Zuallererst ein Geständnis: Ich lese keine Klappentexte. Ich lese nicht mal den Text auf der Rückseite eines Buches. Ich kann´s wirklich nicht ab, wenn ich vor dem Lesen den Plot oder gar das Ende kenne. Und dummerweise sind Klappentextautoren in der Regel ganz rücksichtslose Menschen. Leider entgeht mir so häufig auch das Glossar oder das Personenverzeichnis am Ende eines Buches.
Jedenfalls ist er bei „Unter Einzelgängern“ von Christopher Kloeble eigentlich sehr hilfreich, der Klappentext. Ich habe bis zum letzten Drittel des Buches gebraucht, um die von Kloebel klug konstruierten Zusammenhänge zu erkennen, und Vermutungen, die sich beim Lesen entwickelten, bestätigt zu bekommen. Ich frage mich natürlich nun: Ist das auch die Absicht des Autors gewesen? Oder hat er den wegweisenden Klappentext gleich mitverfasst? Also: Wer es etwas einfacher bei der Lektüre haben will, sollte wohl vorher mal im Buchdeckel nachschauen. Die Alternative: Nochmal lesen.
„Unter Einzelgängern“ beginnt mit dem tödlichen Unfall der Mutter Angela. Angelas Dialog mit einer Wollmaus kurz vor ihrem Tod („Typisch. Immer Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung. Selbst beim Verrecken.“) geht in meine persönliche Zitatsammlung ein. Es ist im weitesten Sinne eine Familiengeschichte, doch wie der Titel schon andeutet, handelt sie eher von Einzelgängern innerhalb einer Familie, die nur noch durch dramatische äußere Einschnitte in die Lage versetzt werden, miteinander umzugehen.
Christopher Kloebel versetzt uns in die jeweiligen Perspektiven der handelnden Personen, respektive Familienmitglieder, die verdrängen, lügen, hintergehen und sich gleichzeitig nach Orientierung, Verständnis und Angenommensein sehnen. Widersprüchliche Charaktere, wie jeder von uns. Das macht sicher den besonderen Reiz dieses Romans aus. Mich jedenfalls machte der Roman an vielen Stellen nachdenklich; und er ist auch, wie zu Beginn erwähnt, eine Herausforderung, will man doch die verschiedenen Erzählebenen irgendwie in den Griff bekommen.
Ich habe das Buch fast am Stück durchgelesen, es ist spannend und vielschichtig. Trotzdem war „Unter Einzegängern“ für mich kein Volltreffer. Es fehlte mir wohl doch ein wenig an Anteilnahme am Schicksal der Protagonisten. Ich denke aber, das ist reine Geschmackssache. Das Buch ist in jedem Fall empfehlenswert und wird jeden, der sich für Familienschicksale erwärmt, belohnen.
in kleines Zitat von Henryk M. Broder:
Als treue Nick Hornby Leserin hab ich mich natürlich auch sofort auf seinen neuen Roman gestürzt – und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Sicherlich ist der Roman eine leichte Lektüre, aber keineswegs eine banale. Die Charaktere sind wunderbar authentisch gezeichnet und sprechen einem manchmal aus der Seele.
Ein Fahrradunfall im Wald ist für Andreas Doppler ein Schlüsselerlebnis: Die Midlife-Crisis trifft ihn wie ein Hammerschlag und er beschließt, sein beschauliches Leben inklusive Karriere, Frau und zwei Kindern hinter sich zu lassen und in den Wald zu ziehen. Dort schließt er bald Freundschaft mit einem Elchkalb, dem er jeden Kontakt zu menschlichen Wesen vorzieht. Doch die Menschen lassen Doppler nicht in Ruhe und seine Frau stellt bald ein Ultimatum.
Dieser Roman ist eine Entdeckung. Inhaltlich und sprachlich.