lesehuhn.de

Herr Eichhorn und der Mond – Sebastian Meschenmoser Oktober 29, 2009

Gespeichert unter: Kinderbuch — kikeriki @ 12:25
Tags: , ,

Das erste Kinderbuch auf dem Lesehuhn! Und das hat auch einen süßen Grund, denn die anderen beiden Lesehühner können just seit dieser Woche Kinderbuch-Tipps gebrauchen.

„Herr Eichhorn und der Mond“ ist eine wunderbare, kurze Geschichte über das Eichhörnchen und seine Freunde, die den Mond finden und versuchen diesen wieder an den „Himmel“ zu bekommen. Die Geschichte bringt einen zum Schmunzeln – die Bleistiftzeichnungen sind wunderschön.

Ein Buch, mit dem kleinere und gößere Kinder und auch die ganz Großen viel Freude haben.

 

Verbrechen von Ferdinand von Schirach Oktober 19, 2009

Gespeichert unter: Romane — kikeriki @ 8:53
Tags: , , ,

verbrechenÜber diesen Kurzgeschichtenband ist in den letzten Monaten viel Positives berichtet worden.

Schirach schreibt so souverän, klar und einfach, als hätte er nie etwas anderes gemacht [...] er ist ein großartiger Erzähler’ DER SPIEGEL

Ein wunderbares Debüt, fesselnd von der ersten Seite an und ohne jeden falschen Ton.’ FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG

Zu recht.

Ferdinand von Schirach ist von Beruf Anwalt. Mit einer knappen, klaren Sprache beschreibt er Fälle seiner Laufbahn. Dabei entstehen schnörkellose Psychogramme der Täter und Geschichten die, trotz ihrer Sachlichkeit, zum Teil schon fast erfunden wirken. Er verzichtet dabei auf langatmige Prozessbeschreibungen und Darstellungen, wie er die Angeklagten verteidigt hat.

Da sind ein Arzt, der mit über 70 Jahren die Frau, mit der ein Leben lang verheiratet war und die ihn ebenso lange gequält hat, mit der Axt zerteilt, eine Schwester, die ihren Bruder umbringt, ein Schafe mordernder Jugendlicher, der überall Zahlen sieht oder ein Student der aus Liebe seine Freundin auffressen möchte.

„Verbrechen“ versucht zu erklären: Jedes Verbrechen steht in einem kausalen Zusammenhang – hinter jedem Verbrechen steht die Geschichte eines Menschen, anhand der die Schuldfrage zu messen ist.

Nicht alle elf Geschichten haben mich gleichermaßen begeistert – das mag aber auch etwas sehr persönliches sein und muss nicht zwingend mit der Qualität der Geschichten zu tun haben.

Lesen und staunen.

 

Michael Chabon – Die Vereinigung jiddischer Polizisten Oktober 18, 2009

Gespeichert unter: Romane — themaktima @ 3:29
Tags:

Hier kommt ein Kriminalroman! „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ möchte ich allen Krimifans ans Herz legen, aber auch denjenigen, die sich normalerweise nicht so sehr für Krimis interessieren, und zuguterletzt der Mehrzahl der derzeit angesagten Krimiautoren – so können die nämlich erfahren, dass es durchaus gelingen kann, von dem Einheitsbrei runterzukommen, der in den letzten Jahren so publiziert wird.
Denn Chabon schreibt kurzerhand die Weltgeschichte um und erschafft so das Spannungsfeld, in dem sich ein intelligenter Kriminalfall – gewürzt mit einer gehörigen Prise Politik – entspinnen kann. Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Juden durch Krieg aus ihrem gerade gegründeten Staat Israel vertrieben und in einer Exklave an der Küste Alaskas versammelt, wo sie im Dauerkonflikt mit den indianischen Ureinwohnern und unter Beobachtung der einzigen Weltmacht USA leben. Der Distrikt Sitka, in dem der Roman spielt, soll 2007 jedoch im Zuge der sogenannten „Reversion“ wieder Teil der Vereinigten Staaten werden; den Juden droht erneut die Zerstreuung über die bewohnte Welt.

Da geschieht ein Mord, dessen Brisanz sich im Laufe der Geschichte herausstellen wird: Im heruntergekommenen Hotel Zamenhof, dem temporären Wohnsitz des ebenso heruntergekommenen, rauchenden, saufenden und geschiedenen Kriminalbeamten Meyer Landsman (der bleibt übrigens den ganzen Roman durch so kantig), wird ein Junkie erschossen aufgefunden. Neben dem Bett eine unvollendete Schachpartie: Unspektakulärer Beginn einer spektakulären Geschichte.

Neben der irrwitzigen Story besticht Chabons Wortwitz; der Mann ist ein echtes Sprachtalent. Und die Übersetzung von Andrea Fischer schafft es ganz offensichtlich, den originellen Stil zu erhalten. Eigentlich möchte man sich spätestens alle drei Seiten ein Zitat herausschreiben.
Vielleicht hat das Buch ein paar Seiten zu viel; und es ist auch keine ganz einfache Lektüre, nicht unbedingt ein Pageturner. Aber wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird mit einem hervorragenden Krimi der anderen Art belohnt.


 

Laurens von der Post – Gedicht Oktober 8, 2009

Gespeichert unter: Gedichte — kikeriki @ 10:59

Am Ende dachte ich,
dass unter allen Sehnsüchten,
die das menschliche Herz bedrängen
für mich am größten
das immerwährende Verlangen ist,
das, was noch so ganz jung ist
in uns allen,
mit dem zu versöhnen,
was schon ach so alt ist.

 

Lirum Larum Lesefest in Freiburg 04.10.09 Oktober 4, 2009

Gespeichert unter: Veranstaltung / Lesung — kikeriki @ 8:33

Heute waren wir, wenn auch nur kurz, auf dem Lirum Larum Lesefest in Freiburg. Wir waren gekommen, um das aktuelle „Sams“ Buch von Paul Maar höchst persönlich vorgelesen zu bekommen, aber unsere Kinder waren  für die vielen Paul Maar Gedichte, die der Autor eingangs zum Besten gegeben hat, wohl etwas zu jung.

Und von wegen Kinder lesen nicht mehr. Der Andrang vor der Halle war ungefähr so wie im Karstadt beim Sommerschlussverkauf. Und um einen Platz zu ergattern musste man ähnlich rennen, wie beim SSV für das ultimative 1 Euro-Schnäppchen.

Das Lesefest geht noch zwei Tage, vielleicht schaffen wir es nochmals zu einem altersgerechten Kinder-Lese-Schmankerl.

Infos unter lesefest.freiburg.de

 

Juli Zeh – Schilf Oktober 4, 2009

Gespeichert unter: Romane — hilpirella @ 4:31
Tags: , ,

schilf Um es gleich vorweg zu nehmen: ein faszinierendes, spannend komponiertes Buch mit einem zügigenTempo, das irgendwo zwischen Roman und Krimi einzuordnen ist. Es gibt zwei Fälle zu lösen, doch die Kripo erscheint erst etwa zur Hälfte des Buches. Das ist schonmal sehr wohltuend, wo sich doch so viele Krimis nur noch um den Kommissar und dessen Persönlichkeit und kaum noch um das Geschehene drehen.

Schilf ist eine aussergewöhnliche Geschichte, die im Umfeld der Quantenphysik spielt. Zwei Freunde, die unterschiedliche Theorien vertreten und unterschiedliche Leben leben: Sebastian Oskar ist immer noch Single und forscht am Cern in Genf, Sebastian ist Professor und lebt mit seiner Familie im beschaulichen Freiburg. Ein Telefonanruf ändert sein Leben in nur einem Moment und reißt ihn aus der Idylle.

Dieses Buch konnte ich nur schwer aus der Hand legen – und lege es jedem ans Herz, der es noch nicht kennt.

 

Alice Greenway- Weisse Geister Oktober 2, 2009

Gespeichert unter: Romane — kikeriki @ 9:43

weisse geisterLesehuhn hilpirella gestand mir bei unserem letzten Treffen, dass sie bereits das ein oder andere Mal vor diesem Titel stand und es beinahe wegen dem schönen Cover gekauft hätte. Das Buch ist in der Tat auch ungelesen eine Freude: Titelumschlag, Papier, Lesezeichen alles sehr ästhetisch. Und der Inhalt?

„Weisse Geister“ erzählt auf 224 Seiten die Geschichte und letzendlich das Drama der amerikanischen Schwestern Kate und Frankie, die mit ihren Eltern in Hong-Kong leben. Ihr Vater arbeitet als Pressefotograf im Vietnamkrieg. Wir erleben die 13 und 14 Jahre alten Schwestern auf der Suche nach Liebe und Anerkennung, der Entdeckung der Sinnlichkeit und wie sie geradewegs auf ein großes, alles veränderndes, Unglück zusteuern.

Mit einer fast schon poetischen Sprache wird ein ungewöhnliches und sensibles Portrait gezeichnet, was zunehmend an Dynamik gewinnt.

Ein schönes Buch – in jeder Hinsicht.

 

Christopher Kloeble – Unter Einzelgängern September 29, 2009

Gespeichert unter: Romane — themaktima @ 5:39
Tags:

Zuallererst ein Geständnis: Ich lese keine Klappentexte. Ich lese nicht mal den Text auf der Rückseite eines Buches. Ich kann´s wirklich nicht ab, wenn ich vor dem Lesen den Plot oder gar das Ende kenne. Und dummerweise sind Klappentextautoren in der Regel ganz rücksichtslose Menschen. Leider entgeht mir so häufig auch das Glossar oder das Personenverzeichnis am Ende eines Buches.
Jedenfalls ist er bei „Unter Einzelgängern“ von Christopher Kloeble eigentlich sehr hilfreich, der Klappentext. Ich habe bis zum letzten Drittel des Buches gebraucht, um die von Kloebel klug konstruierten Zusammenhänge zu erkennen, und Vermutungen, die sich beim Lesen entwickelten, bestätigt zu bekommen. Ich frage mich natürlich nun: Ist das auch die Absicht des Autors gewesen? Oder hat er den wegweisenden Klappentext gleich mitverfasst? Also: Wer es etwas einfacher bei der Lektüre haben will, sollte wohl vorher mal im Buchdeckel nachschauen. Die Alternative: Nochmal lesen.

„Unter Einzelgängern“ beginnt mit dem tödlichen Unfall der Mutter Angela. Angelas Dialog mit einer Wollmaus kurz vor ihrem Tod („Typisch. Immer Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung. Selbst beim Verrecken.“) geht in meine persönliche Zitatsammlung ein. Es ist im weitesten Sinne eine Familiengeschichte, doch wie der Titel schon andeutet, handelt sie eher von Einzelgängern innerhalb einer Familie, die nur noch durch dramatische äußere Einschnitte in die Lage versetzt werden, miteinander umzugehen.

Christopher Kloebel versetzt uns in die jeweiligen Perspektiven der handelnden Personen, respektive Familienmitglieder, die verdrängen, lügen, hintergehen und sich gleichzeitig nach Orientierung, Verständnis und Angenommensein sehnen. Widersprüchliche Charaktere, wie jeder von uns. Das macht sicher den besonderen Reiz dieses Romans aus. Mich jedenfalls machte der Roman an vielen Stellen nachdenklich; und er ist auch, wie zu Beginn erwähnt, eine Herausforderung, will man doch die verschiedenen Erzählebenen irgendwie in den Griff bekommen.
Ich habe das Buch fast am Stück durchgelesen, es ist spannend und vielschichtig. Trotzdem war „Unter Einzegängern“ für mich kein Volltreffer. Es fehlte mir wohl doch ein wenig an Anteilnahme am Schicksal der Protagonisten. Ich denke aber, das ist reine Geschmackssache. Das Buch ist in jedem Fall empfehlenswert und wird jeden, der sich für Familienschicksale erwärmt, belohnen.


 

Leon de Winter – Serenade September 28, 2009

Gespeichert unter: Romane — kikeriki @ 3:00

Den Mittelpunkt dieses Romans bildet Benjamin Weiss und seine jüdische Mutter Anneke. Anneke, in der Naziherrschaft nur knapp dem Konzentrazionslager entkommen, erkankt an Krebs. Nach der Operation erfährt sie nicht, dass sie unheilbar krank ist, ihr Sohn will es so.

Eines Tages verschwindet Anneke ohne eine Nachricht zu hinterlassen und der Sohn begibt sich auf die Suche nach seiner Mutter. Die Mutter befindet sich derweil im Balkan, um den Krieg dort zu beenden.

Ein kurzweiliges Buch, spannend erzählt und sprachlich gewandt. Dennoch bleibt die Geschichte der alten Dame, dort wo es interessant wird – wie in der Schilderung oder Aufarbeitung ihrer Kriegstraumata – für mein Empfinden zu oberflächlich. Berührt hat mich die Beschreibung der Mutter-Sohn Liebe, die ganz ohne Pathos und Auslassungen auskommt.

Ich liebe den Autor Leon de Winter. Seine Bücher sind allesamt lesenswert. Wer Leon de Winter noch entdecken darf, dem lege ich „Hoffmanns Hunger“ und „Der Himmel von Hollywood“ ans Herz.

Zu guter Letzt eleon de winterin kleines Zitat von Henryk M. Broder:

„Leon de Winter ist mein Lieblingsdichter, ich bin süchtig nach seinen Büchern und ich habe schon daran gedacht, Holländisch zu lernen, nur um seine Romane erstens im Original und zweitens gleich nach ihrem Erscheinen lesen zu können.“

In diesem Sinne: Lesen!

Abb: Leon de Winter

 

Kinderreim – Unbekannter Dichter September 18, 2009

Gespeichert unter: Gedichte — hilpirella @ 11:34

Heute früh in Deutschlandradio gehört:

Wir sind vom Idiotenclub
Und laden herzlich ein
Bei uns ist jeder gern gesehn
Nur dußlig muss er sein
Bei uns gilt die Parole
Stets doof bis in den Tod
Und wer bei uns der Doofste ist
Ist Oberidiot