Dieter Rotmund ist im mittleren Alter, hat einen sicheren Job, unterhält scheinbar aus beruflichen Gründen mit Frau und Tochter eine Fernbeziehung und führt ein völlig durchschnittliches Leben. Eine Durchschnittlichkeit, aus der er nicht entkommen kann – nicht mal, nachdem ihm beim Verfolgen eines Europameisterschaftsspiels in einer Kneipe plötzlich ein Ohr abfällt. Rotmund findet sich erstaunlich schnell mit seiner neuen Behinderung ab.

Genazino erzählt eine Geschichte des „Irgendwie-Scheiterns“ und des Verlassenwerdens. Den Leser erwartet ein Roman, in dem zwar nicht wirklich viel passiert; die Beobachtungen und Reflexionen des still an der Welt verzweifelnden Dieter Rotmund sind die Lektüre aber allemal wert. Wer jedoch am liebsten Bücher liest, in denen beispielsweise am Ende der Inspektor den Schuft verhaftet, wird mit „Mittelmäßiges Heimweh“ wohl nicht glücklich werden.
Der Roman wurde von der Kritik sehr zwiespältig aufgenommen. Hier findet Ihr ein schönes Beispiel dafür in der Zeit: Pro und Contra vertreten durch Eberhard Falcke und Ulrich Greiner.
Mir jedenfalls hat er sehr gut gefallen.
Auf der Rückseite des Büchleins urteilt Gerrit Bartels vom „Tagesspiegel“: „Ganz auf der Höhe seiner Kunst… das volle Genazino-Programm: Humor und Melancholie, Ironie und Alltag.“ Besser kann man es vielleicht nicht ausdrücken – daher lasse ich das zustimmend so stehen.
Taschenbuch, 188 Seiten, erschienen im dtv Verlag. EUR 8,90.
Die Geschichte ist aus Sicht von Elio geschrieben, der durch ein Wechselbad der Gefühle geht und sein Glück nicht fassen kann als er feststellt, dass Oliver auch ihn liebt. Die Dauer der „Romanze“ scheint durch den Aufenthalt Olivers in Italien begrenzt zu sein, doch Elios Liebe geht weit über diesen Zeitraum hinaus.