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Sadie Jones – Der Außenseiter Juli 13, 2009

Gespeichert unter: Romane — hilpirella @ 1:06
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England in der Nachkriegszeit: Lewis ist sechs Jahre alt, als er seine innig geliebte Mutter bei einem tragischen Unfall verliert – und damit auch seinen Rückhalt im Leben und das Gefühl, geliebt zu werden. Sein Vater Gilbert, im zweiten Weltkrieg vermutlich selbst traumatisiert, verhält sich distanziert und erwartet von Lewis, dass er mit Disziplin über den Tod der Mutter hinwegkommt.
Doch Lewis ist anders: er ist still, verschlossen und reagiert oft aggressiv und niemand in seiner Umgebung hat Verständnis für dieses Verhalten. Als sich schon bald eine Stiefmutter für Lewis findet hat zwar sein Vater rein äußerlich wieder ein Leben in Normalität hergestellt, doch die Fassade täuscht: Der Alkohol bestimmt bald weite Teile des Familienlebens.

Und so flüchtet sich Lewis als Jugendlicher nach London, in Jazzclubs und in den Alkohol und macht erste sexuelle Erfahrungen. Sein Schmerz mündet aber immer wieder in Aggression und Zerstörungswut und bald hat die Gemeinde einen guten Grund, ihn zu verurteilen.

Außenseiter
Was hier beschrieben wird spielt zwar im England der Fünfzigerjahre, doch man sollte nicht versucht sein, das vorurteilsbehaftete Verhalten einer Gesellschaft mit dieser spießigen Ära zu erklären. Menschen, die sich nicht adäquat verhalten werden bis heute sehr schnell als Außenseiter identifiziert und bekommen wenige Chancen zur Rehabilitation.

 

Andrea M. Schenkel – Kalteis Juli 12, 2009

Gespeichert unter: Romane — themaktima @ 7:23

KalteisDas Buch polarisiert, soviel steht fest; man schaue sich zur Illustration einfach mal die Rezensionen auf Amazon an. Ich fand “Tannöd” von der gleichen Autorin überragend, und auch “Kalteis” hat mir sehr gut gefallen. Das Buch IST spannend – auch wenn es mit der Verurteilung von Josef Kalteis beginnt. Denn die Identität von Kalteis ist für den Leser nicht jederzeit völlig klar. Dass das Buch auf einem wahren Kriminalfall beruht, macht es umso unheimlicher. Ist aber nichts für schwache Nerven, da es schon einige detaillierte, grausame Beschreibungen enthält. “Kalteis” hat den Deutschen Krimipreis 2008 gewonnen, genau wie “Tannöd” im Jahr zuvor. Den hat allerdings auch “Kinder des Todes” von Ian Rankin erhalten; und das war für mich eins der langatmigsten und gekünsteltsten Bücher seit langem. Überzeugt Euch am besten selbst, “Kalteis” ist klasse.

 

Das fünfte Kind von Doris Lessing Juli 5, 2009

Gespeichert unter: Romane — kikeriki @ 9:06
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das fünfte kind_David und Harriet lernen sich in den wilden 60er Jahren in England kennen und wissen sofort: Sie gehören zusammen, wollen heiraten und viele gemeinsame Kinder haben. Trotz geselleschaftlichen Druck setzen sie diesen Plan um, kaufen ein großes Haus und gründen eine Familie. In den ersten Jahren scheint das Glück perfekt -  ihr großes Haus ist Anziehungspunkt für  Freunde und Familie. Das 5. Kind von David und Harriet zerstört diese Idylle für immer- Ben, das 5. Kind, ist in jeder Hinsicht anders, seltsam und fremd.

Doris Lessing beschreibt, wie schwer es unserer Gesellschaft fällt Menschen, die anders sind und  nicht in die Norm passen, anzunehmen.

“Das fünfte Kind” ist absolut empfehlenswert – ausser vielleicht für Schwangere – denen könnte bei den Beschreibungen des seltsamen Kindes angst und bange werden.

 

Lieve Joris – Die Stunde der Rebellen Juli 3, 2009

Gespeichert unter: Romane — themaktima @ 10:30

Lieve Joris ist Journalistin und hat sich lange Zeit im Kongo aufgehalten. Dort gelang es ihr, Bekanntschaft (vielleicht Freundschaft?) mit einem Tutsi-Rebellen zu schliessen und den Kontakt aufrecht zu erhalten. In “Die Stunde der Rebellen” schildert sie dessen Aufstieg vom Kuhhirten, der im Hochland zwischen Ruanda und dem Kongo aufwächst, zum Rebellenführer in der Zeit zwischen 1993 und 2004. Es ist also eine Art biographischer Roman, der von der Kritik sehr positiv aufgenommen

Die Stunde der Rebellen - Lieve Joris

wurde. Leider kann ich die Euphorie nicht nachvollziehen. Sicher ist das alles authentisch, und die Fakten, die Joris liefert, tragen zum Verständnis, oder vielmehr überhaupt erstmal zum Wahrnehmen der ununterbrochen schwelenden Konflikte dieser Region bei. Nur ist das alles unverdaulich präsentiert. Der Erzählstil hat mich sehr an die Bücher von Peter Scholl-Latour erinnert. Wer sich in der Geschichte des Kongo nicht gut auskennt, verliert schnell den Faden – da helfen auch die Einführung und die beiden Seiten “Historischer Hintergrund”, die bezeichnenderweise hinten im Buch versteckt sind, nicht wirklich. Warum können Journalisten nicht einfach mal an den Leser denken, wenn sie ein Buch schreiben? Das soll kein Pauschalurteil sein, ich finde solche vergebenen Chancen nur sehr schade. Claus Kleber hat das in “Amerikas Kreuzzüge” ja auch geschafft.

 

Milchzähne von Ignacio Martinez de Pisón Juni 30, 2009

Gespeichert unter: Romane — kikeriki @ 12:27

Raffaele Cameroni kommt 1937 als Soladat nach Spanien, um sein Leben in Italien hinter sich zu lassen. Hier beginnt die Geschichte der Familie – in schöner Sprache und Episoden erzählt.

Der Roman handelt  von Verrat, Liebe und der Bedeutung der Familie und kommt dennoch nicht  rührselig daher.

 

Junot Diaz – Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao Juni 17, 2009

Gespeichert unter: Romane — hilpirella @ 10:26
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Highlight-Alarm!! Das ist eines dieser Bücher, die man nicht mehr weglegen kann, die man aber gleichzeitig ganz langsam lesen will, damit das Vergnügen möglichst lange anhält.
Oscar ist ein junger Dominikaner, der in New Jersey aufwächst und das Gegenteil des leidenschaftlichen Machos aus der Karibik ist: Ein übergewichtiger Nerd, der sich in die Welt von Rollenspielen flüchtet, während er seine Pubertät verpasst. Um Oscars Leben rankt sich die leidvolle Geschichte seiner Familie und die Geschichte der Dominikanischen Republik, die von Diktatur und Unterdrückung geprägt ist.
cover_oscar wao
Das klingt nun vielleicht etwas trocken und lasst Euch nicht von unendlichen Fußnoten und vielen spanischen Begriffen, die man im Glossar nachschlagen muss, abschrecken. Diaz erzählt so lebendig und mitreißend wie kaum jemand – und vermittelt damit auch noch Wissen, über die Geschichte einer Insel, an die die meisten Menschen nur an Bacardi-Feeling und All-inclusive-Urlaube denken.
Sofort lesen!

 

Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne Juni 4, 2009

Gespeichert unter: Romane — kikeriki @ 3:14
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der jungeDieser Roman – vor kurzem verfilmt – hat bewußt keinen Klappentext mit Inhaltsbeschreibung. Die Geschichte sollte vielmehr offen und unvoreingenommen gelesen werden. Dabei treten wir ein in die Zeit des Holocaust aus dem Blickwinkel des 9-jährigen Bruno.
Die Geschichte des Jungen im gestreiften Pyjama hat mich sehr berührt und: ich werde sie nicht mehr vergessen (was ich nicht von vielen Geschichten behaupten kann ;-) Lesen!

 

Edward P. Jones – Die bekannte Welt Juni 1, 2009

Gespeichert unter: Romane — themaktima @ 1:16
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Henry Townsend lebt in den USA und ist schwarz – eigentlich nicht die besten Voraussetzungen für ein ruhiges Leben, denn wir befinden uns in der Vorphase des amerikanischen Bürgerkriegs. Doch Henry ist nicht wie die meisten anderen Schwarzen Eigentum eines weißen Sklavenhalters: Er ist frei und besitzt selbst eine Plantage nebst Sklavensiedlung. Auf diesem  Fundament errichtet Jones ein komplexes erzählerisches Gebäude, in dem Herren und Sklaven in allen denkbaren Konstellationen ein und aus gehen.

Jones_Die_bekannte_WeltGebannt habe ich die oft tragischen Einzel- und Familienschicksale der schwarzen und weißen Südstaatenbewohner verfolgt. Der Einstieg fällt zwar nicht ganz leicht, denn die Story ist nichtlinear erzählt und zahlreiche Personen betreten die historische Bühne (so dass es sich lohnt, ab und zu im Personenverzeichnis hinten im Buch nachzuschlagen). Ich habe mich jedoch schnell daran gewöhnt und wurde mit einem faszinierenden und bewegenden Roman belohnt, der eine ungewöhnliche Perspektive auf die Sklaverei in den USA zwischen 1840 und 1860 vermittelt. Das Buch wurde 2004 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Für mich nach “Alles umsonst” das zweite echte Highlight dieses Lesejahres.

 

Paolo Coelho – Veronika beschließt zu sterben Juni 1, 2009

Gespeichert unter: Romane — hilpirella @ 11:26
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Erstmal muss ich gestehen, dass ich von Paolo Coelho bisher noch nichts gelesen habe und mich Titel wie “Die Hexe von Portobello” oder “Der Alchimist” auch eher abschreckten. Zu unrecht vielleicht? Denn Veronika beschließt zu sterben ist ein wundervolles Buch, in dem Menschen, durch einen bevorstehenden Tod wieder das Lebenswerte am Leben erkennen und neuen Mut schöpfen.

veronika beschließt zu sterben

Die Geschichte spielt unter “Verrückten” in einer slowenischen Psychiatrie, wir lernen dabei die Lebensgeschichten und Krisen von drei Patienten kennen. Der Unterschied zwischen normal und verrückt ist oft nur sehr schmal und die verrückten sind immerhin so normal, dass sie Ihre Situation auch selbstironisch betrachten.

Trotz der Rahmenbedingungen (Suizid, Psychiatrie) ist dies kein bedrückendes Buch, sondern eines, das einen selbst wieder aufblicken lässt.

 

Adam Davies – Froschkönig Mai 30, 2009

Gespeichert unter: Romane — hilpirella @ 9:37
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Harry hat Sch… am Fuß. Da er nicht in die karrieristischen Fußstapfen seines Vaters treten will, arbeitet er als Assistent in einem Verlag in New York. Naja, arbeiten ist nun etwas übertrieben…
Neben seinem beruflichen Loser-Dasein scheint Harry wohl aber ein echter Womanizer zu sein, und doch schafft er es leider nicht, seiner Freundin die Liebe zu gestehen, geschweige denn, ihr treu zu sein. So reitet sich Harry immer tiefer in die Sch…
froschkönig Ich fand dieses Buch sehr oberflächlich. Ich konnte mich zwar herrlich über die Beschreibungen der New Yorker Verlagsbranche und Harrys Verhalten im Büro amüsieren – mehr aber nicht. Nachdem ich Adam Davies “Goodbye Lemon” sehr begeistert gelesen hatte, war dieses Buch für mich eher eine Enttäuschung.