen Hotelier-Ehepaars und wir befinden uns in den späten 50er Jahren. Alle versuchen, den Krieg hinter sich zu lassen und der Wohlstand hat bereits Einzug in die beiden Familien gehalten doch läßt sich die Geschichte und die Erfahrungen, die während des Krieges und der Besatzung Hollands durch die Deutschen gemacht wurden, nicht einfach abschütteln.
Das Buch ist wunderbar leicht zu lesen, sehr amüsant aber nicht oberflächlich und man will es gar nicht mehr aus der Hand legen.
Anne Enright – Das Familientreffen November 5, 2008
Die Ich-Erzählerin Veronica erzählt von der Zusammenkunft der Familie Hegarty, die in Dublin anlässlich des Begräbnisses von Veronicas Bruder Liam zusammenkommt. Der Tod von Liam trifft Veronica besonders hart – er war ihr in der Kindheit sehr nahe gestanden und sein Tod war ein Selbstmord: er hat sich in England im Meer ertränkt.
Veronica erzählt ihre Familiengeschichte unverklärt, ohne Romantik und ohne Beschönigungen. Während Veronica die notwendigen Vorbereitungen für das Begräbnis trifft und die Familienmitglieder informirt geht sie in Ihrer Erinnerung zurück. Wir erfahren von der kinderreichen Familie (Veronica hatte elf Geschwister) in der sie aufwuchs, von Liams Alkoholsucht, aus der sie ihn nicht retten konnte und von ihrem Leben heute als Mutter und Ehefrau. Veronica erinnert sich auch an Bilder aus ihrer Kindheit und das Gefühl, an seinem Tod eine Mitschuld zu tragen, lässt sie nicht mehr los.
Die klare, schnörkellose Sprache machten mir Spaß zu lesen und die Geschichte ist nicht so düster erzählt, wie ich auf den ersten Blick (auch auf das Cover) annahm.
Martin Kluger: Der Vogel, der spazieren ging September 21, 2008
Suuuper Buch. Ein Geschenk des anderen Lesehuhns zu meinem 40sten Geburtstag und ein Volltreffer.
Samuel, verkannter Schriftsteller und Übersetzer, lebt ein einsames Leben im Paris der Siebziger Jahre. Er lebt von seiner Frau getrennt und hat seine Tochter nicht aufwachsen sehen, die mittlerweile Teenager ist und eine Weile bei ihm wohnen will.
Sehr kompliziert (oder einfach schlecht) ist Samuels Beziehung zu seinem sehr erfolgreichen Vater. Dieser hatte ihn bei seiner Flucht vor den Nazis in die USA mitgenommen und seine Wurzeln zur alten Welt gekappt und verleugnet.
Samuel hat auf drei Kontinenten gelebt und spricht viele Sprachen – doch so kosmopolitisch er ist, so verloren wirkt er. Erst als sich seine hartnäckige Tochter auf die Suche nach ihrer familiären Identität macht erfährt Samuel etwas über seine eigene Geschichte.
Michael Köhlmeier – Abendland September 2, 2008
Zwei Familiengeschichten, durch Freundschaft eng miteinander verknüpft, werden erzählt.
Im Mittelpunkt stehen der 95-jähriger Mathematiker Carl, der im Sterbebett sein Leben erzählt und der 55-jährige Sebastian, der befreundete Schriftsteller, der die Lebensgeschichte aufnimmt, in der er selbst eine nicht unwesentliche Rolle spielte.
Zahlreiche Geschichtliche Ereignisse und ein Stück moderne Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts werden entlang Carls Rückblick präsent und zum Leben erweckt; Persönlichkeiten wie Edith Stein oder Emmy Noether bekommen kleine Nebenrollen in diesem Roman.
Ein dickes Buch. Besonders gelungen sind die Beschreibungen der partnerschaftlichen Beziehungen. Aber: Was an Details und Begebenheiten zu Beginn noch sehr viel Spaß macht zu lesen wurde mir irgendwann sehr mühsam.
Wer gerne moderne Generationenromane liest sollte allerdings Lipshitz von T Cooper nicht auslassen. Das machte deutlich mehr Freude zu lesen und am Ende schliesst man sogar Eminem noch in sein Herz!