Die Queen von England gerät durch Zufall in den vor dem Palast parkenden Fahrbücherei-Bus. Aus Höflichkeit leiht sie sich ein Buch aus – und zappelt am Haken der Literatur. Das Lesen wird zu ihrer Leidenschaft, nimmt immer größeren Raum in ihrem Leben ein, und das bleibt angesichts ihrer Bedeutung für die Englische Nation selbstverständlich nicht ohne Konsequenzen. Aber auch der Haussegen beginnt, schiefzuhängen. Die Dialoge mit ihrem Mann, dem Herzog von Edinburgh, dem solche Anwandlungen nicht ganz geheuer sind, sind einfach köstlich. „Die souveräne Leserin“ ist eine Erzählung mit Herz und Humor, ein Büchlein, das man nicht verpassen sollte – zumal es in einem Nachmittag verschlungen ist. Die Hardcover-Version ist auch optisch und haptisch ansprechend aufgemacht. Eine Liebeserklärung ans Lesen.
Alan Bennett – Die souveräne Leserin September 13, 2009
Nick Hornby – Juliet, naked September 9, 2009
Als treue Nick Hornby Leserin hab ich mich natürlich auch sofort auf seinen neuen Roman gestürzt – und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Sicherlich ist der Roman eine leichte Lektüre, aber keineswegs eine banale. Die Charaktere sind wunderbar authentisch gezeichnet und sprechen einem manchmal aus der Seele.
Und was sehr viele Hornby-Fans auch freuen wird: es geht mal wieder um Musik: Tucker Crowe, ein Musiker aus USA, der sich vor über 15 Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat wird von einer kleinen Fangemeinde im Internet „am Leben erhalten“ und zu einer Legende gemacht, die er natürlich nicht ist. Auf der anderen Seite des Atlantik in einem hässlichen englischen Küstenort lebt Duncan – einer der größten Verehrer von Tucker Crowe – mit seiner Freundin Annie seit jahren in einer unerfüllten Beziehung. Die Wege kreuzen sich bald und es gilt, verlorene Lebenszeit gut zu machen …
Sadie Jones – Der Außenseiter Juli 13, 2009
England in der Nachkriegszeit: Lewis ist sechs Jahre alt, als er seine innig geliebte Mutter bei einem tragischen Unfall verliert – und damit auch seinen Rückhalt im Leben und das Gefühl, geliebt zu werden. Sein Vater Gilbert, im zweiten Weltkrieg vermutlich selbst traumatisiert, verhält sich distanziert und erwartet von Lewis, dass er mit Disziplin über den Tod der Mutter hinwegkommt.
Doch Lewis ist anders: er ist still, verschlossen und reagiert oft aggressiv und niemand in seiner Umgebung hat Verständnis für dieses Verhalten. Als sich schon bald eine Stiefmutter für Lewis findet hat zwar sein Vater rein äußerlich wieder ein Leben in Normalität hergestellt, doch die Fassade täuscht: Der Alkohol bestimmt bald weite Teile des Familienlebens.
Und so flüchtet sich Lewis als Jugendlicher nach London, in Jazzclubs und in den Alkohol und macht erste sexuelle Erfahrungen. Sein Schmerz mündet aber immer wieder in Aggression und Zerstörungswut und bald hat die Gemeinde einen guten Grund, ihn zu verurteilen.

Was hier beschrieben wird spielt zwar im England der Fünfzigerjahre, doch man sollte nicht versucht sein, das vorurteilsbehaftete Verhalten einer Gesellschaft mit dieser spießigen Ära zu erklären. Menschen, die sich nicht adäquat verhalten werden bis heute sehr schnell als Außenseiter identifiziert und bekommen wenige Chancen zur Rehabilitation.
Das fünfte Kind von Doris Lessing Juli 5, 2009
David und Harriet lernen sich in den wilden 60er Jahren in England kennen und wissen sofort: Sie gehören zusammen, wollen heiraten und viele gemeinsame Kinder haben. Trotz geselleschaftlichen Druck setzen sie diesen Plan um, kaufen ein großes Haus und gründen eine Familie. In den ersten Jahren scheint das Glück perfekt - ihr großes Haus ist Anziehungspunkt für Freunde und Familie. Das 5. Kind von David und Harriet zerstört diese Idylle für immer- Ben, das 5. Kind, ist in jeder Hinsicht anders, seltsam und fremd.
Doris Lessing beschreibt, wie schwer es unserer Gesellschaft fällt Menschen, die anders sind und nicht in die Norm passen, anzunehmen.
„Das fünfte Kind“ ist absolut empfehlenswert – ausser vielleicht für Schwangere – denen könnte bei den Beschreibungen des seltsamen Kindes angst und bange werden.
Jonathan Coe – Der Regen, bevor er fällt Mai 15, 2009
Als Gills betagte, allein stehende Großtante Rosamond stirbt fällt es ihr zu, in deren abgelegenes Haus in der ländlichen Grafschaft Shropshire zu fahren und sich um den Nachlass kümmern. Sie findet vier Tonbandkassetten sowie einen Brief von Rosamond, mit der Bitte, Imogen -eine entfernte Verwandte- ausfindig zu machen und sie ihr zu schicken und falls sie sie nicht fände, die Kassetten selbst anzuhören.
Die Suche nach Imogen scheitert und so lesen wir die Tonbandaufzeichnungen von Rosamond, die an Imogen adressiert sind. In starken Bildern wird eine Familiengeschichte über drei Generationen erzählt und zeigt auf traurige Weise, wie bestimmte Muster weitergegeben werden.
Dieses Buch ist für mich keine Entdeckung, aber es ist sehr fesselnd geschrieben und ich habs in drei (regnerischen) Tagen durchgelesen.