
Das ist tatsächlich mein vierter Coming-of-age-Roman innerhalb eines halben Jahres. Ich schreibe dies nachträglich, weil auch dieser Sommer der letzte war. Der Roman allerdings ist kein schlechter!
Ben schreibt erzählt aus seiner Erinnerung von seinem letzten unbeschwerten Sommerurlaub in den 80ern, als er für alle noch Benji war. Der pubertierende Junge ist afroamerikanischer Abstammung und gehört der damals noch recht wohlhabenden amerikanischen Mittelschicht an, was eine sehr interessante Perspektive eröffnet, denn er und die Jungs in seiner Clicque wären so gern echte Gangsta und sind doch nur verwöhnt und ausgesprochen angepasst. Seine Eltern stehen dem in nichts nach, wären anstatt satte Schwarze doch lieber rebellische Bürgerrechtler – sie predigen Benji und seinen Geschwistern fleissig und gehen ihnen auf den Sack.
Das klingt nach einem sehr spannenden Szenario, doch gelingt es Whitehead nicht ganz, diese Basis ausnutzen. Ich empfand das Beschriebene teilweise schon als etwas zäh. Vielleicht weicht aber mein Erfahrungshorizont einfach zu weit ab, und ich kann mit zu vielen Anspielungen und Reminiszenzen nichts anfangen. Der fast zwangsläufige Familienkonflikt wird dafür subtil in die Geschichte eingewoben und bleibt richtig hängen; die Erinnerungen an Benjis ersten Job in einer Eisdiele sind dann richtig grandios.
Whitehead versucht sich zum Abschluss des Buches noch an einem Höhepunkt, das geht aber eher in die Hose – kann dem Gesamtwerk aber nichts mehr anhaben. Ich habe das Buch jedenfalls gern gelesen, was nicht zuletzt am hervorragenen Erzählstil liegt. Daher bin ich auch sicher, dass ich mich nach weiteren Büchern von Colson Whitehead umsehen werde.



Sol ist sechs Jahre alt, lebt in New York, ist fürchterlich neunmalklug und wird von seiner Mutter geradezu ekelhaft verwöhnt. Von ihm ausgehend wird die Familiengeschichte zurück erzählt, die bis zu Sols Großmutter in das Europa des Zweiten Weltkriegs führt.
Die Suche nach Imogen scheitert und so lesen wir die Tonbandaufzeichnungen von Rosamond, die an Imogen adressiert sind. In starken Bildern wird eine Familiengeschichte über drei Generationen erzählt und zeigt auf traurige Weise, wie bestimmte Muster weitergegeben werden.
Veronica erzählt ihre Familiengeschichte unverklärt, ohne Romantik und ohne Beschönigungen. Während Veronica die notwendigen Vorbereitungen für das Begräbnis trifft und die Familienmitglieder informirt geht sie in Ihrer Erinnerung zurück. Wir erfahren von der kinderreichen Familie (Veronica hatte elf Geschwister) in der sie aufwuchs, von Liams Alkoholsucht, aus der sie ihn nicht retten konnte und von ihrem Leben heute als Mutter und Ehefrau. Veronica erinnert sich auch an Bilder aus ihrer Kindheit und das Gefühl, an seinem Tod eine Mitschuld zu tragen, lässt sie nicht mehr los.
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